#9/ 2021
19/22

Clubhouse-Konkurrenz - warum Spotify mit „Greenroom“ bessere Chancen hat

Mit der Bekanntheit der Marke sowie Reichweite dürfte Spotify schnell das Vertrauen von Creator und User gewinnen im Bereich Social Audio

Anfang des Jahres entfachte ein regelrechter Hype rund um die App Clubhouse, eine rein audiobasierte Plattform, in welcher in sogenannten Rooms virtuelle Gespräche zu unterschiedlichsten Themen stattfinden. Nun zieht Spotify mit Greenroom nach und schafft hiermit eine weitere App für Live-Gespräche. Doch warum könnte Greenroom Clubhouse überholen und sich zur Monopolstellung im Live-Audio-Bereich bewegen? 

Allgemeines Interesse an neuen Plattformen

Mit Clubhouse zeigte sich in diesem Jahr, dass User auch noch 2021 Interesse an neuen Plattformen aufbringen. Durch die Zugangsbeschränkungen zur App per Einladung entstand zudem das Gefühl von Exklusivität, gefolgt von dem Bedürfnis der Zugehörigkeit. Ein Hype um eine App, die sich irgendwo zwischen Podcasting und virtueller Podiumsdiskussion ansiedelt. Dass die Themengebiete von Klatsch und Tratsch bis hin zu Business-Talks reichen sorgt dabei dafür, dass mit den Inhalten eine breite Masse angesprochen werden kann. Auch wenn beispielsweise Instagram mit seiner Live-Funktion ein ähnliches Konzept anbietet, so bewies sich durch den Clubhouse-Trend, dass sich neue Plattformen etablieren können und von digitalen Usern angenommen werden. Ein Vorteil, den sich nun auch Spotify zu Nutzen machen kann: Rezipienten sind nun bereits mit dem rein audiobasierten Konzept vertraut, zudem zeigen sie sich offen für neue Apps. In der Praxis zeigt sich Spotify’s Greenroom mit hoher Ähnlichkeit zu Clubhouse, sowohl die Funktionsweise als auch die Aufbereitung der App ähneln sich. Wenn es Spotify hier nun schafft, die Clubhouse-User auf die hauseigene Plattform zu leiten, so dürfte sich Greenroom erfolgsversprechend zeigen. 

Spotify als auditiver Spitzenreiter

An dieser Stelle muss Spotifys Machteinfluss auf den Streaming-Bereich beachtet werden. Lässt sich zum Beispiel die herkömmliche Spotify-App mit Greenroom verbinden, so können insbesondere Musiker mit einer hohen Follower-Zahl hiervon profitieren. Vorstellbar ist es, dass Künstler ihre bereits generierte Reichweite nutzen und Fans auf die neue Plattform weiterleiten. So können Live-Gespräche zu neu veröffentlichten Alben auf Greenroom stattfinden, User könnten beim Hören des Albums eine Benachrichtigung über den anstehenden Talk erhalten. Auch unter dem Aspekt, dass sowohl Musiker als auch Podcaster bereits in der Vergangenheit in einer geschäftlichen oder finanziellen Abhängigkeit zu Spotify standen, scheint es durchaus realistisch zu sein, dass diese der Plattform offen gegenüber eingestellt sind. Im Streaming- und Podcasting-Bereich konnte sich Spotify bereits zum Spitzenreiter manövrieren, durch ein starkes Standing in der auditiven Welt sowie eine bereits vorhandene Infrastruktur dürfte hier auch ein weiterer Machteinfluss anzunehmen sein. 

Themenvielfalt als Überlebenschance

Die größte Gefahr bei Hypes ist ihr kurzes, aber enorm gebündeltes Interesse. Verzeichnete Clubhouse zu Beginn Rekordzahlen an Downloads, so flachte das rege Interesse an der Plattform nach wenigen Monaten bereits spürbar ab. Auch hier kann Spotify von den Fehlern Clubhouses lernen und sich um eine langfristige Etablierung am Markt bemühen. Damit dies gelingt ist ein Gesichtspunkt unerlässlich: Themenvielfalt. Was sich bereits im Podcasting als erfolgreich herauskristallisierte, muss unbedingt auch auf Greenroom fortgesetzt werden. Nicht zuletzt deswegen, weil die Themengebiete der Podcasts auf Spotify von Nische bis Kommerz reichen, konnte sich das Unternehmen aus Schweden eine Poleposition aufbauen. Wenn sich die Gesprächsrunden auf Greenroom nun beispielsweise lediglich auf Musik beschränken, so entfällt hier eine enorm große Gruppe an Spotify-Hörern. Um überleben zu können – auch mit Clubhouse als stärkste Konkurrenz – bedarf es abwechslungsreicher, vielfältiger Gespräche auf Greenroom. Ob zusätzlich die Live-Gespräche zukünftig auf Spotify oder Greenroom zum Nachhören verfügbar sein werden steht laut Spotify noch nicht fest, hier würde sich jedoch ein gravierender Unterschied zu Clubhouse auftun. Denn durch das Podcasting verfügt Spotify bereits über die notwendige Infrastruktur, zudem ergeben sich somit neue Chancen für die Betreiber von Podcasts. Können Podcaster Gespräche live mit Publikum aufzeichnen, wird aus Broadcasting eine neue interaktive Form des Podcastings geschaffen. Sie können Fragen, Feedback und Anregungen von Fans direkt in die Entstehung der Podcastfolgen integrieren und somit für einen nachhaltigen Mehrwert sorgen.

Fazit

Greenroom scheint gute Chancen zu haben, sich als neue soziale Plattform etablieren zu können. Mit der bereits generierten Bekanntheit sowie Reichweite dürfte Spotify schnell das Vertrauen von Creator und User gewinnen. Dazu kommt der Vorteil, dass Greenroom aus den Fehlern von Clubhouse lernen kann. Auch wenn das Konzept hinter Greenroom keine neues ist, so wird es Spotify sicher schaffen, eine weitere Plattform in der Medienwelt einflussreich mitzugestalten. 


Der Autor

Dominik Sedlmeier ist CEO und PR-Manager der Markenagentur El Clasico Media GmbH. Ein Netzwerk für Kommunikation und Markenentwicklung mit den Schwerpunkten Markenstrategie, Public Relations und Social Media. Als Interims Manager unterstützte er zuvor diverse Unternehmen, wenn es darum ging den Vertrieb hochzufahren, Umsätze zu skalieren und eine Marke aufzubauen. https://elclasico.de/