#9/ 2021
20/22

dynamic RSS - Podcasts werden dynamisch

Ein neues Format ermöglicht personalisiertes Ausspielen von Inhalten, Aktualisierung von Content und neue Monetarisierungsformen

RSS - Really Simple Syndication -  sind Dateiformate, die von Webseiten zur Weitergabe und zum Austausch von Inhalten genutzt werden. Die größte Bekanntheit dürften dabei RSS-Feeds haben, die Überschriften und oftmals einen kurzen Text enthalten und die mittels RSS-Reader gelesen werden können. Doch RSS ist noch so viel mehr als das: So ist die Really Simple Syndication auch das Fundament, auf dem die gesamte Podcasting-Industrie aufgebaut wurde. Ihr offener Charakter erlaubt es jeder App, ohne Umwege Episoden aller existierenden Podcasts zu beziehen. Dies gab dem Podcasting den nötigen Schub, den es brauchte, um wirklich durchzustarten. Zudem half RSS, den Creators und Podcaster*innen dabei, ihre treue Gemeinschaft aus Hörer*innen aufzubauen.

So wie HTML das Internet öffnete und damit sämtliche Websites über alle Webbrowser zugänglich machte, schließt auch RSS niemanden aus. So entsteht für alle Zuhörer*innen das gleiche Erlebnis. Zudem können sich Creators sicher sein, dass alle von ihnen beworbenen Funktionen auch von all ihren Fans genutzt werden können, ohne dass sie dazu eine zusätzliche App herunterladen oder nutzen müssen. 

RSS stellt außerdem sicher, dass die Creators auch wirklich in einer Beziehung zu ihren Hörer*innen stehen, was für eine echte Bindung - und nicht bloß für die Interessen der Podcast-Plattformen - entscheidend ist. Genau das ist auch der Grund, der RSS zum idealen Partner für den nächsten Wachstumsschub des Podcastings macht - wenn auch in einem etwas anderen Gewand. 

Die Zukunft ist dynamisch

Dank Dynamic RSS (dRSS) können einzigartige Audiokombinationen direkt an einzelne Hörer*innen übertragen werden. Denn mittels dRSS lassen sich die Audiodaten jedes Hörers und jeder Hörerin stark personalisieren, was Podcaster*innen nahezu endlose kreative Möglichkeiten bietet. Vor allem aber trägt dRSS dazu bei, Podcasts von einem Broadcast-Medium zu etwas deutlich Interaktiverem zu machen.

So könnten beispielsweise Hörer*innen die Website eines Fitness-Podcasters besuchen und eine kurze Umfrage zu ihren persönlichen Zielen in den Bereichen Gesundheit und Wohlbefinden ausfüllen. Wenn sie dann die Sendung des Podcastenden abonnieren, erhalten sie einen individuellen Podcast-Feed, der auf ihre persönlichen Bedürfnisse zugeschnitten ist - sei es die Erscheinungsfrequenz oder der Inhalt der Episoden selbst. Als Dankeschön für das Ausfüllen der Umfrage können sie sogar ausgewählte Premium-Inhalte kostenlos erhalten.

Mit dRSS könnten auch "Wähle-dein-eigenes-Abenteuer"-Fiction-Podcasts erstellt oder Episoden im Feed der Hörer*innen aneinandergereiht werden, je nachdem, wie lange sie eine Sendung abonniert haben. Bei einem persönlichen Finanz-Podcast könnte das etwa bedeuten, dass am ersten Tag eine Einführungsepisode angeboten wird, am zweiten Tag eine Episode, die Hörer*innen auf ihre persönliche Investitionsreise führt oder eine Episode, die Kryptowährungen erklärt - alles basierend auf den individuellen Interessen und Zielen der Hörerschaft. Oder wie wäre es mit weltweiten oder zumindest nationalen Nachrichten-Podcasts mit dynamisch eingefügten lokalen Segmenten?
Diese Beispiele kratzen nur an der Oberfläche von dem, was dRSS dem Podcasting an Personalisierung und Relevanz bringen wird. Ohne das offene Podcasting-Ökosystem, das RSS mit geschaffen hat, wäre dies schlichtweg nicht möglich.

