#7/ 2020
12/12

Podcast starten!

Die ultimative Anleitung für Einsteiger

Einen Podcast starten – damit beschäftige ich mich in letzter Zeit sehr intensiv. Podcasting ist momentan auch ein echter Hype – so kommt es mir gerade vor – gefühlt steigt gerade die Anzahl neu erscheinender Podcasts wahnsinnig an.

Dabei sind Podcasts eigentlich gar keine so neue Erfindung. Die ersten Audioblogs, wie sie damals hießen, gab es bereits im Jahr 2000, den Begriff Podcast seit 2004. Den richtigen Durchbruch gab es dann im Jahre 2005, als Apple auf den Zug aufsprang und durch die Integration in iTunes und damit auch den iPod Podcasts massentauglich machte.

Was ist eigentlich ein Podcast?

Ein Podcast (Zusammensetzung aus iPod und Broadcast) bedeutet zunächst mal nichts anderes als das Bereitstellen von Medienbeträgen im Audio- oder Videoformat, die sich über einen Feed – in der Regel RSS(Rich Site Summary bzw. Really Simple Syndication) abonnieren lassen. Diese Feeds stellen Inhalte in maschinenlesbarer Form – einer sogenannten XML-Datei – zur Verfügung (nur der reine Inhalt, kein Layout – man spricht auch von strukturierten Daten). Andere Feed-Formate sind Atom oder OPML. Newsfeeds gibt es auch für die dynamischen Inhalte, die Blogbeiträge, bei WordPress – normalerweise abrufbar durch die URL meinblog.de/feed.

Was ist nun das Besondere an den Feeds? Feeds lassen sich über spezielle Programme (neudeutsch: Apps) – Feedreader oder Aggregatoren abonnieren. Diese Programme suchen dann in regelmäßigen Abständen nach Aktualisierungen im Feed, der die App dann mit neuen Inhalten „füttert“. Feedreader gibt es als Erweiterungen für den Browser, als Integration im E-Mail-Programm (z. B. Outlook oder Thunderbird), als eigenständige Programme oder als webbasierter Dienst, z. B. Feedly. Probiere es doch einmal aus und abonniere meinen Blog als RSS-Feed

Womit kann man Podcasts hören?

Für Podcasts gibt es nun ganz spezielle Feed Reader, sogenannte Podcasting-Clients oder Podcatcher. Denn im Unterschied zum klassischen Feedreader erlauben diese beispielsweise auch den automatischen Download der abonnierten Podcast-Feeds, also der Audio- oder Videodateien.

Bekannte Clients sind – allen voran – iTunes, gPodderMiro, und die heutigen Smartphones verfügen bereits über vorinstallierte Podcast-Apps (wobei es auch hier zahlreiche Alternativen mit unterschiedlichen Zusatzfunktionen gibt).

Womit nehme ich einen Podcast auf?

Nun liest du diesen Artikel wahrscheinlich, weil du selber einen Podcast erstellen möchtest. Deshalb möchtest du sicher wissen, wie man einen Podcast überhaupt aufnimmt. Die gute Nachricht: Du brauchst kein vollausgestattetes Tonstudio, um mit einem Podcast loszulegen. Was du zunächst einmal brauchst, sind ein gutes Mikrofon und eine Aufnahmesoftware. Alternativ sind hier spezielle Aufnahmegeräte / Audiorekorder zu nennen, auf die ich hier aber nicht näher eingehen werde.

Mikrofone

Zunächst einmal: Es geht auch günstig mit einem Headset zum Beispiel. Wobei hier natürlich auch Qualitätsunterschiede eine Rolle spielen. Bei den Mikrofonen unterscheidet man grob dynamische Mikrofone und Kondensatormikrofone. Dynamische Mikrofone werden eher auf der Bühne verwendet. Die meisten USB-Mikrofone, die man auch fürs Podcasten verwendet, sind Kondensatormikrofone. Auch sogenannte Lavaliermikrofone (Ansteckmikrofone fürs Smartphone) sind meist Kondensatormikrofone.

Weiterhin unterscheidet man Mikrofone nach ihrer Richtcharakteristik. Die Richtcharakteristik gibt an, welchen Bereich die Mikrofone aufnehmen.

