#9/ 2021
4/22

TikTok, KI als Cop, von Metaversen und NFTs

Technologie im Publishing

Wie viel Geld geben wir eigentlich für digitale Inhalte aus?

Gute Frage! Petra Schwegler hat im Medientage-Blog eine Modellrechnung aufgemacht und kommt zu dem Schluss, dass der durchschnittliche Erlös pro Streaming-Nutzer:in (ARPU, engl. Average Revenue Per User) pro Jahr bei rund 80 Euro liegt, im Bereich Audio geben wir im Monat etwa 15 bis 20 Euro aus. Für gedruckte Zeitungen und Zeitschriften mit digitalen Zusatzdiensten liegen die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben bei stattlichen 70 Euro. Stark im Kommen sind Paid Newsletter, dort liegen die Ausgaben (im Moment vornehmlich in den USA) bei 5 bis 15 Dollar.  Da kommt dann doch einiges an Ausgaben zusammen. Ob sich die Entwicklung so fortsetzt, bezweifelt die Autorin: „Diese Vorzeigerechnung würde sicher den klassischen Anbietern gut gefallen. Auch steigen die Ausgaben pro Haushalt fürs Medienbudget seit Jahren weiter an. Doch Fakt ist: Gerade die nachwachsende Generation mit den künftigen Haushaltsführenden tendiert eher zu gestreamten Video- und Audioinhalten. Abzuwarten bleibt, wie sich der Mix entwickelt.“

Die Modellrechnungen im Überblick

TikTok ist das neue Facebook. Oder?

TikTok als erste App, die nicht zu Facebook gehört, die 3-Milliarden-Download-Marke überschritten. Zum Vergleich: Weltweit gibt es 5,3 Mrd. Mobiltelefonbenutzer. Chris Stokel-Walker, Autor des Buchs "TikTok Boom: China’s Dynamite App and the Superpower Race for Social Media". Er kommt zu dem Schluss: „Mit seinen 732 Millionen monatlich aktiven Nutzern ist TikTok die App der Stunde und wahrscheinlich auch die App der Zukunft. Es ist das neue Facebook.“. Und weiter: „So wie Facebook das Internet, die Art und Weise, wie wir interagieren, und unsere Herangehensweise und Einstellung zu persönlichen Daten in den letzten zwei Jahrzehnten geprägt hat, so hat TikTok das Potenzial, das Gleiche für die nächsten 20 Jahre zu tun“. Einen ersten Schritt in diese Richtung sieht er in der Veröffentlichung des TikTok-Login-Kits. Das Toolset erlaubt es App-Entwicklern von Drittanbietern, Nutzern zu erlauben, sich mit ihrem TikTok-Konto bei ihren Apps anzumelden. „Mit anderen Worten: TikTok wird zu einem Portal zum Rest des Internets. Wo wir uns jetzt mit unserem Facebook-Konto bei Tinder, Spotify und Hunderten von anderen Apps und Websites anmelden können, könnten wir das bald auch mit TikTok tun.“ Ob das tatsächlich so kommen wird, muss wie immer in der schnellebigen Internet-Ökonomie abgewartet werden. Zudem muss auch die Verquickung mit dem Regime in China kritisch gesehen werden.

Chris Stokel-Walkers Analyse findet sich hier

 

KI als Cop? Da ist Vorsicht angebracht – wenn Mensch Einfluss nimmt

Auf t3n gibt es ein interessantes Lehrstück über den Einsatz von KI bei der Aufklärung von Mordfällen nachzulesen. Diese KI wurde von Shotspotter entwickelt. „Das Unternehmen, das in verschiedenen Städten der USA, darunter auch Chicago, tätig ist, hat über die Stadt ein Netz von Mikrofonen installiert. Die nehmen Geräusche auf, die dann mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen untersucht werden. Erkennt die KI Schußgeräusche, alarmiert sie die Polizei.“ Auf diese Weise wurde der 65-jährige Michael Williams aus Chicago einer Mordtat überführt und ins Gefängnis gesteckt. Erst nach einem Jahr fanden sich Hinweise, dass die KI ihn gar nicht eindeutig identifiziert hatte: „Vielmehr hatte es sich um den Knall eines Feuerwerkskörpers aus einer Entfernung von über einem Kilometer gehandelt. Shotspotter-Mitarbeiter hatten das Geräusch später manuell als Schuss in Williams’ Nähe umklassifiziert. “ Manchmal muss man der KI eben doch trauen.

