#9/ 2020
4/12

Das Strategie-Canvas für die Digitalisierung in Marketing und Vertrieb

Wie Sie das Potenzial der Digitalisierung in diesen Bereichen erfolgreich aktivieren können

Wie können Sie das Potenzial der Digitalisierung in Marketing und Vertrieb erfolgreich aktivieren? Wie so oft imLeben empfiehlt sich eine tragfähige und zielorientierte Strategie. Doch bevor wir zur Strategieentwicklungkommen, beginnen wir mit der Erläuterung einiger Grundbegriffe. 

Vorüberlegungen und Grundbegriffe zur Strategieentwicklung

„Beyond Leisten“

Meinen Nachnamen kennen Sie vielleicht auch von dem Spruch: „Schuster, bleib bei Deinen Leisten.“ Genau das Gegenteil ist der Ansatz meines Strategiemodells. Denn bei Ihren „alten“ Leisten zu bleiben, hieße, …

  • im „alten“ Gedankenmodell verhaftet bleiben.
  • das Bisherige nur zu optimieren und/oder um digitale Elemente zu ergänzen. („Unser Vertrieb macht alleswie bisher, nur mit einem Tablet.“)
  • alte Strukturen, Prozesse und Geschäftsmodelle nur ein „bisschen“ zu verändern.
  • das Motto „Das machen wir schon immer so“ als Leitbild und Entscheidungsgrundlage zu nehmen.

Um das Potenzial der digitalen Transformation in Marketing und Vertrieb optimal zu nutzen, sollten Sie „out of the Box“ denken – also „beyond Leisten“.

Das Schuster-Modell®

Das Schuster-Modell® ist aus der Praxis entstanden. Es kombiniert meine Erfahrun- gen als Vertriebs- undMarketingleiter im B2B-Bereich mit den Aufgabenstellungen im komplexen B2B-Umfeld. Aus meiner Erfahrungist es wichtig, bei komplexen Themen Strukturen zu erkennen und Struktur aufzubauen. Strategisch und planvoll vorzuge- hen, ist eine gute Basis für Erfolg. Bei allen strategischen Überlegungen empfehle ich aber immer auch eine pragmatische Vorgehensweise. Kaum ein Unternehmen kann auf optimale Mittel, Ressourcen und Infrastruktur zurückgreifen. Also gilt es immer, aus dem Vorhandenen das Beste auszuwählenund pragmatisch zu starten.

Die in diesem Buch beschriebene „Mechanik“ ist für die meisten Unternehmen gültig. Mein Modell fußt auf der Erfahrung im B2B-Bereich, lässt sich aber modifiziert bzw. verkürzt auch in B2C-Unternehmen anwenden. In der konkreten Umsetzung (Ansprache, Content, Prozess) empfehle ich, auf die spezifischen Unterschiede zu achten, abhängig davon, in welchem Bereich Sie sich bewegen:

  • Maschinen- und Anlagenbau
  • Komponenten- / Zulieferergeschäft
  • Mengengeschäft
  • Commodity
  • ...

Und wie oben beschrieben, ist mein Blick auf das Marketing immer auf die Wirkung für den Vertriebserfolggerichtet. Themen wie Branding und Positionierung überlasse ich den jeweiligen Spezialisten.


Auszug aus dem Buch:

Norbert Schuster

Digitalisierung in Marketing und Vertrieb.

Richtige Strategien entwickeln und Potentiale der Digitalisierung für mehr Umsatz nutzen

Haufe; 1. Auflage 2020



From cold to close®

Der Begriff „from cold to close“® beschreibt den Prozess Ihrer potenziellen Kunden vom Wecken der Aufmerksamkeit über den ersten noch „kalten“ Kontakt bis zum Abschluss. Den Begriff „Canvas“ kennen Sievielleicht von Business-Canvas-Modellen zur Geschäftsmodellentwicklung. Der Begriff „Canvas“ bietet sich fürsolche Modelle an, weil alle relevanten Elemente einer Strategie auf einem Bild bzw. einer Leinwand enthaltensind. 

Zurück zur Strategie. Was ist eine Strategie? Eine Strategie ist ein Plan, den man erstellt, um ein Ziel zu erreichen. Die Strategie beantwortet, allgemein gesprochen, die Fragen:

  • Wie erreichen Sie Ihre Ziele?
  • Welche Faktoren müssen Sie einkalkulieren?
  • Welche Maßnahmen kombinieren Sie auf welche Weise?