Mikrofone mit Nierencharakteristik nehmen den Bereich vor dem Mikro auf, sind nahe und direkt, nehmen also nicht den Raum mit auf (bzw. viel leiser). Viele Podcaster schwören hier auf das Rode Podcaster*,  ein dynamisches USB-Mikrofon, das auch ich für meine reinen Audiopodcasts / Audios verwende. (Ich wohne gegenüber einer Kirche und auf der Straße ist Kopfsteinpflaster – diese Geräusche hatte ich vorher mit meinem alten Mikro immer mit aufgezeichnet.) Nachteil: Das Rode ist wirklich extrem groß und braucht einen zusätzlichen Ständer oder Mikrofonhalterung. Außerdem liegt es mit 169 EUR auch schon preislich etwas höher.

Als preislich günstigere Variante kann ich das Samson Meteor* (nicht Samsung!) empfehlen: Kondensatormikrofon mit Nierencharakteristik, klein und kompakt, mit eigenem Ständer, und schon ab 46.- Euro zu haben. Für meine Videos, die ich am Rechner mit der Webcam aufnehme, nutze ich es trotz allem sehr gern, da es aufgrund seiner geringen Größe nicht gleich mit im Bild ist wie das Podcaster.

Mikrofone mit Keulen- oder Kugelcharakteristik nehmen den Raum mit auf, ideal also, wenn man Interviews oder Zwiegespräche aufnimmt. Ein empfehlenswertes Mikrofon aus dieser Kategorie ist das Blue Yeti*, das durch seine 4 Richtcharakteristiken, die man individuell einstellen kann, vielseitig einsetzbar ist.

Für unterwegs am iPhone nutze ich das Rode smartLav+ *, ein Ansteck- oder sogenanntes Lavaliermikrofon, das bereits für 55.- Euro zu haben ist. Ein guter Allrounder, der unterwegs für eine gute Tonqualität sorgt und klein und leicht ist (passt in jede Handtasche). Und ja, es funktioniert dank Adapter auch mit dem iPhone7!

Dann gibt es noch das Zoom H2N* zu nennen, das einige Podcaster, z. B. Tom Kaules, verwenden. Es hat den Vorteil, dass es sowohl am PC/Mac als auch standalone als Aufnahmegerät benutzt werden kann und somit ideal ist für unterwegs. Genau wie das Yeti lässt es verschiedene Richtcharakteristiken zu. Nachteil: recht teuer (189.- Euro)

Dann gibt es noch allerlei Zubehör für Mikrofone. Ein Wind- oder Popschutz schützt vor „poppenden“ Nebengeräuschen, die durch Luftströmungen beim Sprechen oder im Freien entstehen. Besonders stark tritt das Phänomen bei Verschlusslauten wie B und P auf. Zur Minimierung verwendet man Popschirme, Schaumstoff- oder Fellüberzüge („Tote Katze“, Puschel, Windjammer). Mit einer Mikrofonspinne werden Nebengeräusche minimiert, die durch Erschütterungen (z. B. bei Körperbewegung) entstehen.

Software

Dann benötigst du natürlich noch entsprechende Aufnahmesoftware. Ein sehr beliebtes, da kostenloses Programm ist Audacity, das auf PC und Mac läuft. Garageband für Mac oder Adobe Audition (das ich neben Audacity bevorzugt verwende, PC & Mac) oder Hindenburg Journalist (PC & Mac).

Alitu ist eine Web-App, mit der man ganz einfach Audios nachbearbeiten, aber auch aufnehmen kann. Ich habe sie selbst allerdings noch nicht getestet.

Auphonic ist ein Online-Tool, mit dem man bereits aufgenommene Audios nachbearbeiten kann, z. B. Rauschen und Hall entfernen. Wenn du mit den o. g. Programmen gut zurechtkommst, kannst du die selbstverständlich verwenden – denn sie bieten diese Funktionen auch. Für technisch weniger versierte Nutzer ist Auphonic eine gute Alternative, was allerdings ggf. mit weiteren Kosten verbunden ist. Für bis zu 2 Stunden Audio im Monat ist Auphonic kostenfrei. Beim Podcast-Hoster Podigee ist Auphonic in allen Plänen enthalten.