Mehr zum Vorgang hier

Facebooks "Widely Viewed Content Report" lässt Fragen offen

Im Rahmen seiner Transparenz-Offensive hat Facebook seinen "Widely Viewed Content Report" veröffentlicht, vorläufig mit Daten aus den USA. Enthalten sind Statistiken zu Inhalten, die im Newsfeed am besten funktioniert haben – von Links über Webseiten bis zu Beiträgen. Inzwischen gibt es eine überarbeite Version: „Wie zuerst von der New York Times berichtet, die eine Kopie des Q1-Berichts erhielt, bevor Facebook ihn veröffentlichte, war der meistgesehene Link auf Facebook zwischen Januar und März dieses Jahres eine inzwischen aktualisierte Nachricht, die nahelegte, dass der Tod eines Arztes in Florida mit dem Impfstoff COVID-19 in Verbindung stehen könnte“ wie The Verge berichtete Das war natürlich reichlich Wasser auf die Mühlen derer, die Facebook der Verbreitung von Fake News beschuldigen, allen voran der aktuelle US-Präsident. Für Publisher ist der Report eher ernüchternd, „die sich von Facebook viel Traffic erhoffen. Und auch die Top 20 Links, Pages und Posts zeigen, dass es eher "egaler" Viral-Content und die großen Facebook-Video-Publisher wie The Dodo, Lad Bible, Unilad & Co. sind, die funktionieren. So war der erfolgreichste Link die Seite playeralumniresources.com, eine Sammlung ehemaliger Spieler des NFL-Teams der Green Bay Packers.“ (so Torben Lux von OMR). Und Wired sieht Facebook inzwischen als Spam-Plattform. Mehr dazu hier 

 

Von Metaversen und NFTs

Seit einigen Wochen kursiert der Begriff "Metaverse" im Internet, meist mit bedrohlich untermalter Begleitmusik. Tatsächlich stammt der Begriff aus der Science Ficition: "Der Ursprung der Bezeichnung „Metaverse“ stammt aus dem 1992 erschienenen Science-Fiction-Roman „Snow Crash“ vom US-Amerikaner Neal Stephenson. Darin beschreibt Stephenson eine dystopische Zukunftsgesellschaft, in der Tech-Konzerne die Welt beherrschen. Das „Metaversum“ ist eine vollständig digitale, endlose Parallelwelt mit eigenem Öko-System, in das die Menschen flüchten, um der traurigen Realität zu entkommen. Im „Metaversum“ gibt es eine eigene Währung, Spielende können sich mit Freunden treffen und Waren konsumieren."

Bisher existiert so etwas im Gaming, Fortnite und Roblox sind Beispiele für solche Metaversen. Und auch in Metaversen geht es um Besitz, und zwar in Form von NFTs: "NFTs sind digitale, handelbare Güter innerhalb dieses Metaverse."

Was das alles mit Medienunternehmen zu tun hat? Bei NFTs geht es viel um kreative Güter, also die Kern-Assets dieser Industrie und sie zeigen auf, wohin die Reise bei rein digitalen Produkten gehen kann, vom Produkt selbst, dessen Distribution bis hin zur Rechtenachverfolgung. Wer übrigens mehr dazu wissen will, dem sei die kostenlose Digitalkonferenz "All About Blockchain" mit unserem Partner Bookwire empfohlen, die am 14.9.2021 stattfindet. Tickets gibt es hier: www.all-about-blockchain.com/

Und ein sehr gut lesbares Erklärstück zu Metaversen und NFts haben wieder mal die Kollegen und Kolleginnen von OMR geschrieben. Zum Artikel

Kolumne Saim Rolf Alkan