#6/ 2021
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Eine kleine Geschichte des digitalen Magazins

Die Evolution digitaler Magazine von digitalen PDF-Magazinen, digitalen App-Magazinen bis zu modernen HTML-Web-Magazinen

Haben Sie jemals über die Geschichte der digitalen Magazine nachgedacht? Zeitschriften wurden ursprünglich im 15. Jahrhundert entwickelt, kurz nach der Erfindung der Gutenberg-Presse. Zeitschriften unterschieden sich von Büchern, weil sie verschiedene Autoren (später auch Autorinnen) vorstellten, die Inhalte meist zu einem zentralen Thema veröffentlichten, und sie wurden periodisch, in einer regelmäßigen wöchentlichen, monatlichen oder vierteljährlichen Frequenz veröffentlicht.

Digitale Zeitschriftengeschichte: Am Anfang war das PDF

Zeitschriften blieben lange Zeit im Wesentlichen gleich wie andere Druckerzeugnisse. Allerdings entwickelten sich die Formate von hauptsächlich textbasierten zu solchen mit auffälligen Fotos und Grafiken, als der Vierfarbdruck für Verlage weltweit billig und leicht verfügbar wurde. Mit den Anfängen des Desktop-Publishing in den 1980er-Jahren konnte jeder Zeitschriftenverlag ein digitales PDF-Magazin erstellen, indem er einfach dieses Ausgabeformat auswählte, als er seine Desktop-Publishing-Dateien speicherte. Dieser Fortschritt in der Geschichte der digitalen Zeitschriften führte jedoch nicht zu einer unmittelbaren Veränderung der ursprünglichen Produkte und Geschäftsmodelle, da es immer noch keine einfache und billige Möglichkeit gab, diese digitalen PDF-Magazine auch zu vertreiben.

Mit dem Aufkommen des Consumer-Internets in den 1990er-Jahren boten E-Mail und das Web eine einfache und kostengünstige Möglichkeit, ein PDF oder ein digitales PDF-Magazin zu distribuieren. Ich kann mich daran erinnern, dass viele Verlage beschlossen, ihre Zeitschriften als Download auf ihrer Website anzubieten oder als Anhang einer E-Mail zu verteilen. Das allgegenwärtige PDF-Format ermöglichte es simpel, diese neuen Magazine auf jedem Gerät lesbar anzubieten, solange der Benutzer Zugang zu einem PDF-Reader hatte, den die meisten Geräte aber als Teil ihrer ursprünglichen Softwareausstattung mitbrachten.

Obwohl die Verbreitung dieser Zeitschriften beträchtlich gewesen sein mag, waren die anfänglichen wirtschaftlichen Auswirkungen vernachlässigbar, da die meisten Verlage nicht versuchten, ihren Anzeigenkunden die zusätzliche Verbreitung, die durch die PDF-Versionen ihrer Zeitschrift generiert wurde, auch nur ansatzweise in Rechnung zu stellen.

Als PDFs zu digitalen Apps wurden

Mit der Veröffentlichung des ersten iPads im Jahr 2010 tauchte schnell ein neues digitales Zeitschriftenformat auf, das wir als digitales App-Magazin bezeichnen können. Erstmals gab es jetzt sinnvoll die Möglichkeit, für Abonnements Gebühren zu erheben und die Verteilung und Berechtigung für ihre Ausgaben und Abonnements zu verwalten. Dies führte zu der Möglichkeit, Abonnementeinnahmen zu generieren und Werbekunden für die digitale Verteilung zur Kasse zu bitten, da diese Verteilung nun dokumentiert werden konnte. 

