#6/ 2020
3/15

Ein paar Worte zum Geleit

Kaum haben wir uns alle halbwegs eingerichtet in der schönen neuen Remote-Welt, schon geht sie wieder los, die nicht nur typisch deutsche Diskussion um „Zoom-Müdigkeit“, „Zoom-Koller“ und sogar „Zoom Fatigue“. Es gibt nicht nur für alles eine App, es gibt auch für alles eine mehr oder weniger zweifelhafte Bezeichnung. 

Ich weiß, früher war alles besser: kilometerlange Autofahrten, Staus oder vollgestopfte Züge, um endlich wieder in der Teeküche über die neueste Netflix-Serie fachsimpeln zu können (oder die älteren unter uns über den letzten Tatort), mit dem allseits so beliebten Bürokaffee die Magenschleimhaut zu ruinieren und gefühlt tagelang in Meetings zu sitzen, in denen man permanent heimlich auf dem Smartphone herumdaddelte und sich hinterher fragte, worum es eigentlich die letzten Stunden ging. Ja, früher war alles besser. Und, Freude über Freude, die guten alten Zeiten scheinen langsam aber sicher eine Renaissance zu erleben, die Büros füllen sich nach und nach – und erste, völlig sinnentleerte Meetings können wieder stattfinden.

Spaß beiseite: Die Vorteile von Remote Work sind bei allem Jammern über fehlende physische Kontakte nicht von der Hand zu weisen, nach wie vor gibt es aber viel Unsicherheit darüber, wie sich dieses sinnvoll umsetzen läßt. Wir haben der Vielfalt an Tools und Werkzeugen in dieser Ausgabe einen großen Schwerpunkt gewidmet, lassen aber auch Praktiker aus Medienunternehmen zu Wort kommen, die über ihre ganz eigenen Erfahrungen berichten.

Aber nicht nur Homeoffice, auch die digitale Abbildung physischer Events und Messen beschäftigen uns alle gerade: sei es in den vielen Diskussionen um die Buchmesse Frankfurt oder aktuell die Didacta – auch wir beim DIGITAL PUBLISHING REPORT haben gerade alle Hände voll zu tun mit der Ausrichtung von Partner-Events wie der Digitalkonferenz der AWS (Arbeitsgemeinschaft wissenschaftlicher Sortimenter), dem CrossMedia Forum und dem internationalen „All About Audio“-Digital-Summit. Oder unserer Preconference des digital publishing award, die am 1. Juli stattfindet, auf der die Shortlist des Awards vorgestellt wird (und diese ihr Portfolio auch vorstellen) im Sinne von „Media meets Innovation“. Man darf gespannt sein, wen die Jury in einer teils kontroversen fünfstündigen Sitzung gekürt hat. Wir haben die Gelegenheit beim Schopf ergriffen und die Jurymitglieder befragt, wie sie eigentlich „Innovation“ definieren. Die spannenden Ergebnisse finden sich in dieser Ausgabe.

Im weitesten Sinne mit Innovation, Veränderung beschäftigen sich auch unsere anderen Magazin-Themen. Und das muss nicht immer pur digital sein: Innovation ist auch in Print möglich, weswegen wir einen Blick über den Teich werfen. Dort boomen gerade „Lean back“-Printmagazine – vielleicht auch ein Vorbote für Entwicklungen hierzulande?

Gewohntes neu denken praktizieren unsere Autorinnen und Autoren schon seit der ersten Ausgabe 2016. Gutes Beispiel ist die im Artikel „Profile triggered Broadcasts“ aufgeworfene Frage, ob es wirklich so sinnvoll ist, wenn der Sender über den Publikationszeitpunkt bestimmt oder ob das nicht besser der Empfänger macht? Auch dem Thema „Kundenzentrierung“ widmen wir uns in zwei Artikeln. Kundenorientiert sind und waren ja alle schon immer (jedenfalls wenn man Unternehmen dazu befragt). Aber stimmt das so? Immerhin bedeutet „Customer Centricity“ nicht ein Lippenbekenntnis, sondern teilweise tiefgreifende Veränderungen – bis hin zur eigenen Organisation. Und wir zeigen auf, was eigentlich hinter all den hippen Begrifflichkeiten steckt, von „Customer Persona“ bis „Customer Experience“ – und setzen diese in Zusammenhang.

Ich wünsche Ihnen jedenfalls viele „Aha“-Erlebnisse mit unserer neuen Ausgabe!


Steffen Meier