digital publishing award
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Die Sieger des digital publishing award 2020

Innovationen im Publishing kommen längst nicht mehr nur primär von reichweitenstarken Publikumsverlagen und Medienhäusern. Den Prozess der digitalen Transformation treiben auch Startups und hochspezialisierte Forschungseinrichtungen sowie Dienstleister an. Davon zeugt die Liste der Sieger des digital publishing award 2020.

Die Riege der Gewinner ist diesmal sehr breit gestaffelt und reicht von Carlsen als klassischem  Buchverlag, der neue – digitale – Wege der Zusammenarbeit eingeführt hat. Über scoolio als Entwickler einer App, die den Alltag von Schülern zu organisieren hilft und diese mit Unternehmen vernetzt. Über das Deutsche Archäologische Institut, das eine Readerplattform für Forschungsliteratur und andere Inhalte entwickelt hat. Die Universal Edition, die den Vertrieb von Noten und Partituren via Tablet, Smartphone und Desktop steuert. Bis hin zu Tobias Ott, der nicht nur als Pionier des XML-Publishing die Branche digitalisiert, sondern auch als Aufsichtsrat bei Greenpeace digitale Schübe auslöst. 

Die Sieger des digital publishing award 2020 im Überblick:   

Produkt/ Geschäftsmodell:
Universal Edition: UE Now

Prozess/ Technologie:
Deutsches Archäologisches Institut: DAI-Journal- Viewer

Startup:
scoolio

Sonderpreis:
Carlsen Verlag: New Work-Initiative

Digital Leader(ship):
Tobias Ott von Pagina

Das Organisationsteam des dpa bedankt sich bei den Sponsoren und Unterstützern: Samsung, Bookwire, Bilandia, Frankfurter Buchmesse 



Die Begründungen der Jury



PROZESS/TECHNOLOGIE: DAI-Journal-Viewer

Deutsches Archäologisches Institut

Das Deutsche Archäologische Institut ergänzt seine Printpublikation seit Herbst 2019 mit einem digitalen Journal, das Artikel mit Forschungsdaten aus unterschiedlichen Informationsressourcen verknüpft. Nach Einschätzung der Jury erfolgt auf diese Art und Weise die „konsequente Modernisierung von was ganz Eingessenem“, in einer „nur vermeintlich verstaubten Nische der Gesellschaft“. Mit dem modernen Journal-Format werde dafür gesorgt, dass öffentliches Gut auch für alle verfügbar wird. Die technologische Grundlage ermögliche dabei eine Skalierbarkeit des Angebots, sodass die Readerplattform auch auf die Publikationen anderer Institute und Institutionen ausgedehnt werden könnte.



PRODUKT/GESCHÄFTSMODELL: UE Now

Universal Edition


Das Besondere an dieser Einreichung ist, dass Musikmaterial nicht mehr nur als PDF, sondern als mobile App publiziert wird – und zwar erstmals für den Bereich klassischer Musik, private und professionelle Musiker.  UE Now bietet digitales Notenmaterial in Echtzeit, sodass erstmals kollaboratives Musizieren und Arbeiten an den Noten ermöglicht wird. Viele weitere hilfreiche Features ermöglichen eine besonders user-freundliche Nutzung. Vor dem Hintergrund, dass klassische Musikverlage bisher kaum als Pioniere in Sachen digitale Innovation in Erscheinung getreten sind, trägt der Notenverlag Universal Edition zur digitalen Transformation dieser Branche bei. Die Chance des Angebots könnte laut Jury darin bestehen, dass der Verlag künftig als Plattform-Provider auftritt und andere Verlage ins Angebot integriert.



STARTUP: scoolio

scoolio 


Die digitale App-Plattform soll den Alltag von Schülern „mit Spaß organisieren“ und diese außerdem mit Unternehmen und Hochschulen vernetzen. Laut Unternehmen nutzt fast jeder achte Schüler in Deutschland Scoolio (insgesamt 850.000 Nutzer), die somit größte und beliebteste Schülercommunity hierzulande. Die Jury findet das bereits Erreichte beachtlich und lobt, dass Scoolio Communitybildung auf einer (eigenen) Plattform betreibe, die nicht zu den großen Digitalfirmen weltweit gehört – ein Modell, auf das beispielsweise Schulbuchverlage neidisch schauen dürften.



SONDERPREIS: Carlsen Verlag, New Work-Initiative


Der Carlsen Verlag hat als erster Verlag innerhalb der Bonnier-Gruppe eine New Work-Initiative gestartet, mit der neue Formen der Zusammenarbeit eingeführt wurden. Schlüssel zum Erfolg war dabei der Aufbau einer Community aus MitarbeiterInnen (sog. „Pioneers“), Führungskräften und der IT, in der mobile Konzepte entwickelt und umgesetzt wurden – eine Initiative von MitarbeiterInnen für MitarbeiterInnen. Das Ergebnis: Es wird weniger in Silos gearbeitet, Offenheit/Transparenz und Flexibilität der Zusammenarbeit wurden deutlich erhöht. Nach Einschätzung der Jury hat der Verlag auf diese Weise auch seine Attraktivität als Arbeitgeber für eine jüngere Zielgruppe und besonders auch ArbeitnehmerInnen mit Familie gesteigert. „Das ist eine wichtige Voraussetzung für innovatives Denken.“



DIGITAL LEADER: Tobias Ott von Pagina


Tobias Ott begleitet die Verlagsbranche als XML-Profi der ersten Stunde und stellt diese Schlüssel-Technologie für das gesamte digitale Publizieren mit seiner Firma pagina Publikations technologien in vielfältigsten Projekten und Szenarien zur Verfügung. Mit dem dort entwickelten parsX-Framework ist unter seiner Leitung eines der leistungsfähigsten Systeme für XML-basiertes Publizieren auf dem deutschen Markt entstanden. Das darunter liegende XML-Schema ist seit letzten Jahr lizenzfrei verfügbar und bietet eine solide Basis für die digitale Transformation der Verlags-Produktion. Für die Verlags- und Medienbranche ist Tobias Ott nicht nur als Dienstleister tätig, sondern hat als Dozent an der Hochschule der Medien in Stuttgart maßgeblich die Ausbildung einer ganzen Nachwuchs-Generation geprägt. Wir zeichnen mit ihm eine Persönlichkeit aus, die durch ihre vielfältigen Aktivitäten die Digitalisierung des Verlagswesens maßgeblich vorantreibt und weit über die Rolle als Dienstleister hinaus nachhaltigen Nutzen für die Branche stiftet.


Siehe auch die Laudatio von Simone Graff, Hädecke Verlag




Die Shortlist des dpa 2020


Laudatio auf Tobias Ott