#7/ 2020
3/12

Ein paar Worte zum Geleit

„Im Kontext von ökonomischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen ist zurzeit nicht viel, wie es noch vor Kurzem war. Das Corona-Virus hat beinahe alles in Frage gestellt, was zu Beginn des Jahres 2020 noch als selbstverständlich galt – mit wenigen Ausnahmen. Eine davon dürfte das Thema Innovation betreffen: Es war schon vor der Pandemie unzweifelhaft, dass Innovationen für die Zukunft der Verlagsbranche eine herausragende Rolle spielen, und wer jetzt nicht daran glaubt, dass Innovationen wichtig sein werden, um diese für viele Verlage existenzielle Krise zu überwinden, hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt." Das schreibt Niels Peter Thomas, Managing Director Books Springer Nature, im Vorwort zum „Innovationsmonitor Publishing“, der jetzt erschienen ist. Obwohl die Vorarbeiten zu dieser Studie schon vor anderthalb Jahren begannen, noch weit von Pandemien und Zwangsdigitalisierung entfernt – die Ergebnisse sind heute drängender und wichtiger denn je. Immerhin fanden rund 46 % der Befragten Innovation als „sehr dringlich“, immerhin 43 % noch als „dringlich“. Ergänzend zum Innovationsdruck erklären 45 %, dass das eigene Hauptprodukt/-angebot (auf Umsatzbasis) davon bedroht ist, in den nächsten fünf Jahren ganz oder in Teilen substituiert zu werden; 33 % sprechen in dem Kontext von einer „starken Bedrohung“. Oder, salopp formuliert: „Da brennt die Hütte …!“

Die gute Nachricht: Die Verlage fühlen sich gut aufgestellt für die kommenden Herausforderungen. „Trotz einer fehlenden einheitlichen Definition von Innovation sind die Verlage nach ihrer eigenen Einschätzung gut aufgestellt. Das Gros der Befragten hält das eigene Unternehmen tendenziell eher für innovativ: Auf einer Skala von 1-10 (10 am höchsten) haben 52 % gleich oder mehr als „6“ angegeben; die meisten (19 %) haben „7“ gewählt.“ Nun ist das mit der Selbsteinschätzung immer so eine Sache. Jeder erfahrene Fortbildungs- oder Workshop-Veranstalter weiß, dass es wenig Sinn macht, die Teilnehmer und Teilnehmerinnen vorab nach dem Kenntnisstand zu fragen. Keiner kreuzt „Anfänger“ an – und am Ende des Tages sind wir doch alle „Fortgeschrittene“. Oder?

Fairerweise muss man dazu sagen: Viele Verlage haben ein sehr klares Bild von den Herausforderungen. Da wird beispielsweise genannt: das Urheberrecht und regulatorische Veränderungen auf nationaler und internationaler Ebene, Open Access, der Fachkräftemangel und die Veränderung der Mediennutzung. Neben diesen externen Faktoren gibt es auch interne Hausaufgaben wie die organisatorische Transformation, Aufbau des digitalen Know-how und allgemein Prozessoptimierung etwa bei der Content Verarbeitung, den Vertriebsstrukturen und allgemein der Supply-Chain.

Erschwerend kommt hinzu, dass die immer wieder heiß ersehnten leichten, für alle einsetz- und übertragbaren Lösungen nicht kommen werden. Zu divers sind die Produktlinien, vor allem die Zielgruppen. Was bei Publikumsverlagen im B2C-Bereich funktioniert, muss noch lange nicht bei einem weitgehend digital aufgestellten Fachinformationsanbieter gelingen – und umgekehrt. Und am Ende des Tages müssen Innovation und Veränderung in ein skalierbares Schema gegossen werden. Auch daran fehlt es vielen Verlagen, so ein Ergebnis des Innovationsmonitor Publishing: „Es hapert jedoch in vielen Unternehmen an den Prozessen zur Umsetzung von Innovationen. Auch wenn Business Development und interne Innovations-Events eine gewisse Sensibilisierung für die Veränderungen im Unternehmensalltag versprechen: Es gibt bei der Mehrheit der Befragten keinen formalisierten bzw. systematischen Prozess für Innovation, kein Ideenmanagement, kein Business Development und keine internen Events oder Plattformen zur Förderung von Innovationen. Es fehlen die Strukturen zum erfolgreichen Wandel.“ Das Stichwort dazu: Transformationsmanagement. Kein Buzzword, sondern handfestes To-do, mit dem wir uns im DIGITAL PUBLISHING REPORT in den nächsten Monaten beschäftigen und unseren Leser und Leserinnen Hilfestellung geben werden.