#6/ 2023
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Lieben Sie Ihre Arbeit?

„Kennen Sie die stärksten Indikatoren für Mitarbeiterbindung, Performance, Engagement und Resilienz von Mitarbeitenden? Dies sind: die Möglichkeit, das zu tun, was ich gut kann und was ich liebe, die Begeisterung, mit der ich zur Arbeit gehe und die Möglichkeit, die eigenen Stärken beständig einsetzen zu können. Diese Faktoren sind wichtiger als das Gehalt, wie sehr man seine Kollegen und Kolleginnen mag, der Arbeitsplatz oder gar ein starker Glaube an die Mission, den Sinn der Organisation. Das sollte einen nicht verwundern, denn was nutzt der tollste ‚Purpose‘, wenn die Prozesse gruselig sind, mein Einsatz wirkungslos ist und ich Dinge tue, die ich weder besonders gut beherrsche noch sonderlich mag?“ Das schreibt Marco Olavarria in seinem Beitrag „Die Arbeit lieben – warum eigentlich nicht?“ in der aktuellen Ausgabe des DIGITAL PUBLISHING REPORT. Und stellt damit eine gute Frage an uns alle: Wie steht es um Sie und Ihre Arbeit?

Grund genug für uns, einmal unsere Community zu fragen, welche Faktoren in Sachen Zufriedenheit die ausschlaggebenden sind. Ergebnis: Gehalt, der Motivationsfaktor Nummer Eins der letzten Dekaden, landete auf dem letzten Platz, hinter dem eigenen Team, der Unternehmenskultur und der Möglichkeit zur eigenen Gestaltung der Arbeitssituation (also Remote Work). 

Arbeit nimmt einen großen Teil unseres Lebens ein – das ist eine Binse. Aber die Frage, wie und womit wir diesen Teil ausfüllen, spielt eine immer größere Rolle. Und das scheint Studien zufolge vor allem jüngere Generationen zu betreffen – etwa die berühmten „Digital natives“, nach denen (nicht nur) Medienunternehmen händeringend suchen. Insofern eine gute Nachricht: Die klammen Geldbeutel der Verlage sind vielleicht gar nicht entscheidend (auch wenn unbezahlte Praktika immer noch ein Unding sind). Die schlechte Nachricht: Kreativität ist gefordert, wie man Jobs so gestalten kann, dass die Mitarbeiter:innen Sinnhaftigkeit empfinden. Zumal diese sehr individuelle Vorstellungen davon haben, wie diese Sinnhaftigkeit aussieht, und Patentlösungen gibt es auch nicht. Aber die Auseinandersetzung mit dieser Frage ist für Führungskräfte und Personalabteilungen zukünftig essenziell. 

PS: Auf der Fahrt mit dem Messe-Shuttle zur LEARNTEC in Karlsruhe habe ich zufällig ein Werbeplakat gesehen mit dem Slogan „Unsere Preise sind so hoch wie Ihre Motivation zur Arbeit am Montagmorgen: extrem niedrig“. Vermutlich von einem armen, ausgebeuteten, überarbeiteten Marketingmenschen getextet. Wenig lustig und eher gruselig. Und auch hier die Frage: Wie geht es Ihnen am Montagmorgen?

Bleiben Sie neugierig! 

Steffen Meier
DIGITAL PUBLISHING REPORT