Ein paar Worte zum Geleit
Become smarter in just 5 minutes!
Wer möchte das nicht – schlauer werden in 5 Minuten. Schnell, auf den Punkt, ohne Zeitverluste: Das ist das Konzept der Medienangebote der Briefing Companys, die vor einigen Jahren in den USA stark wuchsen, und inzwischen sind auch hierzulande viele Medienunternehmen und Verlage in diesem Fahrwasser unterwegs und testen Contentformate und Angebote. Besonders interessant erscheint dabei der B2B-Bereich, indem man sich auf Institutionen konzentriert, die eher bereit sind zu zahlen als Einzelpersonen. Und auch nicht so preissensibel – am Ende zahlt es ja die Firma ...
Der Tagesspiegel hat diesen Trend frühzeitig erkannt und setzt seit 2017 mit seinen „Backgrounds“ auf Synergien zwischen seiner Fach- und Zeitungsredaktion, um Entscheider aus der Politik gezielt anzusprechen. Diese Integration ermöglicht es, tiefgehende Fachinformationen effizient zu verarbeiten und bereitzustellen, was sowohl Zeit spart als auch die inhaltliche Qualität sichert.
Gabor Steingart, ehemaliger Leiter des Spiegel-Hauptstadtbüros startete bereits 2011 – damals noch beim „Handelsblatt“ – mit dem Morning Briefing eines der ersten Polit-Newsletter-Formate. Sieben Jahre später gründete er das Unternehmen Media Pionier, das durch das Medienschiff „ThePioneer One“ schnell einen hohen Bekanntheitsgrad erlangte.
Sebastian Turner, ehemaliger Herausgeber des Tagesspiegels, hat sich mit der Gründung von Table Media, jetzt bekannt als Table.Briefings, selbstständig gemacht. Das Credo: „For better-informed decisions. Sie können besser entscheiden, weil Sie besser informiert sind – das ist das Ziel von Table.Briefings. Wir möchten Ihnen mit jeder Analyse und mit jedem Hintergrundstück einen Informationsvorsprung, am besten sogar einen Wettbewerbsvorteil verschaffen. Table.Briefings bietet ‚Deep Journalism‘, wir verbinden den Qualitätsanspruch von Leitmedien mit der Tiefenschärfe von Fachinformationen.“
Politico, ein Vorreiter aus den USA, hat nach seiner Übernahme durch Axel Springer im Jahr 2021 seine Präsenz in Europa verstärkt. Mit Ablegern in Großbritannien, Frankreich und zuletzt Deutschland nutzt Politico sein internationales Netzwerk, um sich von lokalen Anbietern abzuheben und globale Perspektiven in seine Briefings einzubinden.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) verfolgt mit dem Label Pro einen Publikumsansatz und richtet sich an Fachleute aus der Digitalwirtschaft. Das Besondere an FAZ Pro ist, dass es in das digitale Abonnementmodell FAZ+ integriert ist, was den Lesern einen nahtlosen Zugriff auf eine breite Palette von Inhalten ermöglicht.
Der Süddeutsche Verlag hat eine eigene Einheit rund um den ehemaligen Politico-Journalisten Florian Eder gegründet, um das SZ Dossier zu etablieren. Dieses steht in direkter Konkurrenz zu anderen großen Namen wie Politico und FAZ, wobei es sich besonders auf Themen wie die Digitalwende und Nachhaltigkeit konzentriert.
„Become smarter in just 5 minutes!“ ist übrigens der Claim von Morning Brew, ein täglicher Newsletter mit Wirtschaftsnachrichten von der Wall Street bis zum Silicon Valley: „Morning Brew informs, educates, and empowers the leaders and decision makers of today and tomorrow on the business world, money, and their career.“ Und lange Zeit wurde Morning Brew auch als Synonym und Vorbild für viele Briefing Companys gesehen, allein schon aufgrund des ungemein schnellen Wachstums und der einfachen Skalierung des Geschäftsmodells. Oft reichen wenige Fachleute und Experten für den Content, die Vertriebskanäle sind meist rein digital (Mornig Brew wurde nicht grundlos auch immer als „newsletter-first media company“ bezeichnet).
Alter Wein in neuen Schläuchen? Teilweise mit Sicherheit. Aber gerade die Skaleneffekte und eine meist rein digitale Ausrichtung mit der klaren Zielsetzung, den Lesern eines der wichtigsten Güter überhaupt zu sparen, nämlich Zeit – all dies macht den Bereich der Briefing Companys gerade extrem spannend.
Steffen Meier
DIGITAL PUBLISHING REPORT