Für Ihre Strategieentwicklung müssen Sie Ihre Ziele definieren. Was möchten Sie erreichen? Wie oben schon beschrieben, ist die Digitalisierung in Marketing und Vertrieb eine Maßnahme zur Erreichung Ihrer eigentlichenUnternehmensziele. Ihre Ziele und der Zweck Ihrer Strategie hängen von Ihrer Geschäftssituation ab. Wostehen Sie? Wo wollen Sie hin? Darüber habe ich weiter oben geschrieben und vielleicht haben Sie sich dazu schon Gedanken gemacht. Von Ihren Antworten auf diese Fragen hängen Ihre Ziele ab:

  • In welchem Geschäftsbereich oder Markt soll Ihr Unternehmen wachsen? Wohin soll sich Ihr Unternehmenentwickeln?
  • Welchen Geschäftsbereich möchten Sie stärken?
  • In welchem Geschäftsbereich oder Markt möchten Sie mehr Umsatz oder Deckungsbeitrag generieren?

Möchten Sie …

  • einen höheren Forecast erreichen?
  • mehr Kundenbesuche realisieren?
  • mehr Umsatz mit Bestandskunden (Cross-/Up-Selling, After-Sales usw.) machen?
  • den Neukundenumsatz steigern?
  • mehr qualifizierte Leads für den Vertrieb generieren?
  • eine größere Marktpräsenz erreichen?

Hier gilt es zu klären, was das eigentliche Ziel und was eine Folge von anderen Parametern ist. Umsatz istzum Beispiel die Folge von Forecast und Forecast die Folge von mehr qualifizierten Leads usw. Neben den Zielen beeinflussen weitere Parameter Ihre Strategie:

  • Erwartungen Ihrer Stakeholder
  • Ihr Marktumfeld/Wettbewerb
  • Ihre Positionierung
  • Ihre Systemlandschaft
  • Das vorhandene Know-how Ihrer Mitarbeiter
  • Ihr Budget und Ihre Ressourcen 

Fallstricke einer Digitalisierungsstrategie

Bei der Strategieentwicklung werden Ihnen einige Herausforderungen und manche Fallstricke begegnen:

Die Reihenfolge – first things first

Eine der Sollbruchstellen ist die Reihenfolge der einzelnen Schritte. Wie oben schon beschrieben, ist dieDigitalisierung in Marketing und Vertrieb kein IT-Projekt. Starten Sie bitte nicht mit der Auswahl einer Automation-Plattform. Die passende Plattform ist die logische Folge eines erfolgreichen Strategieprozesses. Sie kaufen Ihrem Kind doch auch keinen Werkzeugkoffer oder CAD-Arbeitsplatz, wenn es in die erste Klasse eingeschult wird. Wenn das Kind in seiner Entwicklung fortgeschritten ist, sich orientiert hat und eine Richtung erkennbar ist, können sie langsam über das passende „Werkzeugset“ nachdenken. Auch innerhalb desStrategieprozesses gilt es, eine sinn- volle Reihenfolge einzuhalten. Sie brauchen sich noch keine Gedanken über Kanäle und Content-Formate zu machen, wenn Sie noch gar nicht wissen, welche Ziele Sie erreichenund welchen Kundentypus Sie ansprechen möchten. Starten Sie die Umsetzung Ihres Projektes erst, wenn Sie überzeugt sind oder die Geschäftsleitung überzeugt haben und Ihre Stakeholder verstanden haben, welche Implikationen die digitale Transformation in Marketing und Vertrieb für sie haben. Sie können natürlich auch eine „U-Boot-Einführung“ machen, dann planen Sie die aber bitte konsequent auch so. Ich gebe Ihnengerne Tipps dazu.

Inhalte einer Digitalisierungsstrategie

Was sollte eine Strategie für die digitale Transformation in Marketing und Vertrieb enthalten? Welche Punktemüssen Sie bedenken? Glauben Sie mir, mehr als Ihnen heute bewusst sind. In jedem Projekt „ploppen“ Themen auf, die man nicht vorhersehen konnte, sowohl auf technischer als auch auf menschlicher Seite:

·   Ein Kollege, der Informationen über einen Wunschkundentypus hat, diese aber nicht preisgeben will, weiler Angst um seine Position hat.

→ #Change-Management´

·   Eine Niederlassung, die vorgeprescht ist und ein Tool gekauft hat.