Musik für den Podcast – Intro und Outro

Viele Podcasts kommen mit einem Intro und Outro daher, was ein Wiedererkennungszeichen darstellt, ähnlich wie bei einer TV-Serie. Dabei ist das Intro die Einleitung, das Outro wird am Ende der jeweiligen Podcast-Episode abgespielt. Das Intro sollte eine Begrüßung und eine kurze Erklärung, worum es in dem Podcast geht, enthalten, das Outro kann dann auf deine Website verweisen. Intro und Outro haben typischerweise eine Länge von 10-20 Sekunden und können, müssen aber keine Musik enthalten. Für Musik empfehle ich dir, auf professionelle Anbieter zurückzugreifen, bei denen du sie lizensieren kannst. So bist du rechtlich auf jeden Fall auf der sicheren Seite. Wenn du musikalisches Talent hast, kannst Du dein musikalisches Intro natürlich auch selbst produzieren.

Gute Quellen sind z. B. Premiumbeat und Audiohub.de.

Wo hoste ich meinen Podcast?

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, den eigenen Podcast zu hosten. Selbsthosting, Fremdhosting oder eine Mischung aus beiden.

Selbsthosting

Selbsthosting bedeutet, Du lädst Deine Podcastepisoden direkt auf den eigenen Webspace hoch. Setzt natürlich voraus, dass du auch einen eigenen Webspace hast. Sollte das nicht der Fall sein, oder solltest du bei einem Anbieter wie Jimdo, Wix, Squarespace etc. sein, lies unter Fremdhosting weiter.

Selbsthosting bietet sich an, wenn du eine eigene Website auf Basis eines CMS wie WordPress, Drupal oder Joomla hast. Diese CMS-Systeme erstellen Dir automatisch einen Feed mit Deinen Podcast-Folgen. Weiter unten stelle ich dir ein paar Plugins für WordPress vor. Aber Achtung: Da Audio-Dateien in der Regel mehrere MB groß sind, wirst du die Dateien entweder per FTP hochladen müssen oder das Upload-Limit von WordPress in der wp-config.php erhöhen.

define('WP_MEMORY_LIMIT', '256M');

Fremdhosting

Das bietet sich an, wenn du kein eigenes Webhosting hast oder dich weder mit FTP noch mit wp-config-Dateien auseinandersetzen willst 😉

Der Platzhirsch auf dem Podcast-Hosting-Markt ist sicher Libsyn.com. Podcast-Hosting startet hier bei 5 Dollar pro Monat (50 MB inklusive, was etwa für 2.20-Minuten-Episoden reicht). Der Tarif gilt jeweils für eine Show.

Podigee startet mit 12 € pro Monat für bis zu 2 Shows, Auphonic und Spotify-Integration sind enthalten.

Bei Podcaster.de startest Du mit 1 Euro pro Monat. Ab 5 Euro kannst du mehrere Shows hosten, und eine Auphonic-Integration ist inklusive.

Kostenloses Hosting für Deinen Podcast:
Anchor.fm bietet kostenloses Hosting, kostenlose Verbreitung auf die größten Plattformen, Monetarisierung, kostenlose App, Erstellungs- und Bearbeitungstools, Analytics und einiges mehr. Mit Sicherheit kein schlechtes Angebot, für einen professionellen Podcast würde ich dennoch eher zu Bezahlvarianten greifen. Denn bei kostenlosen Diensten bezahlst Du meist mit Deinen Daten. Außerdem hat Anchor einen entscheidenden Nachteil: die Anmeldung bei iTunes erfolgt über den Apple Account von Anchor, was für Dich bedeutet, dass Du den Feed nicht selbst bei Apple administrieren kannst und Dir auch wertvolle Statistiken fehlen.

Weitere Anbieter sind Podhost und Podomatic.

Auch bei Soundcloud kannst du Podcasts hosten. Soundcloud ist aber in erster Linie eine Hostingplattform für Musik und keine Podcasting Plattform. Die Statistiken sind bei Soundcloud nicht so umfangreich wie bei anderen Hostern. Ich nutze Soundcloud wenn dann gerne als Zusatzplattform, um einzelne Dateien zu hosten.

