#6/ 2021
3/17

Ein paar Worte zum Geleit

Guten Tag! 

Manchmal gibt es Koinzidenzen, die einem zu denken geben. Just zum Zeitpunkt der Planung unseres Heft-Schwerpunkts zum Thema „ePaper und Digitalmagazine“ startete eine kleine Erfahrungsumfrage mit digitalen Zeitschriften unter Kolleginnen und Kollegen der Fachverlage. Das zeigt zum einen die Virulenz des Themas – zum anderen war aber spätestens im letzten Jahr der Geburtsfehler von Print-Zeitschriften klar ersichtlich: Produktform und damit verbundene Distribution sowie etwas, das ich „snail information“ nennen würde. Der erste Punkt war vor allem im B2B-Zeitschriftenbereich schmerzvoll spürbar, als zu Beginn der Pandemie noch fleißig gedruckt und per Post ausgeliefert wurde. Dumm nur, dass niemand mehr in den Betrieben war und alle brav beim Remote Work im Homeoffice weilten und die Zeitschriften sich auf nichtbesetzten Schreibtischen türmten. Hier zeigt sich der Nachteil, den eine Postadresse hat – sie taugt nur zur Auslieferung und nicht zur Kommunikation, wenn niemand am anderen Ende erreichbar ist. Tatsächlich haben einige (leider wenige) Fachverlage das schnell begriffen und inzwischen parallele aka digitale Kommunikationswege aufgebaut, um eine flexiblere Auslieferung zu ermöglichen. Etwas, das fast alle Tages- und Wochenzeitungen ja schon lange anbieten.

Der andere Punkt, Information im Schneckentempo, ist ein Problem grundsätzlich alles Gedruckten: kaum gedruckt, schon veraltet. In den letzten zwanzig Jahren gab es zwei Ereignisse mit globaler Auswirkung: die Terroranschläge vom 9.11.2001 und der Ausbruch der weltweiten Pandemie zu Beginn des letzten Jahres. Beide erforderten breite, umfassende, schnelle Information. Aber während 2001 die noch jungen Newsangebote unter dem Ansturm schnell zusammenbrachen und Radio sowie TV zum Informationslieferanten wurden, machte 2020 das Internet ganz klar das Rennen. Dies sollte eigentlich Auswirkungen auf das inhaltliche Konstrukt von Zeitungen und Zeitschriften haben: Was interessieren mich dieselben Informationen in der Tageszeitung, die ich am Vorabend schon im TV und permanent auf dem Smartphone zur Verfügung habe? Dies ist auch ein Gründungsgedanke des DIGITAL PUBLISHING REPORT, konzipiert als einordnendes Lean-back-Medium. Wir wollen (und können) bewusst nicht mit den News-Seiten in unserem Umfeld konkurrieren: Wir wollen Themen aufgreifen und setzen und diese einordnen. Übrigens eine Stärke des Journalismus, die leider (vor allem bei Tageszeitungen) viel zu selten eingesetzt wird.

Zugegeben: Das war ein sehr weiter Bogen zu dem Thema, dass wir uns in dieser und folgenden Ausgaben verstärkt dem Thema „ePaper und Digitalmagazine“ widmen wollen. Aber es handelt sich hier um einen wesentlichen Teil der digitalen Transformation vieler Verlage, die neue Produkte und Distributions- sowie Kommunikationsformen erfordert. Zeit genug zum Lernen hätte man eigentlich schon seit über 40 Jahren gehabt: Die erste elektronische Zeitung war der Columbus Dispatch; sie ging im Juli 1980 über den Online-Dienst CompuServe als Experiment an den Start (Quelle: Wikipedia). Die Pandemie-Digitalisierung hat dem Thema auch bei den Lesern und Leserinnen enormen Auftrieb verschafft, schaut man sich einmal die IVW-Zahlen von 2018 und 2021 an (jeweils im ersten Quartal): die Zahl der digitalen Zeitungen und Zeitschriften ist moderat von 385 auf 473 gestiegen, die verbreitete Auflage hat sich aber fast verdoppelt von 2,5 Mio. 2018 auf 4,6 Mio. 2021. 

Zwei Anmerkungen noch schnell, bevor das Geleitwort zu Ende geht: Wer wissen will, wie man trotz Pandemie in zwei Wochen ein (digitales) Magazin auf die Beine stellt, dem sei das Interview mit Martin Schwarz und Florian Zangerl (WEKA) unter dem bezeichnenden Titel „Warten Sie nicht auf den letzten Bedenkenträger, sondern machen Sie einfach“ im dpr Magazin 5/20 empfohlen.

Und falls Sie sich fragen, warum das dpr Magazin eigentlich sowohl als PDF als auch als digitales Magazin erscheint: bei uns entscheidet der Kunde/die Kundin über das Produkt. Und da wir wissen, dass viele von Ihnen das layoutete PDF schätzen – etwa zum Ausdrucken - machen wir das auch so. Schließlich machen wir den DIGITAL PUBLISHING REPORT für Sie, nicht für uns …

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre. 

Steffen Meier
Gründer & Herausgeber
DIGITAL PUBLISHING REPORT