Digitale Magazine entwickeln sich zu HTML-Web-Editionen

Im Jahr 2014 brachten Prime Publishing und Mequoda Systems ein HTML-Webmagazin namens „ I Like Crochet“ (eine Zeitschrift rund ums Häkeln. Anm. der Redaktion) auf den Markt. Das Magazin war linear, endlich, periodisch und zeigte alle Eigenschaften eines Magazins, unabhängig von der Plattform. Das Magazin war in eine größere Website eingebettet, die auch andere Inhaltsformate enthielt. Das Haven-WordPress-System, mit dem dieses neue HTML-Webmagazin betrieben wurde, konnte Premium-Abonnements über Kreditkarte und geschütztem Zugang verarbeiten. Nur Premium-Abonnenten konnten vollen Zugriff auf die gesamte Magazin-Ausgabe und das Archiv mit früheren Ausgaben erhalten. Später entdeckten Prime und Mequoda, dass nicht nur Evergreen-Content wie Strickmuster, Rezepte oder andere Arten von Lehrinhalten für diese Art von HTML-Webmagazin geeignet sind, sondern dass auch Nachrichten und andere Inhalte archiviert und dann als spezielle Sammlungen zu bestimmten Themen zur Verfügung gestellt werden können.

Im Internet gibt es inzwischen Hunderte von HTML-Webmagazinen, darunter Dutzende, die wir in den letzten sieben Jahren mit ins Leben gerufen haben. „I Like Crochet“ hat mittlerweile mehr als 18.000 Premium-Abonnenten und ist als eigenständiges digitales Magazin ohne gedrucktes Pendant finanziell erfolgreich. Der Erfolg hat uns dazu veranlasst, in den folgenden Jahren weitere Objekte zu den Themen Stricken, Kochen und Gartenarbeit zu lancieren, die das gleiche digitale HTML-Webmagazin-Format und Geschäftsmodell verwenden.

Zusätzlich zu „I Like Crochet“  einige weitere Beispiele für digitale HTML-Webmagazine, die die Haven-WordPress-Plattform verwenden:

Food Gardening Network “, unser neuestes digitales Magazin-Publikationssystem. „Food Gardening Network“ ist ein von Grund auf neu entwickeltes Start-up, bei dem alle Inhalte digital sind. Die Website verfügt über fünf redaktionelle Frameworks, die suchmaschinenoptimierte tägliche Tipps bietet, Garten-Freebies, die als Anreiz zum User-Engagement dienen, ein monatliches digitales Magazin, ein digitales Archiv, dazu ausführliche Ressourcen zu drei neuen Themen pro Monat bietet, und ein digitales Kochbuch, das dem System später in diesem Jahr hinzugefügt wird. Das System demonstriert auch den aktuellen Stand der Technik für die digitale Publishing- und Marketing-Softwareplattform Haven WordPress, die von mehr als einem Dutzend unabhängiger Verlage genutzt wird.

Financial Freedom Federation“, das auf dem Höhepunkt der Pandemie im Jahr 2020 eingeführt wurde. Nutzer werden als kostenlose Bronze-Mitglieder in die Marke eingeführt, wo sie täglich kostenlose Finanztipps, Zugang zu zahlreichen Finanzratgebern und kostenlose Vorschauen auf Premium-Inhalte erhalten. Die Gold-Stufe beinhaltet das digitale Magazin der Federation, mehr als 30 Premium-Sonderberichte und sorgfältig kuratierte Investor Briefings. Die Financial Freedom Federation demonstriert, wie mehrere Mitgliedervorteile in eine gut funktionierende Marketingpyramide verwandelt werden können.

Das digitale Publishing- und Marketingsystem von „ Yankee“ wird von einem der erfolgreichsten Portale der Reisebranche, NewEngland.com, getragen. Website-Besuchern werden kostenlose Reiseführer und kostenlose Newsletter angeboten, die ihnen einen Insider-Blick auf den Lebensstil in Neuengland ermöglichen. Das System nutzt unser System für Inhaltsvorschauen, um nicht-zahlenden Mitgliedern die Möglichkeit zu geben, Premium-Inhalte von Yankee auszuprobieren, einschließlich des digitalen Magazins, der Reisebibliothek und der Sonderausgaben sowie der preisgekrönten PBS-Fernsehserie "Weekends with Yankee".