→ #Du-sollst-kein-Tool-vor-dem-Strategieprozess-kaufen

·   Ein Bereich, der unbedingt schnell mehr Leads benötigt, weil sonst das Abendland untergeht.

→ #Digitalisierung-kann-nicht-zaubern

·   Ein Tool, zu dem auch noch eine Schnittstelle gebaut werden muss.

→ #Starte-pragmatisch

·   Eine technische Hürde, weil die IT sagt: „Das geht ja mal gar nicht, weil es mal gar nicht geht und außerdem das Internet löschen könnte und überhaupt, wir das noch nie so gemacht haben!“

→ #IT-soll-unterstützen-nicht-verhindern

·   Ein Datenschutzbeauftragter, der sich hyperventilierend im Kreis dreht und mit seinen hektischen roten Flecken am ganzen Körper immer mehr einem Feuerlöscher auf Ecstasy ähnelt.

→ #Datenschutz-ist-kein-Selbstzweck

·   Und zu guter Letzt vielleicht noch der Betriebsrat, der wegen der Digitalisierung schon mal ein gerechtes Outplacement-Konzept für die Marketingabteilung fordert. Obwohl kein Digitalisierungsprojekt weniger Arbeit bedeutet, sondern im Gegenteil, eher zu Neueinstellungen führt.

→ #Wir-sind-die-Guten

·   …

Strategische und operative Aspekte

Ein weiterer Fallstrick bei der Strategieentwicklung ist die Vermischung von strategischen mit operativen Themen. Wenn Sie bei der Strategieentwicklung permanent ins Operative springen, erreichen Sie nicht das optimale Ergebnis. Die Walt Disney- Methode hilft bei diesem Dilemma. Man sagt, Walt Disney hätte diese Herausforderung mit drei Räumen in seiner Villa gelöst .

Im ersten Raum des Träumers hätte er im positiven Sinne „gesponnen“ und seine Strategie entwickelt. Imzweiten Raum des Realisten habe er die Strategie mit der Realität konfrontiert. „Haben wir überhaupt das Budget, haben wir die Ressourcen und das notwendige Know-how?“ usw. Im dritten Raum war er selbst sein schärfster Kritiker und hat die Lücken und Fehler in der Strategie gesucht. Mit diesen Ergebnissen begab ersich wieder zurück in den Raum des Träumers, um Lösungen für die aufgetauchten Themen zu finden.

Meine Empfehlung: Wenn Sie Ihre Strategie entwickeln, lassen Sie erst einmal die operativen Aspekte außenvor. Erst wenn die Strategie steht (Raum des Träumers), messen Sie sie an der Realität. In der Praxis heißt das meist, dass Sie zunächst weniger Wunschkundentypen (Personas) entwickeln, kürzere Entwicklungsprozesse planen und weniger aufwendige Content-Bausteine erstellen. Sie wissen mit dieser Strategie aber immer, was Sie tun können, wenn Sie mehr Ressourcen aufgebaut haben oder doch mehr Budget genehmigt wird.

Strategie und Pragmatismus

Das bringt mich zu meinem nächsten Punkt. Entwickeln Sie Ihre Strategie, ohne sich von den operativen Parametern beeinflussen zu lassen. Aber hören Sie auch irgend- wann auf zu planen und werden Sie aktiv. Wenn Sie beispielsweise drei Wunschkundentypen (Buyer Personas) entwickelt und für jede einen fünfstufigen Entwicklungsprozess gebaut haben, fangen Sie mit einem Kundentypus und einem Prozess an. Starten Sie damit, machen Sie Fehler und Erfahrungen. Erst wenn Sie an diesem Prozess gelernt und ihn optimiert haben, sollten Sie mit weiteren Kundentypen und Prozessen fortfahren. Lieber mit einem zweistufigen Prozess mit zwei Content-Bau- steinen live gehen, als ewig weitere Kundentypen zu entwickelnund mögliche weitere Prozesse zu planen.

Wie Sie bei der Strategieentwicklung strukturiert vorgehen können, sehen Sie in meinem Strategie-Canvas„From cold to close“® (Abb. 19). Dieses Modell ist aus langjähriger Praxis entstanden und führt durch diewichtigsten Elemente einer erfolgreichen Strategieentwicklung.