Die Basis von allem ist ein offenes Ökosystem

Um die Bedeutung des offenen Ökosystems besser zu verstehen, genügt ein Blick auf andere Branchen, in denen geschlossene Plattformen die Creators in Gefahr gebracht haben. Die Musikindustrie zum Beispiel leidet unter sogenannten "Walled Gardens", die Künstler*innen eine geringe Umsatzbeteiligung und Hörer*innen eine eingeschränkte Zugänglichkeit bieten. In der Film- und Fernsehbranche sind viele Zuschauer*innen Abo-müde, da sie sich aufgrund der wachsenden Anzahl von Anbietern immer wieder dafür entscheiden müssen, für welche Plattformen sie nun zahlen wollen und ob sie sich das überhaupt leisten können.
Was die durchschnittlichen Nutzenden aber wirklich erwarten, ist eine einzige Video-Streaming-App oder ein zentraler Einstiegspunkt für Musik, an dem sie alle großartigen Titel genießen und die besten Shows sehen können, die weltweit produziert werden - während sie gleichzeitig ihre Lieblingskünstler*innen, Schauspieler*innen und Regisseur*innen unterstützen.

Das alles mag vielleicht nach einem Wunschtraum klingen, ist aber genau das, was Open RSS den Podcast-Creators und ihren Fans bietet.

RSS ist der Freund der Creators

RSS unterstützt die Creators nicht nur dabei, neue Hörer*innen zu finden und diese auch zu halten, sondern bietet ihnen auch eine Reihe verschiedener Möglichkeiten, mit ihrem Handwerk Geld zu verdienen. Die Creators sind die Eigentümer*innen ihrer eigenen Feeds und haben die Freiheit und Flexibilität, die Monetarisierungsoptionen zu wählen, die für ihren individuellen Podcast am besten funktionieren.

In Bezug auf Werbung und Sponsoring können sie so beispielsweise entscheiden, ob sie Werbeunterbrechungen hinzufügen oder entfernen, ihre eigene Block- und Safelist definieren oder aber ihre eigene Werbepolitik kontrollieren. Gerade solche Marken und Agenturen, die seit vielen Jahren in das Wachstum von Podcasting investieren, wissen die Reichweite und die Vielfalt der Inhalte sehr zu schätzen, die durch RSS ermöglicht werden.

Werbung und Host-Reads sind eine tolle Möglichkeit, um mit der eigenen Show Einnahmen zu generieren. Diese sind aber noch längst nicht die einzigen. Eine echte Vielfalt bei der Monetarisierung für Podcaster*innen bedeutet einerseits, die eigene Fangemeinschaft wertzuschätzen, während den Hörer*innen gleichzeitig unterschiedliche Möglichkeiten geboten werden, die eigenen Lieblingscreators direkt zu unterstützen. Und auch diese Vielfalt ist etwas, das dRSS unterstützt.

Gleichzeitig benötigen Creators und Werbetreibende alle notwendigen Funktionen und Tools, um Millionen von engagierten Höre*innen auf der ganzen Welt zu finden und zu erreichen - genau dabei hilft RSS.

 

Was wären die denkbaren Haupteinsatzgebiete für dRSS?  (Individualisierung, Monetarisierung)

Die Einsatzmöglichkeiten von dynamic RSS sind vielfältig und lassen sich einwandfrei mit dem offenen Podcasting-Ökosystem und RSS-Feeds kombinieren. Gerade im Content-Bereich sehen wir ein großes Potenzial für alle Beteiligten. Auf der Hörer*innen Seite ermöglicht dRSS, ähnlich wie bei der Werbung (True Ad Insertion), ein stark personalisiertes Erlebnis. So können einzelne Podcast-Komponenten für Hörer*innen unterschiedlich und dynamisch gestaltet werden, beispielsweise in Form einer persönlichen Ansprache auf Basis individueller Vorlieben oder Angebote. So können Newsletter-Abonnent*innen anders und viel persönlicher mit angepassten Inhalten angesprochen werden als Nicht-Abonnenten. Auch Fiktion-Podcasts könnten individualisiert werden, indem einzelne Elemente auf den/die jeweilige/n Hörer*in abgestimmt werden.

Darüber hinaus wird sich dRSS auch positiv auf die Produktion von Daily Podcasts auswirken. Aktualisierungen können im Laufe des Tages dynamisch in die tägliche Folge integriert werden, ohne dass eine neue Folge veröffentlicht werden muss.

