#7/ 2020
10/12

Podcasts: Man hört jeden Cent

Will man langfristig Podcasts und andere Audioformate produzieren, kommt man an einer vernünftigen Ausstattung nicht mehr vorbei

Grundsätzliches: Wenn es eine massive Veränderung bei der Podcast-Produktion zwischen früher und heute gibt, dann die: Podcasts lassen sich inzwischen auch dann professionell herstellen, wenn man keinen Zugriff auf die Infrastruktur eines Radiosenders hat. Das hat vor allem damit zu tun, dass die Ansprüche auf beiden Seiten gewachsen sind. Weder Hörer noch Produzenten haben dauerhaft Lust, ihre Ohren mit schlechtem Klang zu malträtieren.


Das bedeutet: Will man langfristig Podcasts und andere Audioformate produzieren, kommt man an einer vernünftigen Ausstattung nicht mehr vorbei. Ein Handy-Headset ist eben nur zum Telefonieren gut geeignet. Podcasten sollte man damit dauerhaft nicht. Und, kleine Vorwarnung: Will man sich wirklich gut ausrüsten, kommt man schnell in die Nähe von Studios, sowohl was die Qualität und leider auch die Kosten angeht.

Damit das nicht zu abstrakt bleibt, ein kleines Blick in den Podcast-Maschinenraum des Autors. Bitte dabei beachten: Hier werden zwar teilweise konkrete Produkte genannt – haben Sie aber bitte immer im Hinterkopf, dass es für jedes Gerät eine Alternative gibt. Um vage Beschreibungen zu vermeiden, werden hier aber dennoch die konkreten Gerätschaften genannt. 

Mikrofon: Das alles entscheidende Gerät. Ohne ein ordentliches Mikro kann eine Audio-Produktion, wie schon beschrieben, nicht funktionieren. In meinem persönlichen Setup steht deshalb ein Shure SM7B. Kein ganz billiges Vergnügen, das Shure kostet rund 400 Euro. Dafür aber ist es klanglich über jeden Zweifel erhaben. Nicht umsonst wird es auch in vielen Studios verwendet, besser, wärmer, natürlicher kann Klang in dieser Preisklasse kaum sein. Ich habe eine Reihe anderer Mikros probiert, keines kommt an das Shure (ok, das klingt jetzt doch etwas nach Werbung). 

Das gar nicht mal so kleine Aber: Das Mikro Shure SM7B ist extrem leise. Die Sensitivität liegt bei -59 db. Ohne entsprechendes Interface kommt da nicht viel raus. Und ganz ohne Interface sowieso nicht, das Shure braucht unbedingt einen Vorverstärker. 

Kleines Manko: Das Shure ist sperrig und groß und zum Mitnehmen für mobile Produktionen eher ungeeignet. Für solche Fälle habe ich noch ein Sennheiser MD 42 (mit XLR-Anschluss) und ein Sennheiser Handheld mit USB-Anschluss. Praktisch: das Mikro kann auch Lightning, ist also auch für alle iOS-Geräte geeignet. Das Portfolio wird vervollständigt durch ein Rode Reporter und ein Rode NTUSB. Man merkt womöglich, dass ich tendenziell eher zu Sennheiser und Shure tendiere, ohne die Rode-Geräte abwerten zu wollen. Vor allem produziert Rode deutlich günstigere Mikros als Sennheiser.  Von dem her: Nichts spricht gegen die Rode-Geräte, auch sie liefern sehr gute Qualität. Und, auch das muss man festhalten: Guter Klang ist immer auch eine Sache des eigenen Empfindens. 

Warum überhaupt so viele Mikros (ich habe eben mal nachgeschaut, bei mir sind aktuell sechs)? Dafür gibt es einen simplen Grund: Man podcastet ja nicht immer allein. Wenn man also beispielsweise eine Gesprächsrunde aufzeichnen will, dann geht das selbst selbstverständlich auch mit nur einem Mikro. Trotzdem ist das Ergebnis besser, das Gespräch angenehmer, die Aufnahme flüssiger, wenn idealerweise jeder Teilnehmer sein eigenes Mikrofon hat. 

Und noch ein Wort zu den Kosten: Vermutlich zuckt der eine oder andere zusammen, wenn er hier Mikrofone weit fernab der 100-Euro-Grenze und bis hin zu fast 500 Euro sieht. Aber die Erfahrung zeigt: Sparen bei Mikros zahlt sich nicht aus. Auf Dauer stellt man nämlich fest, wie viel ein gutes Mikro ausmacht. Wenn man also nicht Gelegenheits- oder Hobby-Podcaster ist, sollte man sich lieber gleich ein paar vernünftige Mikros leisten. 

