Ein Job in der Medienbranche? Lieber
nicht… jedenfalls könnte man so eine aktuelle Branchen-Diskussion betiteln, ausgelöst
von dem (Ex-)Jungjournalisten Janosch Tröhler, der kürzlich einen
vieldiskutierten Beitrag zu seinem Branchenwechsel unter dem Titel „Abschied
aus den Medien: Ich bin froh, dass ich raus bin“ veröffentlichte.
Mediencoach Attila Albert prognostiziert
prompt eine „Flucht der jungen Leistungsträger“ und
weiter: „Früh Karriere gemacht, bald aber erschöpft, frustriert und enttäuscht.
Auffällig viele junge Medienprofis verlassen die Branche nach einigen Jahren
bereits wieder, während ihre Chefs und älteren Kollegen bleiben.“
Auf der anderen Seite steht die zunehmende
Zahl an Führungskräften aus Verlagen, die sich den Kopf darüber zerbrechen, wie
sie qualifizierten Nachwuchs oder kompetente Fachkräfte ins eigene Haus
bekommen und halten sollen.
Beides zusammengenommen zeigt sich ein
Trend, der sich aktuell massiv verstärkt: ein schrumpfender
Arbeitnehmer:innenmarkt, der auf einen Arbeitgeber:innenmarkt trifft, der an
Attraktivität verliert und eigentlich im Moment auch mit ganz anderen
Herausforderungen zu kämpfen hat, von Papierpreis über Inflation bis
Digitalisierungsunvermögen.
Fakt ist – und wurde an dieser Stelle auch
in anderen Kontexten schon betont: die Medienlandschaft ist divers – was Größe,
Struktur, Angebotspalette, Grad der Digitalisierung und viele Faktoren mehr
angeht. Das macht es vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen
nicht einfacher im Wettbewerb. Nun muss es aber nicht immer der (vorhandene
oder fehlende) berühmtberüchtigte Tischkicker sein, der den Ausschlag gibt. Ein
Bewerber:innen-Management, ein Recruiting, das serviceorientierter ist, wäre
ein Anfang. Gerade beim Thema „Nachwuchs“ macht sich dessen Fehlen fatal
bemerkbar: Ich kann jedem nur empfehlen, einmal einen studentischen Jahrgang zu
den Erfahrungen mit Personalabteilungen in Verlagen zu befragen – Fremdschämen
ist inbegriffen. Erschreckenderweise hört man genau dieselben Beschwerden,
spricht man mit älteren, erfahrenen Kolleg:innen, die auf Jobsuche sind.
Vielleicht wäre es bei „Young Talents“
auch sinnvoll, weniger auf den eigenen kulturverbrämten Nimbus als „Verlag“ zu pochen,
sondern den Unfug mit endlosen Volontariaten und Praktika zu beenden. Wer
feststellen möchte, ob ein Bewerber oder Bewerberin passt, für den gibt es das
Instrument der Probezeit. Alles andere ist Ausbeutung einer billigen
Arbeitskraft und auch Respektlosigkeit.
Es wird Ihnen vermutlich keine Hilfe sein,
aber Sie respektive Ihr Unternehmen werden sich zukünftig massiv ins Zeug legen
müssen, um die richtigen Mitarbeiter:innen zu bekommen (und auch zu halten).
Arbeit wird in westlichen Gesellschaften ein knapperes Gut werden, der Kampf um
Mitarbeitende hat gerade erst begonnen. Strengen Sie sich an!
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre,
Steffen Meier
Herausgeber
DIGITAL PUBLISHING REPORT