 I Like Knitting “ wurde 2015 als Pendant zu „I Like Crochet Network“ gestartet und zeigt, wie Geschäftsmodelle, Softwareplattformen und Geschäftsprozesse genutzt werden können, um eine zweite Publikumsnische, die eng mit dem älteren Geschwisterchen verwandt ist, effizient zu bedienen. In der Vergangenheit haben wir diese Strategie genutzt, um neun begleitende digitale Publishing- und Marketingsysteme im Bereich Kunsthandwerk zu starten und dabei die Entwicklungs- und Betriebskosten für das zweite und nachfolgende Systeme drastisch zu reduzieren. Die enge Beziehung zwischen den beiden Crafting-Websites ermöglicht es auch, Test-Produkte, die für eines der beiden Geschwister erfolgreich sind, schnell für das andere zu nutzen.

RecipeLion Magazine“ nutzt die Reichweite des Prime Food Network, um eine kostenlose Mitgliederdatenbank mit unseren proprietären Onboarding- und Willkommensprogrammen aufzubauen. Nicht-zahlende Mitglieder erhalten begrenzten Zugang zu einer riesigen digitalen Medienbibliothek mit Magazinen, Kochbüchern und Fernsehsendungen mit regelmäßigen Angeboten zum Upgrade auf vollen, unbegrenzten Zugang mit einer „Gold Club“-Mitgliedschaft.

Erfolgsmetriken für digitale Webmagazine

In den letzten sieben Jahren haben wir festgestellt, dass die „retention rates“, also Leserbindungsquoten für unsere Webmagazine ähnlich hoch sind wie die für Printmagazine, weil wir mehrere Engagement-Programme für Premium-Abonnenten haben, die das Werteversprechen erhöhen.

Unsere Premium-Abonnenten erhalten in der Regel drei Vorschau-E-Mails pro Woche sowie eine wöchentliche Zusammenfassung, die ihnen Zugang und Einblick in aktuelle und vergangene Premium-Inhalte gibt. In jedem beliebigen Monat entfallen mehr als 80 Prozent der Seitennutzung, die wir auf unseren digitalen HTML-Webmagazinen generieren, nicht auf die aktuelle Ausgabe des Magazins, sondern auf Inhalte aus vergangenen Ausgaben und noch spezifischer auf die Themensammlungen mit Inhalten aus diesen vergangenen Ausgaben.

Während digitale HTML-Webmagazine in vielerlei Hinsicht ihren Print-Vorgängern ähneln, bieten sie die Möglichkeit, ein viel höheres Maß an Engagement zu erzielen, indem sie die Leser mehrmals pro Woche zu den Premium-Inhalten zurückbringen.

Dieses höhere Maß an Engagement führt zu höheren Leserbindungsraten und einem höheren Lifetime-Abonnementwert. Wir haben auch entdeckt, dass die Multiplattform-Natur eines Webmagazins, die Ausgaben, Sammlungen, Vorschauen und einen täglichen Newsletter umfasst, ein Wertversprechen schafft, das es uns erlaubt, den Verbrauchern durchschnittlich 50 Dollar pro Jahr zu berechnen.

Aufgrund dieser Erfahrung glauben wir fest daran, dass sich alle Magazine in den nächsten Jahrzehnten zu diesem Format entwickeln werden und in eine vollständige Digitalisierung migrieren.

 

 

Der Autor

Während seiner jahrzehntelangen Karriere hat Don Nicholas, CEO Mequoda, mit Kollegen, Kunden und Partnern zusammengearbeitet, um digitale Publishing- und Marketingsysteme für mehr als 300 Zeitschriften, Newsletter, Mitgliedschaften, Clubs und Veranstaltungen zu entwickeln. Don Nicholas und sein Strategieteam haben als Managementberater für praktisch jeden großen Nischenverlag in Nordamerika gearbeitet. Er ist Autor zahlreicher Bücher und hunderter Artikel über Journalismus, Publishing, Technologie und Marketing. Bevor er 2004 Mequoda gründete, war er Gründer und Geschäftsführer von Blue Dolphin Magazines und der Lighthouse Communications Group.