Hardware: Das heißt zwangsläufig aber, dass man Geräte braucht, an die man so viele Mikros anschließen kann. Das ist auch der Grund dafür, warum die Allzweckwaffe Smartphone für Podcasts nur bedingt geeignet sind. Zwar gibt es gute Audio-Interfaces für das Handy. Aber bis man das alles zusammengestöpselt hat, ist man mit einem klassischen Aufnahmegerät besser bedient. Zumal die Erfahrung zeigt: Je mehr Kabel, Stecker, Adapter im Spiel sind, desto größer ist das Risiko, dass irgendwas schief geht. Oder der Klang leidet. 

Für alles, was ich stationär produziere, verwende ich den Rode Procaster. Das ist eine All-in-one-Lösung, mit der man theoretisch einen ganzen Podcast produzieren kann, ohne irgendein anderes Gerät zu bemühen. Es lassen sich bis zu sieben Audioquellen zuschalten, vier Kopfhörer anschließen und zudem unmittelbar Jingles und ähnliches vorbereitetes Material einspielen. Das alles wird auf einer SD-Karte aufgenommen – und das war es dann auch schon. So nutze ich den Procaster allerdings nie. Für mich ist er ein ideales Interface und Mischpult zugleich. 

Und natürlich kann man darüber debattieren, ob der Procaster nicht zwischen allen Stühlen steht: für den Profi zu klein, für den Einsteiger überambitioniert. Zumindest Letzteres würde ich bejahen, ansonsten ist er eine gute und vergleichsweise günstige Möglichkeit, professionelle Produktionen zu ermöglichen. 

Und noch ein kleines Manko am Procaster: Er ist naturgemäß vergleichsweise schwer und sperrig. Bei Abmessungen von 350 x 275 x 82 mm und einem Gewicht von zwei Kilo sollte man sich gut überlegen, ob man das Mini-Studio irgendwohin mitnimmt. Geht theoretisch natürlich schon, aber wenn man Mikros, Kabel und anderes Zubehör mitrechnet, dann hat man buchstäblich ein ganz schönes Päckchen zu tragen. 

Auch hier der Hinweis: Vergleichbare Geräte gibt es auch von anderen Herstellern. 

Was also machen, wenn man unterwegs ist und einen Podcast aufnehmen will? Ich weiß, dass man das mit Smartphones inzwischen sehr ordentlich hinbekommen kann. Dennoch bin ich inzwischen davon abgekommen. Will man wirklich eine professionelle Qualität hinbekommen, muss man derart viel an zusätzlichen Gerätschaften, Kabel und Adaptern andocken, dass man besser beraten ist, gleich eine gute und mobile All-in-One-Lösung zu verwenden (unbestritten ist, dass man beispielsweise zum Einholen von ein paar O-Tönen und einem schnellen Interview mit dem Smartphone und einem guten Mikro besser dran ist).  

Wenn ich also "richtig" podcasten will, verwende ich den Zoom H6-Recorder. Der ist, völlig zurecht übrigens, zu einer Art Goldstandard für Podcaster geworden. Bis zu vier Mikros können angeschlossen und separat gepegelt werden. 

Kopfhörer: Unbedingt einen geschlossenen nehmen! Ich verwende den Beyerdynamic BT 770 Pro. Natürlich ginge auch ein schickes Bluetooth-Modell, das man ohnehin zu Hause rumliegen hat. Aufnahmen in Echtzeit abhören beispielsweise geht damit aber nicht. 

Akustik: Ideal wäre eine feste Sprecherkabine. Als Kompromiss zwischen Laien-Lösungen und einer solchen Kabine verwende ich variable Stellwände, mit denen ich in wenigen Minuten eine kleine Kabine zusammenbaue. Das Ergebnis ist sehr ordentlich, Raumhall und andere Unannehmlichkeiten sind damit kein Thema mehr. 

Kleinteile: Nicht zu unterschätzten: Gute Tischstative. Gerade bei längeren Aufnahmen ist es lästig, das Mikro in der Hand halten zu müssen. Und je unruhiger eine Hand ist, desto wackliger und ungleichmäßiger werden die Aufnahmen. Dazu braucht man eine Reihe von XLR-Kabeln, idealerweise mit einer ordentlichen Länge. Was ich sonst noch im Gepäck habe: Mikrofonklemmen und Popschutz.

Kosten: Das ist leider der Punkt, an dem sich die Geschichte vom "billigen" Podcasten in Luft auflöst. Wenn ich mein komplettes Equipment zusammenrechne, komme ich schnell auf 5000 Euro.

            
Christian Jakubetz ist Journalist, Berater und Dozent. Er war Redaktionsleiter bei diversen Tageszeitungen, beim ZDF und N24, danach Redaktionsdirektor von Kirch New Media, Bereichs- leiter bei SevenOne Intermedia (ProSiebenSAT1). Zeitweise war er in der Redaktion der deutschen Wired und erstellte mit Kollegen das Journalisten-Lehrbuch „Universalcode“. Er berät mit seiner Agentur Jakubetz&Laban (Jakubetz-laban.de) Redaktionen und Unternehmen und entwickelt für sie Inhalte.