Gibt es hier schon Umsetzungen?

Unser erstes Angebot, das unter anderem dRSS nutzt, ist Acast+ (derzeit in der Betaphase). Mit Acast+ ermöglichen wir die personalisierte Bereitstellung von privaten Feeds über ein Abonnement-Modell in einem offenen Ökosystem (über fast alle Plattformen). Acast+ ist erst der Anfang dieses Angebots, da wir fest an das Potenzial dynamischer Inhalte glauben. 

dRSS funkioniert aber nur außerhalb der großen Podcast-Anbieter-Plattformen?

Nein, dRSS kann auf (fast) allen Podcast-Plattformen funktionieren. Wir sehen bereits, dass diese Technologie bei Apple und anderen Podcatchers eingesetzt wird. Lösungen für andere große Plattformen, wie Spotify und Deezer, werden derzeit besprochen und hoffentlich zeitnah möglich gemacht, sodass wir das offene Ökosystem vollumfänglich unterstützen können. Wann dies möglich sein wird, ist jetzt aber noch nicht abzusehen.
 

Die Podcast-Branche baut auf RSS. Hier sind vier Gründe dafür:

 1. Es ist der einzige Weg, alle zu erreichen: RSS ermöglicht es, die vielen verschiedenen Podcast-Anbietern in einem Feed zu empfangen und diesen den Hörer*innen zur Verfügung zu stellen - wo und wie auch immer sie ihn hören wollen.

2. Es ist die einzige Möglichkeit, die Einnahmequelle zu diversifizieren: Genauso wie RSS es den Zuhörer*innen ermöglicht, ihren Podcast überall zu hören, gibt es Podcaster*innen auch die Möglichkeit, mit jedem einzelnen dieser Hörer*innen Geld zu verdienen. Denn jede Werbung, jedes Sponsoring oder jede Promotion, die sie betreiben, kann über alle Plattformen hinweg konsumiert werden. Ist eine Sendung nur über ein einziges, geschlossenes System verfügbar, ist sie für Werbekunden, die schließlich so viele Ohren wie möglich erreichen wollen, viel weniger attraktiv.

3. RSS und das offene Ökosystem fördern Innovation und zukunftsorientiertes Denken: In einem offenen Ökosystem werden ständig neue Formate und Erlebnisse entwickelt, die auf Podcast-Inhalten und der zugrunde liegenden Technologie basieren. Ein offenes Ökosystem ermöglicht es den Podcaster*innen, ihren Beitrag zu leisten, wo immer sich der Markt bewegt. Ein geschlossenes Ökosystem hingegen hindert die Innovation nicht nur aus technischer Sicht, sondern auch in Bezug auf die Produktion von Inhalten.

4. RSS stärkt die Beziehung zu Hörer*innen: Der RSS-Feed ermöglicht es den Podcaster*innen, seit langem bestehende Beziehung zu pflegen. Denn nur mit der Unterstützung der Fan-Community können Podcasts weiterleben. Der Austausch, der über den RSS-Feed und andere Kanäle stattfindet, ermöglicht es den Podcaster*innen, die Wünsche und Hörgewohnheiten ihres Publikums zu verstehen und ihre Episoden entsprechend anzupassen. 

 

 

Der Autor

Tobias Griebenow ist seit März 2021 Director of Content im deutschen Acast-Team. In seiner Position ist er dafür zuständig, das Team aus lokalen Podcast Experten für den richtigen Content in Deutschland zu sensibilisieren und deutsche Partner auf ihrer Podcast Reise zu begleiten. Mit seiner Erfahrung unterstützt er Podcaster und Publisher bei allen wichtigen Podcast Themen, wie Wachstum und Monetarisierung über alle Plattformen. So soll für Acast weltweit, die führende Rolle als Podcast-Unternehmen, auch in Deutschland weiter ausgebaut werden. Vor seiner neuen Rolle bei Acast war er acht Jahre lang bei Spotify beschäftigt, wo er zuletzt als Senior Creative Strategist tätig war. In seiner Rolle half er seit 2016 beim Aufbau des deutschen Podcast Business von Spotify, als Schnittstelle zwischen Advertising & Studio Team.