Mix aus Selbst- und Fremdhosting

Mein Favorit. Denn ich möchte sowohl, dass mein Podcast unter meiner Domain erscheint als auch die Vorteile ausführlicher Statistiken eines Podcasthosters nutzen (theoretisch lassen sich zwar auch ganz einfach die Server Logs auswerten, doch die Statistiken des Podcasthosters sind ausführlicher). Ich lade meine Podcast-Folgen also bei Podigee hoch und pflege den Link zur Audio-Datei in meinem WordPress-Plugin (ich nutze Blubrry PowerPress) ein. Bei den Podcast-Verzeichnissen wie iTunes verlinke ich dann den RSS-Feed meiner Website. Das hat den Vorteil, dass ich flexibel bin, sollte ich den Hoster einmal wechseln wollen.

Aber auch wenn Du nicht bei WordPress bist, sondern z.B. bei Jimdo hostest, hast Du die Möglichkeit, den Podcastplayer auf Deiner Seite einzubetten. Ganz simpel über den Embed-Code, den Du bei Deinem Podcasthoster bekommst.

Die Embed-Variante funktioniert auch auf WordPress, wenn Du auf das Plugin verzichten willst. Unterschied ist hier: der RSS-Feed trägt die URL Deines Hosters, nicht die Deiner Website-Domain. D.h. wenn Du einmal den Hoster wechseln solltest, musst Du die URL auch bei den Podcastverzeichnissen ändern.

Podcast Plugins für WordPress

Ich benutze das Blubrry PowerPress Plugin in der kostenlosen Variante. Dieses Plugin hat bereits alles, was Du brauchst, um erfolgreich mit WordPress zu podcasten, es erstellt Dir nämlich einen RSS Feed und Du kannst den Player auf Deinem Blog einbinden. Um dem Player optisch ein schöneres Aussehen zu geben, musst Du allerdings auf HTML&CSS Kenntnisse oder die kostenpflichtige Variante zurückgreifen.

Weitere Alternativen sind Podlove Podcast PublisherSeriously Simple Podcasting und Fusebox.

Wo kann ich meinen Podcast promoten?

Nun hast du deinen Podcast erstellt und fragst dich, woher du Hörer generieren sollst. Hier gibt es unzählige Möglichkeiten, auf die ich in diesem Einführungsartikel gar nicht komplett eingehen kann. Natürlich solltest du deinen Podcast auf deiner Homepage präsentieren, Du kannst ihn auf Social Media Plattformen bewerben und in deinem Newsletter darauf aufmerksam machen. Auch die zusätzliche Verbreitung über YouTube ist eine interessante Möglichkeit, auf deinen Podcast aufmerksam zu machen. Was du auf jeden Fall tun solltest, ist deinen Podcast in speziellen Podcast Verzeichnissen zu promoten.

Podcastverzeichnisse

Podcastverzeichnisse sind eine ganz wichtige Trafficquelle für deinen Podcast. Durch das Anmelden deines RSS Feeds in den wichtigsten Verzeichnissen sorgst du dafür, dass dein Podcast überhaupt gefunden wird.

Apple Podcasts / iTunes

Das wichtigste Podcast Verzeichnis überhaupt ist der iTunes Store (Apple Podcasts). Um deinen Podcast dort anzumelden, benötigst du eine Apple-ID (ohne geht es leider nicht!). Mit deiner Apple ID meldest du dich bei iTunes Connect an und übermittelst den RSS Feed Deines Podcasts. Außerdem benötigst du ein Podcast Cover. Wie du das erstellst, erkläre ich dir weiter unten.

Spotify

Spotify ist eine weit verbreitete Music App, die seit einiger Zeit auch für Podcasts geöffnet ist. An Spotify kommst du neben Apple Podcasts nicht vorbei. Viele Podcast Hoster bieten eine Spotify Integration.

Weitere Podcast Verzeichnisse

Podcast Cover erstellen

Einen Podcast Cover kannst Du mit allen gängigen Grafikprogrammen erstellen (ich nutze Photoshop), aber auch mit Online-Plattformen wie Canva oder Picmonkey.

Dein Podcast Cover sollte quadratisch sein, mindestens 1400×1400 Pixel und maximal 3000×3000 Pixel groß sein. Das Cover sollte auch auf Smartphones gut lesbar sein und daher nicht zu viel Text enthalten.

 

Martina Honecker ist SEO- und Online Business Coach und zeigt Solounternehmern, wie sie ihr Online Business entspannt zum Laufen bringen. Sie ist seit über 20 Jahren Online-Unternehmerin und schreibt auf ihrer Website martinahonecker.com über Suchmaschinenoptimierung, WordPress und digitale Business-Themen.