Das Strategie-Canvas für die Digitalisierung in Marketing und Vertrieb

Kick-off: Einführung und Bestandsaufnahme

Das erste Element der Strategie ist der Kick-off-Workshop. Die erste Zielsetzung des Kick-offs besteht darin,eine Bestandsaufnahme über

· Ihr Unternehmen

· Ihre Angebote

· Ihre Ziele

· Ihre Herausforderungen

· Ihren Wettbewerb

· Ihre Systeme und Schnittstellen 

durchzuführen und Ihre Ziele zu definieren.

Die zweite Zielsetzung ist die Einführung in das Thema, um alle Beteiligten auf einen Wissensstand zu bringen und die Bedeutung für Ihr Unternehmen darzustellen. Danach erfolgt die Abstimmung der nächstenSchritte und die Definition des weiteren Ablaufs. Dabei sollte neben den „harten“ Fakten auch der FaktorMensch betrachtet werden, also Fragen wie: Wer ist am Projekt beteiligt und wer ist von der digitalen Transformation im Marketing und Vertrieb betroffen?

Buyer-Persona-Profilierung Ihrer idealen Interessenten bzw. Wunschkunden

Das nächste Modul dreht sich um Ihre Wunschkunden bzw. idealen Interessenten. Für die Definition und Profilierung von Wunschkunden hat sich das Buyer-Persona-Konzept bewährt. Buyer-Persona-Profile sind die Grundlage für die erfolgreiche

· Kundenkommunikation bzw. Ansprache

· Erstellung von Content und Prozessen

· Optimierung von Kundenkontaktpunkten (Touchpoints)

· Interessentengenerierung

· Entwicklung von Interessenten bis zur Vertriebsreife

· Entwicklung von Bestandskunden zum erneuten Kauf

· After-Sales und Cross- und Up-Selling

Die Erstellung der Buyer-Persona-Profile mit Marketing, Vertrieb und Service ist auch eine gute Grundlage, umdie Zusammenarbeit zwischen den Abteilungen zu optimieren.

Suchverhalten: Inbound-SEO und Keyword-Analyse

Ziel dieser Analyse ist es zu prüfen, wie sich das Suchverhalten Ihrer Wunschkunden gestaltet. Dabei geht es nicht mehr nur um eine Sammlung von Keywords, sondern in Zeiten von „Google Universal Search“ um dasgesamt Suchverhalten und die Maßnahmenableitung. Ziel ist es, Ihre Instanzen und Aktivitäten entsprechend zuoptimieren, um mehr und besser von potenziellen Kunden gefunden zu werden. Ein wichtiger Aspekt dieses Moduls besteht auch darin zu analysieren, wie Ihr Wettbewerb online aufgestellt ist und wie sie reagierenkönnen.

Content – Inhalte und Mehrwerte

Content ist der Treibstoff für Ihre Aktivitäten im digitalen Prozess. Dazu muss er aber für die jeweilsadressierten Wunschkunden relevant, hilfreich oder unterhaltend sein. Viele Unternehmen erstellen undplatzieren aber Inhalte, die nicht für die adressierten Wunschkunden und deren Stadium im Kaufprozess geeignet sind. Die Inhalte befassen sich überwiegend mit dem Anbieter und seinem Angebot (Stichwort „Ego-Posting“). Für die Leadgenerierung ist es aber viel zielführender, Inhalte anzubieten, die die Schmerzpunkteund Interessen Ihrer Wunschkunden (Buyer Persona) adressieren und zu deren Stadium im Kaufprozesspassen.

Touchpoints – Kundenkontaktpunkte der definierten Buyer Persona

Touchpoints sind die Kundenkontaktpunkte, an denen Sie Ihre Wunschkunden erreichen können. In derTouchpoint-Analyse betrachten Sie Ihre bestehenden Interessenten- und Kunden-Kontaktpunkte – wie z. B. IhreWebseite, Blog, Social-Media-Präsenzen, Fachportale usw. – und prüfen auf Buyer-Persona- bzw.Leadmanagement-Eignung.

Aus diesen Erkenntnissen entsteht Ihr Fahrplan für die zukünftigen Aktivitäten. Bitte beachten Sie, dass auchIhr Adressbestand (Kunden und Interessenten) ein Touchpoint ist, der analysiert, bewertet und gegebenenfallsoptimiert werden muss. Speziell durch die rechtlichen Vorgaben der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) ergeben sich hier Herausforderungen, aber auch Chancen.

