Ein paar Worte zum Geleit
Lieben Sie Ihre Arbeit? Teil 2
Im Vorwort der letzten Ausgabe hatten wir, bezugnehmend auf einen entsprechenden Artikel unseres Autors Marco Olavarria, die Frage gestellt: „Lieben Sie Ihre Arbeit?“ Nicht wissend, dass es dazu eine ganze Menge Rückmeldungen aus unserer Community geben würde (von „Kann ich nur zustimmen“ bis „Ich liebe meinen Hund, nicht meine Arbeit“), sondern aktuell eine Koinzidenz von Artikeln und Meinungen zum Thema „Arbeit“.
Der SPIEGEL thematisierte Arbeit und Gen Z gleich in einer Titelgeschichte unter dem Titel: „Wir machen uns nicht mehr kaputt!“ Auszug: „Was die 18- bis 29-Jährigen wirklich wollen? Unsere Umfrage zeigt: ein hohes Gehalt (55 Prozent), eine gute Work-Life-Balance (48 Prozent) und eine sinnstiftende Tätigkeit (44 Prozent). Klingt erst einmal nicht sonderlich exotisch – sondern eher gesund. ‚Wegen des Fachkräftemangels haben junge Menschen jetzt die Macht, viel einzufordern. Und das nützt am Ende der gesamten Gesellschaft.‘ Und weil das Leben einen erfrischenden Sinn für Ironie hat: Als [die Autorin] die Geschichte geschrieben hat, hatte sie frei, eigentlich. ‚Da schreibst du über eine bessere Work-Life-Balance und sitzt am Sonntagnachmittag am Schreibtisch statt draußen in der Sonne.‘“
Die Zahlen sind insofern auch interessant, da sie konträr zu den von uns erhobenen Zahlen in unserer Community-Umfrage liegen. Dort war das Ergebnis, dass die Kolleg:innen und die Arbeitsatmosphäre deutlich wichtiger sind als das Gehalt. Nun ist das mit der Generationenzuordnung immer so eine (schwammige) Sache, wir sprechen mit unseren Medien tatsächlich eher Menschen an, die schon länger im Berufsleben stehen als die Gen Z. Und hier einen Generationen-Gap festzumachen würde sicher keiner genaueren wissenschaftlichen Untersuchung standhalten.
Dennoch interessant: Es gibt immer mehr Stimmen, die ihre Zweifel daran äußern, ob der (Arbeits)Lebensentwurf der jüngeren Generation (jaja, ich weiß: Verallgemeinerung) wirklich so ganz zu den Anforderungen der Arbeitswelt passt. Tatsächlich ist es ja so, dass sich viele Unternehmen – beileibe nicht nur im Medienbereich – den Kopf darüber zerbrechen, wie man selbiges eigenes Unternehmen jüngeren Arbeitnehmer:innen schmackhaft machen könnte. Erst vor wenigen Wochen etwa die Handelsblatt-Autorin Susanne Nickel mit der Kolumne: „Generation Z floppt in der Arbeitswelt. Unternehmen klagen über anspruchsvolle junge Mitarbeiter. Sie sollten besser auf die über 45-Jährigen setzen – die sind krisengestählt und leistungsbereit.“ Und weiter: „Die Babyboomer verabschieden sich in die Rente, und die Unternehmen umwerben vorzugsweise die Generation Z, obwohl sie längst wissen, was ihnen blüht. Prädikat: jung, dynamisch und meist sehr anspruchsvoll. Mit einem Arbeitsverständnis, das beim ‚Ich‘ und nicht beim ‚Wir‘ ansetzt."
Am Ende bedeutet das für HR und Personaler:innen, zukünftig sehr viel individuellere Modelle für die Mitarbeiter:innen und Neuzugänge zu entwickeln. Und das alles im oft engen (finanziellen) Rahmen der Möglichkeiten, die viele Medienunternehmen nun mal haben, vor allem im Moment. Da ist Kreativität gefragt. In keinem Fall aber (leider oft gehörte) Pauschalisierungen – nicht jeder „Digital Native“ will und kann etwas zur Weiterentwicklung von Medien beitragen, aber manch „altes Eisen“ bedarf nur etwas Motivation und Fortbildung, um neue „Skills“ zu entwickeln.
Bleiben Sie neugierig!
Steffen Meier
DIGITAL PUBLISHING REPORT