#7/ 2019
3/10

ein paar worte zum geleit

Sie liegt hinter uns – die erste Verleihung des digital publishing award. Vor sozusagen vollem Haus auf der Leipziger Buchmesse, mit glücklichen Preisträgerinnen und Preisträgern und der klaren Aussage unsererseits, dass wir angesichts des großen Erfolgs der Veranstaltung den Preis auch 2020 ausloben werden. Allzuviel Pause werden wir uns hier auch nicht gönnen, schon jetzt halten wir nach spannenden digitalen Projekten im Medienumfeld die Augen auf. Falls Sie selbst ein solches Projekt kennen: schreiben Sie uns eine E-Mail, wir freuen uns.

Beim Thema „GfK-Studie“ zuckt die Hälfte der Buchverlage zusammen, immerhin geisterte im letzten Jahr die Zahl von 6 Millionen Lesern und Leserinnen, die der Markt verloren habe, herum. Der große „Buch-Konkurrent“ war auch gleich identifiziert: Netflix & Co. Weltuntergang? Mitnichten, meinen wir vom digital publishing report. In einer umfangreichen Befragung zusammen mit dem Marktforschungsinstitut YouGov haben wir die junge Zielgruppe befragt, um die vielfältigen Spekulationen in der Branche einmal mit Daten zu hinterlegen. In kurz: die Lage für das Buch (und andere Medienformen) ist tatsächlich ernst, aber gerade das gedruckte Buch liegt zukünftig überraschend stark im Fokus der jungen Zielgruppe. Mehr dazu lesen Sie in der Zusammenfassung unseres dpr-Medienmonitor „Zukunft der Mediennutzung 2019“ in diesem Magazin.

A propos junge Leser: Wenn es um das Thema „Digitalisierung der Schule geht“, dann sei die vorherrschende Meinung laut unserem Autor Harald Henzler: „Bildung ziehe im Schneckentempo durch die Institutionen und nichts passiere“. Das dies ein völliger Trugschluss ist, zeigt er in dieser Ausgabe am Beispiel von Projekten wie „Digitale Schule 2020“.

Auch Fachverlagen, vor allem den „Juristen“, wird auch immer wieder unterstellt, mehr dem Beharrungsvermögen als der Innovation verschrieben zu sein. Der NWB-Verlag in Herne ist geradezu prädestiniert, diese Meinung zu widerlegen: tatsächlich hat man dort bereits vor fast 10 Jahren mit digitalen Communities und Netzwerken experimentiert. Zu einem Zeitpunkt, als viele Medienunternehmen noch gar nicht so genau wussten, was diese „Communities“ eigentlich sind. Daraus resultiert natürlich eine ganze Menge an Erfahrungen, zB wie man eine Community eigentlich umzieht. Antworten darauf hat Reiner Crede, der die NWB Community und den NWB Experten-Blog verantwortet.

Wer an der Schnittstelle zwischen Technologie und Verlagen unterwegs ist, sei es als Berater oder technischer Dienstleister, kennt die Problematik: günstige Software gibt es nur mit einheitlichen Prozessen – und tatsächlich sind ja auch viele Prozesse immer gleich und identisch. In der Realität trifft dies aber auf einen Pseudo-Individualismus vieler Verlage, der zu höherem Anpassungsaufwand, höheren Kosten und oft genug zum Scheitern technologischer Projekte führt. Ganz schlimm wird es, wenn es um verlagsweite Projekte wie die Einführung von CRM- oder Verlagssystemen geht. Marco Ripanti greift dies in seinem Artikel "Der Faktor Mitarbeiter bei der Digitalisierung" auf, mit dem Ergebnis: „Es ergibt sicher einen Sinn, dass moderne Lösungen eben NICHT genau die Prozesse abbilden, die man in den letzten Jahren ohne Tools abgearbeitet hat. Werft also alles über Bord, setzt alles auf null und geht auf die neuen Möglichkeiten ein!“

Desweiteren findet sich in dieser Ausgabe eine Analyse dazu, ob Customer-Data-Plattformen (CDP) Data-Management-Plattformen (DMP) ablösen werden, wie man auf dem „Hidden Champion“ der sozialen Netzwerke, Pinterest, erfolgreich agiert. Und wir schauen uns an, was Micro-Influencer eigentlich genau sind und wie man mit ihnen interagiert.

Viel Vergnügen und Erkenntnisse bei der Lektüre!

Steffen Meier