digital publishing award
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„Cooles Wissen darf keiner für sich behalten“

Bookwire-Mitgründer John Ruhrmann über Innnovationstreiber und -formen, den Audio-Boom und Perspektiven für den E-Book-Markt

Bookwire ist mittlerweile zehn Jahre alt. Kann man da noch von einem Start-up sprechen?

Es kommt darauf an, in welcher Hinsicht. Mir ist wichtig, dass Bookwire den „Start-up-Spirit“ behält – der vom Enthusiasmus des Anfangens, des Versuchens und dem Wunsch nach Wirksamkeit trotz möglicher Fehlschläge genährt wird. Dieses Mindset ist wichtig, wenn man sich in einem konstant entwickelnden Umfeld behaupten möchte. Bei Bookwire geht es darum, Value für Verlage und Shops zu generieren. Für uns ist deshalb vor allem relevant, dass wir immer wieder etwas anfangen und etwas, das wir schon können, weiterentwickeln. 

Bookwire fällt immer wieder als Unternehmen mit neuen Ansätzen und Produkten im Digital Publishing auf. 2019 haben Sie den digital publishing award für Ihren Hörbuch-Produktionsservice We Audiobook You – WAY gewonnen. Woher nehmen Sie die Inspiration für die Entwicklung neuer Projekte? Was sind Innovationstreiber?

Wir haben vor einiger Zeit ein Mission Statement für uns gefunden, welches uns inhaltlich dazu antreibt, uns immer wieder neu zu überlegen – sei es mit einem Service oder technologisch –, was unseren Verlagskunden noch im Bookwire OS fehlen könnte. Wie können wir Verlagen behilflich sein, einen Markt zu betreten, den sie vielleicht noch nicht kennen? Wie können wir sie befähigen und mit ihnen gemeinsam lernen?

Das alles geht nur mit einem Team, das nicht nur die Herausforderung annimmt, sich mögliche Antworten auf diese Fragen zu überlegen, sondern dann auch in der Lage ist, diese umzusetzen. 


Über Bookwire

Die Bookwire GmbH (Webseite) wurde 2009 als Dienstleister für Verlagsauslieferungen von E-Books und digitalen Inhalten in Frankfurt gegründet und hat sich seitdem zu einem der führenden internationalen Unternehmen im Bereich der Digital Publishing-Technologie entwickelt. Für die Hörbuch-Produktionslösung "We Audiobook You" (WAY) wurde das Unternehmen im Jahr 2019 mit dem ersten "Digital Publishing Award" im Bereich B2B-Lösungen ausgezeichnet.


Welche Kriterien muss eine Idee aus Ihrer Sicht erfüllen, damit daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell entwickelt werden kann?

Sie muss in die aktuelle Zeit oder in die unmittelbare Zukunft sowie ihr Umfeld passen. Jede gute Idee hat ein Zeitfenster – die Gelegenheit muss stimmen. Die Idee muss zudem in den Markt kommuniziert werden können. Ein Feature muss skalierbar, für alle Kunden erfassbar und auch bezahlbar sein. Der direkte Wert eines Service oder einer Technologie wird so stets leicht vermittelbar sein.

Wie gelingt es, das Thema Innovation fest in der DNA eines Unternehmens zu verankern? 

Indem man jede Abteilung und jeden Manager dazu auffordert, neue Prozesse und Ansätze zu suchen. Es ist dafür dringend notwendig, jedes Jahr eine gewisse Summe in Innovation zu investieren. So etwas muss im Budget verankert werden – immer mit der Gefahr, dass Projekte auch mal danebengehen.

Außerdem braucht Innovation eine starke Querdenker-Kommunikation durch das ganze Unternehmen. Cooles Wissen darf keiner für sich behalten.

Prozessinnovation versus Produktinnovation – wo liegen die größeren Chancen für die Branche?

In beidem. Das sind zwei Angelegenheiten, die zusammengehören. 

Wenn wir jetzt auf das weite Feld des Digital Publishings und das „Big Picture“ blicken: Wo geht die Reise hin? Wo sehen Sie die nächsten großen Trends?

Die aktuellen Kristallkugel-News bringen die üblichen Buzz-Words: AR, VR, AI, Audio, Smart Speaker, Voice Assistants, TikTok-Marketing, Binge-Listening. Mit diesen Themen sollte sich jeder beschäftigen. Und sich gegebenenfalls klar machen, warum man das ein oder andere davon jetzt genau nicht (oder noch nicht) braucht. Abseits der Trends wird es aber in der Basis der Arbeit darum gehen, dass digitales Marketing und digitale Distribution, insbesondere auch mit großen Plattformen, wirkungsvoll funktionieren muss. Hier wird es viel darum gehen, wie man mit neuen und alten, großen und kleinen Partnern wertstiftend zusammenwirken und Inhalte verkaufen kann. Der Zukunftsmarkt wird geprägt sein vom Netzwerk und der Kollaboration starker Content-Kreatoren und Vermarkter, so wie bisher auch – nur mit einer größeren technischen Komponente. 

Was bedeutet das für klassische Buchverlage?

Es bedarf konstanter Strategieentwicklung und technischer Entwicklung. Trotzdem ist jeder Verlag anders und hat andere Bedürfnisse.

Alle reden von Audio. Aber welches Entwicklungspotential sehen Sie für das Thema E-Book?

Ganz einfach. Es war gut bis jetzt. Aber: Das Beste kommt hier noch. Wie wichtig ist es für Verlage, ihre Produkte in verschiedenen Formaten anzubieten? Aus meiner Sicht: überlebenswichtig.  Aus Sicht der Verlage: eine Strategiefrage, eine Willensfrage, eine Ressourcenfrage, eine Lizenzpartnerfrage. 

Natürlich kommt es grundsätzlich auf den Inhalt an. Ich sehe es so: Verlage sind Informationsbroker, Geschichtenerzähler, Gefühlshändler, Autorenvermarkter, Thementreiber. Bücher sind tolle Produkte, die auf unendlich viele Weisen genutzt und angeboten werden können. Hier wurde noch lange nicht alles ausprobiert – wir stehen erst am Anfang einer spannenden Entwicklung.

Welche Rolle werden Intermediäre wie Bookwire künftig in der Branche spielen? 

Ich kann nur für Bookwire sprechen. Wir sind Putzerfische: nützlich. Wir haben unsere Nische und können etwas Sinnvolles zum Ganzen beitragen. Ich bin mir sicher, das gilt für alle Intermediäre, was auch immer sie anbieten, wenn sie einen Wert für die Unternehmen links, rechts oder direkt vor ihnen haben.