Customer Journey und Lead Nurturing – Interessenten entwickeln

Basierend auf den Erkenntnissen der vorangegangenen Schritte analysieren Sie die Kundenreise (Customer Journey) Ihrer Interessenten und Kunden. Auf dieser Grund- lage erstellen Sie Prozesse, um/für …

· Ihre neuen Interessenten bis zur Vertriebsreife zu entwickeln.

· Ihre Bestandskunden zum Wiederkauf zu begleiten.

· After-Sales – Wartung, Training, Verbrauchsmaterial usw.

· Cross- und Up-Selling

· Empfehlungen

· Messe und Events

· verlorene Kunden/Projekte

· Kundenpflege

·…

Profilanreicherung / Progressive Profiling

Die Daten, die Ihnen Ihr (potenzieller) Kunde überlässt, nutzen Sie, um Profile aufzubauen. Welche Daten Sieabfragen, sollten Vertrieb und Marketing gemeinsam besprechen. Generell sollten Sie nur Daten erfassen, die Sie auch nutzen. Diesen Vorgang sollten Sie unbedingt auch mit Ihrem Datenschützer besprechen, um rechtskonform zu agieren.

Lead-Routing / Service Level Agreement (SLA)

Für die Übergabe der Interessenten von Marketing an den Vertrieb und die Zusammenarbeit der beiden Bereiche müssen Parameter definieren werden:

· Reifegrad und Übergabepunkt

· Zuordnung der Leads zu einem Bereich oder Vertriebsmitarbeiter

· Umfang/Inhalt der Übergabedaten

· Schnittstellen Marketing-Automation / CRM

· Service Level Agreement

· Closed Loop Reporting

· Metrik und KPIs

· usw.

Leads im Vertrieb

Auch das ist ein extrem wichtiges Thema. Wie oben schon ausführlich beschrieben, muss der Vertrieb denLead auf der Ebene weiter betreuen, auf die er durch den digi- talen Prozess entwickelt wurde. Durch die Profilierung Ihrer Wunschkunden und  die Entwicklung Ihrer Interessenten bzw. Bestandskunden durch Lead-Nurturing- Prozesse erhält Ihr Vertrieb deutlich qualifiziertere und hochwertigere Leads. Diese Leads haben inder Regel aber noch nicht gekauft. Ihr Vertrieb muss diese Leads opti- mal weiter betreuen, entwickeln undqualifizieren. Um diese Leads optimal betreuen zu können und zum Abschluss zu führen, muss er die Historiedieser Leads kennen. Er muss die Persona-Profile, den eingesetzten Content und die Prozesse kennen, um sich bestens auf den Kontakt und die Betreuung vorzubereiten.

Auswahl von Automation-Plattform, CRM und Tools

Nachdem Sie die zuvor genannten Schritte Ihrer Strategie ausgearbeitet haben, können Sie sich Gedanken über Technik, Tools, Assistenten (z. B. KI-Assistenten) und Schnittstellen machen. Für alle Firmengrößen, Organisationsstrukturen, Anforderungen und Budgets gibt es passende Plattformen. Wichtige Aspekte bei derAuswahl einer passenden Plattform sind:

Ÿ    Leistungsumfang

  • Ÿ    Komplexität/Anwenderfreundlichkeit
  • Ÿ    Ort der Datenhaltung
  • Ÿ    Einhaltung der rechtlichen Anforderungen
  • Ÿ    Schnittstellen
  • Ÿ    Preis
  • Ÿ    Service und Support
  • Ÿ    Bindung an eine Technologie bzw. Systemwelt
  • Ÿ    usw.

Es ist nicht immer sinnvoll, die Wahl der Plattform von bestehenden Systemwelten abhängig zu machen. Es kann manchmal zielführender sein, ein „systemfremdes“ Tool per Schnittstelle oder Middleware anzubinden,wenn es in Sachen Funktionalität oder Handhabung besser passt.

Metrik – Messen und Optimieren

Ihre neuen digitalen Prozesse in Marketing und Vertrieb bieten mannigfaltige Parameter, Messpunkte undMöglichkeiten, um Ihre Aktivitäten zu messen, zu bewerten und Maßnahmen abzuleiten. Besonders für das Pilotprojekt ist es wichtig, eine überschaubare Metrik aufzubauen, die zur Optimierung des Prozesses dient.

Umsetzung der Strategie

Bei der Umsetzung Ihrer Strategie sollten Sie unter anderem auf diese Aspekte achten:

· Kosten

· rechtliche Aspekte (DSGVO, Opt-in usw.)

