#9/ 2019
6/9

„facebook ist keine verkaufsplattform“

Wissen Sie, warum Facebook für Unternehmen nicht mehr funktioniert? „Klar“, sagen jetzt viele, „es liegt am bösen Newsfeed-Algorithmus.“ So einfach ist es aber nicht. Denn der Newsfeed-Algorithmus könnte sogar für Sie arbeiten. Doch Sie als Unternehmen tun alles dafür, um mit ihren deplatzierten Pressemitteilungen und lahmarschigen Ego-Posts gar nicht erst im Newsfeed aufzutauchen.

Um es zu verdeutlichen: 

Wann haben Sie das letzte Mal eine Zeitschrift abonniert, weil es darin so tolle Anzeigen gibt? Wann sind Sie das letzte Mal nach dem Werbeblock im Kino aufgestanden und gegangen? Noch nie? Ach so. Und was machen Sie, wenn im TV die Werbung einsetzt? Lassen Sie mich raten: Sie zappen umher, gehen zum Kühlschrank oder schauen aufs Smartphone. 

Das bedeutet: Nicht einmal Sie als Marketing-interessierter Mensch wollen Unternehmensbotschaften sehen. Wieso gehen Sie also davon aus, dass Ihre zielgerichteten Bettelbriefe an Journalisten (Presseinformationen) oder Wir-sind-die-Größten-Beiträge Ihres Unternehmens auf Facebook für irgendeinen Erfolg sorgen würden? Allein dieser Gedanke ist doch Quatsch! Exakt null (in Zahlen: 0) Personen der über 32 Millionen deutschen Nutzer haben sich auf Facebook angemeldet, um irgendwelchen wildfremden Unternehmen zum Erfolg zu verhelfen. Die Menschen sind dort, um sich mit Familienangehörigen, Freunden und Bekannten über vornehmlich belanglose Themen auszutauschen und sich unterhalten zu lassen.


Heißt das jetzt, dass Unternehmen auf Facebook fehl am Platz sind? Nein, natürlich nicht. Selbstverständlich können auch Unternehmen aus der B2B-Ecke erfolgreich auf Facebook sein. Doch um Erfolg zu haben, müssen Unternehmer und Marketingchefs zum Beispiel … 

1.) … ihren Fans und (potenziellen) Kunden auf Augenhöhe begegnen und mit ihnen ins Gespräch kommen. Das kostet Zeit und Geld, doch es geht auf Facebook nun einmal um einen langfristigen und nachhaltigen Return of Relationship, nicht um einen kurzfristigen Return on Investment! 

2.) … ihren Content auf Facebook-Ability überprüfen. Content muss entweder nützlich, lehrreich oder unterhaltsam sein – und zwar für den Leser, nicht für das Unternehmen! Maximal 20 Prozent aller ihrer organischen Beiträge sollte eine Verkaufsbotschaft beinhalten.

3.) … ihre anonyme Fassade fallen lassen und die Menschen dahinter zum Vorschein kommen lassen. Trauen Sie sich und halten Sie auch mal ihr Gesicht in die Kamera, und zwar von ganz unten bis hoch zur C-Ebene! Übrigens sollte ihr Bild- und Videomaterial hochkant sein, denn über 90 Prozent aller Zugriffe erfolgen vom Smartphone aus.

4.) … vor allem einmal verstehen, dass es sich um eine soziale Plattform handelt, nicht um eine Verkaufsplattform. Es heißt SOCIAL Media, nicht SALES Media. Machen Sie sich frei von der B2B- und B2C-Denke! Das gibt es im Social Web ohnehin nicht – da gibt es nur H2H: Human to Human. Facebook stellt für Ihr Unternehmen den größten denkbaren Touchpoint dar, und vor allem im Pre- und After-Sales-Bereich entfaltet es seine Bedeutung. 

Aber egal was Sie auf Facebook, LinkedIn oder auf welcher Plattform auch sonst so machen wollen – es muss stets einen wirklich guten Grund dafür geben. Daher benötigen Sie eine durchdachte Social-Media-Strategie, in der Sie unter anderem Ihre jeweiligen Ziele nebst zugehöriger Erfolgsparameter definieren. Falls Sie noch keine Strategie besitzen, sollten Sie dringend damit beginnen. Und dann klappt's auch B2B auf Facebook.

Gero Pflüger ist Social-Media-Berater aus Hannover. Er berät Unternehmen aus ganz Deutschland, gibt bundesweit Workshops und hält Vorträge und Seminare zu sozialen Medien und Content Marketing. Außerdem unterstützt er seine Kunden auch bei operativen Tätigkeiten im Social Web.