#9/ 2019
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ein paar worte zum geleit

Was waren das noch für gemütliche Zeiten, als man Kunden über die klassischen Medien (Print, Funk, Fernsehen), per Brief oder per Telefon erreichte. Heutzutage haben sich diese Vermarktungskanäle nicht nur durch digitale Plattformen vervielfacht, auch der Kunde hat sich emanzipiert und möchte weitgehend selbst darüber bestimmen, wie und wann er oder sie angesprochen wird. Aber Jammern hilft nichts, die digitale Präsenz der Unternehmen auf relevanten Plattformen ist gefragt, kostet außer Ressourcen ja erstmal nichts. Ungeschickt nur für Unternehmen, wenn dies mit dem nachvollziehbaren Geschäftsmodell der Plattformbetreiber kollidiert. Konkret zu beobachten bei Facebook, die sich natürlich gerne auch als Kanal für Unternehmen gerieren – aber bitte gegen (Werbe)Geld.

 Aktuell hat der Analytics-Anbieter Brandwatch die Social Media-Aktivitäten und Reichweite der deutschen Dax-Unternehmen untersucht, mit bedenklichem Ergebnis: Nur noch 128 von 303 Unternehmen haben 2018 einen Zuwachs an Sichtbarkeit in den Social-Media-Kanälen erzielt. Auch für Verlage stellt sich zunehmend die Frage, ob die redaktionelle Arbeit (und damit erreichte sogenannte organische Reichweite) noch sinnvoll ist, ob man sich zähneknirschend die Reichweite durch Anzeigen einkauft – oder die Aktivitäten einstellt, wie es auch die Studie bei immer mehr Unternehmen diagnostiziert. Das gilt es differenzierter zu betrachten, finden wir, und haben deswegen drei Experten zu Wort kommen lassen – mit durchaus unterschiedlichen Ansichten, wie mit der Situation umzugehen ist. Und wir zeigen mit der konzertierten Verlags-Aktion #MEETTHEPUBLISHERDE gleich mal konkret, wie man mit guten Ideen und Kreativität durchaus auch heute noch beachtliche Reichweiten generieren kann.

Wer übrigens bei sozialen Netzwerken dieses Bild von „jung, hipp, langer Bart, Pizzaschachtel“ vor Augen hat sollte sich die Generation der zahlungskräftigen Baby-Boomer einmal genauer anschauen. Interessanterweise im Marketing gerne vernachlässigt, sind diese „Alten“ für viele Verlage ja immer noch Kernzielgruppe – und deutlich digitaler unterwegs als vermutet. Nur eben anders als die „Jungen“. Deswegen in diesem Magazin unser Aufruf: „Vergesst die Alten nicht!“.

A propos „jung, hipp, langer Bart, Pizzaschachtel“: damit werden ja gemeinhin Start-ups gerne mal bespöttelt – Tatsache ist aber, dass es in der deutschen Wirtschaft ohne deren Innovationsdruck recht trübe aussähe. Hier steht die Zusammenarbeit zwischen Medienunternehmen auf der einen und „Publishing Start-ups“ auf der anderen Seite noch ganz am Anfang. Wir unterhalten uns zu dieser komplizierten und komplexen Beziehung einmal mit Cigdem Aker, beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels verantwortlich für Strategie & Innovation.

Sichtbarkeit ist heutzutage ein wichtiges Gut, Sichtbarkeit in sozialen Netzwerken ist wichtig – fast wichtiger ist aber die Sichtbarkeit der eigenen digitalen Aktivitäten (die Marketeer unter uns erinnern sich: da war doch etwas mit „owned media“). Mittel zum Zweck ist die Suchmaschinenoptimierung, und spätestens bei diesem Stichwort fällt bei vielen die Klappe im Sinne von „Technik – kann ich nicht“. Das ist falsch, Suchmaschinenoptimierung ist primär ein inhaltliches Thema, wie auch Inken Kuhlmann-Rhinow zeigt: "Der Trend bei der Suchmaschinenoptimierung geht zum Themencluster-Modell". Und das kann man auch ohne IT-Diplom umsetzen.

Schlussendlich widmet sich Hanspeter Reiter in einer Glosse und aus Nutzersicht dem Thema „Algorithmus“ respektive: wie sinnvoll gehen Unternehmen eigentlich mit den Daten über den Kunden um? Wie heißt es so schön: hier ist noch viel Luft nach oben …

Viel Spaß und Erkenntnisse wünscht

Ihr Steffen Meier