· technische Aspekte (Systeme, Schnittstellen usw.)

· Datenmanagement (Datenkonsistenz usw.)

· Projektmanagement

· Der Mensch in der digitalen Transformation (Change-Management usw.)

Kosten

Kosten spielen bei der Strategieentwicklung und der folgenden Umsetzung eine wichtige Rolle. Sie werdenEinmalkosten für zum Beispiel Beratung, Setup und Schnittstellen haben. Regelmäßige Kosten erwarten Sie fürPlattformen, Content-Erstellung und Content-Promotion (Adwords, Stand-alone-Newsletter usw.)

Rechtliche Aspekte (DSGVO, Opt-in usw.)

Bei der Umsetzung Ihrer Strategie gibt es auch einige rechtliche Aspekte zu beach- ten. Dazu gehören das Opt-in – also die Einwilligung, kontaktiert zu werden und z. B. Informationen per E-Mail erhalten zu wollen,sowie Ihre Datenschutzerklärung. Dabei stellen sich Fragen wie:

· Darf ich meinen Bestandskunden ohne Opt-in eine E-Mail schicken?

· Wie erhebe ich das Opt-in rechtskonform?

· Wie lange ist ein Opt-in gültig?

· Wie verhalte ich mich generell DSGVO-konform?

· Wie gehen wir mit Leads auf einer Messe um?

· Darf ich das Verhalten eines Leads tracken? Wenn ja, wie?

·usw.

Diese Aspekte sollten Sie mit Ihrem Rechtsanwalt und/oder Datenschützer klären. Bitte beachten Sie dabei,dass Sie einen „Enabler“ und keinen „Verhinderer“ benötigen. Die Aussage „Das ist alles ganz schlimm und am besten machen wir gar nichts“ hilft Ihnen nicht weiter. Sie benötigen Beratung, die Ihnen Ihre Möglichkeiten imRahmen der rechtlichen Rahmenparameter aufzeigt. Gerne gebe ich Ihnen auch dazu Tipps und Empfehlungen.

Technische Aspekte (Systeme, Schnittstellen usw.)

Technische Aspekte sind z. B. Ihre bestehenden Systeme und die Schnittstellen, die für die Umsetzung IhrerStrategie notwendig sind. Beteiligte Systeme können sein:

· Ihre Webseite und das verwendete CMS-System (Typo3, WordPress usw.)

· Marketing-Automation-Plattform

· CRM-System

· ERP-System

·   Webshop

·   usw.

Nicht immer ist eine Verbindung über eine spezifische Schnittstelle möglich oder sinn- voll. Oft empfiehlt sich derEinsatz einer „Middleware“.

Datenmanagement (Datenbestand, Datenkonsistenz usw.)

Auch im Bereich Datenmanagement stellen sich einige Fragen:

·   Welche Daten haben Sie?

·   Wie haben Sie Ihre Kundendaten in der Vergangenheit verwaltet, angereichert und gepflegt?

·   In welchem Zustand sind Ihre Daten? Wie gelangen Sie zu einem „Golden Record“?

·   Wo werden überall Daten erhoben und wie werden diese Daten synchronisiert?

·   Wie analysieren Sie Ihre Daten und welche Erkenntnisse und Handlungsempfehlungen können Sie davon ableiten?

·   Wie können die Daten zur Umsetzung der Strategie genutzt werden?

Der Mensch (Stichwort Change-Management)

Die Umsetzung der Strategie betrifft Menschen. Und gerade die Begriffe „Digitalisierung“ und „Automation“ können Menschen Angst machen. Beachten Sie diese Aspekte bei der Umsetzung Ihrer Strategie. Neben dem Projektmanagement sollten Sie auch an das Thema Change-Management denken und Ihre Mitarbeiter „mitnehmen“.

 

Norbert Schuster ist Strategieberater und Geschäftsführer der strike2 GmbH. Er bietet Strategieberatung für die Digitalisierung im Marketing und Vertrieb und hilft Unternehmen das Potenzial der Digitalisierung für ihre Vermarktung zu nutzen. Er berät und unterstützt Unternehmen hersteller- und produktunabhängig bei der Strategie- sowie Konzept-Entwicklung und Umsetzung von Leadmanagement, Marketing- Automation und der Wasserloch-Strategie®.

Checkliste: 10 Erfolgsparameter für die digitale Transformation in der Vermarktung