#7-8/ 2021
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Ein paar Worte zum Geleit

Die Event- und Messebranche ist seit Anfang letzten Jahres in Turbulenz – das wäre keine echte Neuigkeit. Erst vor einigen Tagen hörte ich im Radio (ja, so etwas gibt es noch, nicht alles ist Podcast) einen Bericht über die Messe Nürnberg. Dort hat seit 15 Monaten keine Veranstaltung mehr stattgefunden, die Verluste liegen bei 50 bis 60 Millionen Euro, digitale Formate taugen dem Messechef Peter Ottmann nur zur Ergänzung. Man hofft auf den Herbst und die Wiederauferstehung physischer Events. Tatsächlich geht es vielen Veranstaltern nach dem Prinzip „Augen zu und durch“ ähnlich. Aber nicht allen – und hier wird es, vorsichtig ausgedrückt, auch für viele Publisher spannend.

Zum einen haben durchaus einige Veranstalter das Digitale nicht nur als Ergänzung, sondern als bestimmendes Event-Element etabliert, beispielsweise die DMEXCO und auch die LEARNTEC. Zum anderen gibt es Überlegungen, das Konzept Messe ganz neu zu denken, wie es in dieser Ausgabe Benedikt Binder-Krieglstein, CEO von RX (vielen noch unter dem Namen Reed Exhibitions bekannt) macht. Und diese Konzepte sind, auch wenn es im Moment noch niemand so nennt, nichts anderes als verlegerische Konzepte, wenn sich Messen zu Publishern und Community-Betreibern wandeln: „Wir haben in Wien und Düsseldorf im letzten Jahren eine knapp 20-köpfige Content-Abteilung aufgebaut, haben renommierte Fachjournalist:innen von Verlagen abgeworben. Dieses Setting gewährleistet, dass in unserem Newsroom gearbeitet wird wie in einer Redaktion: Da werden Branchenthemen kuratiert und spannend aufbereitet und das nicht nur während der Dauer einer Messe, sondern konsequent und das ganze Jahr über …Gerade nach Corona und einer Zeit der gesellschaftlichen Vereinzelung müssen wir Communities auch abseits der beliebten After Hour-Partys auf Messen aufbauen“, so Benedikt Binder-Krieglstein. In der "Re:connect"-Wiedersehensfreude gehen im Moment auch die langfristigen Planungen der Frankfurter Buchmesse unter, wie Frank Krings, PR-Manager in Frankfurt, in dieser Ausgabe ausführt: "Um diese Community auch ganzjährig mit der Frankfurter Buchmesse zu verbinden, braucht es eine digitale Plattform ... Deshalb arbeiten wir jetzt ... an langfristig ausgerichteten Plattformlösungen für den B2B- und B2C-Bereich ... Mittelfristig arbeiten wir mit unseren Partnern an digitalen Erlösmodellen, die das physische Messeformat dauerhaft und unabhängig von der pandemischen Entwicklung ergänzen werden." Machen wir uns also nichts vor: Messen werden glasklar Konkurrenten zu Verlagen.

Mehr Hintergründe finden Sie in unserem Magazin-Special und dort auch Interviews mit Doris Beckmann (Mitglied im Management Board der Vogel Communications Group), Professor Dominik Matyka (Chief Advisor DMEXCO), Britta Wirtz (Geschäftsführerin der Messe Karlsruhe) sowie Frank Krings (PR-Manager Frankfurter Buchmesse) zu den jeweiligen Überlegungen und Planungen.

Zum Schluss dieses Geleitwortes noch etwas in eigener, organisatorischer Sache: Wir stellen den gewohnten Erscheinungsrhythmus des DIGITAL PUBLISHING REPORT etwas um. Bisher erschien die jeweilige Monats-Ausgabe immer zur Mitte des Monats, aber ab der Ausgabe 09/21 werden wir immer kurz vor Monatsbeginn mit einem neuen Magazin für den Folgemonat an den Start gehen. Will heißen: die Nummer 09 erscheint am 31. August. Aus diesem Grund haben wir auch aus dem vorliegenden Magazin eine Doppelnummer gemacht. Das wird aber nicht die einzige Änderung (und hoffentlich positive Überraschung sein), dazu dann aber mehr im September.

Ihnen jetzt aber erst einmal reichlich Erkenntnisse bei der Lektüre – und kommen Sie gesund durch den Sommer!


Steffen Meier
Gründer und Herausgeber
DIGITAL PUBLISHING REPORT