#5/ 2021
17/20

KI-Bücher sollen in Serie gehen

Springer Nature publiziert zweites maschinengeneriertes Buch und kündigt KI-basiertes Buchprogramm an.

„Der neue, kombinierte Ansatz einer Mensch-Maschine-Interaktion ermöglicht es, wissenschaftliche Komplexität und Interdisziplinarität völlig neu abzubilden“, freut sich Stephanie Preuss, Senior Manager Product and Content Solutions, Book Publishing Solutions bei Springer Nature. Anfang Mai ist jetzt bei ihrem Haus das zweite Fachbuch erschienen, das mithilfe von Künstlicher Intelligenz realisiert wurde. Mit dem Titel „Climate, Planetary and Evolutionary Sciences: A Machine-Generated Literature Overview“ will der Verlag einen weiteren innovativen Meilenstein bei der Veröffentlichung von Büchern markieren, heißt es in der parallel veröffentlichten Pressemeldung. 

Es ist bereits die zweite Buchpublikation, bei der Künstliche Intelligenz zum Einsatz kommt: Ende 2019 brachte Springer Nature einen vollständig maschinengenerierten Titel über Lithium-Ionen-Batterien heraus. Er gab einen Überblick des aktuellen Forschungsstands bei Akkus. „Mit diesem Buch konnten wir sowohl in der breiten Öffentlichkeit wie auch in den wissenschaftlichen Communities eine Debatte anstoßen, die einen wichtigen Beitrag über Chancen, Auswirkungen, Herausforderungen und Risiken maschinengenerierter Inhalte geleistet hat“, bilanziert Preuss.

Der Prototyp ist seit seiner Veröffentlichung kostenlos als eBook auf der Plattform SpringerLink verfügbar und habe bislang mehr als 400.000 (Chapter-)Downloads sowie über 450 Erwähnungen (Mentions) verzeichnen können. „Insofern sind wir mit der Nutzung und der daraus resultierenden Debatte und den Anregungen für weitere Entwicklungen sehr zufrieden.“

Im Gegensatz zum vollständig maschinengenerierten ersten Titel basiert das neue Format auf einem hybriden Ansatz: Ein Teil des Textes wurde vom Autor geschrieben, während die Literaturübersichten von einer Maschine generiert werden. Grundlage für diese Inhalte bilden eine Vielzahl von Zeitschriftenartikeln, die bei Springer Nature erschienen sind. „Dieser hybride Mensch-Maschine-Ansatz findet sich in den einzelnen Buchkapiteln wieder und liefert – neben dem wissenschaftlichen Literaturüberblick – eine wissenschaftliche Einschätzung“, verrät die Pressemeldung.

Die Arbeit kann man sich so vorstellen: Bei der Manuskripterstellung erarbeitete Autor Guido Visconti zunächst eine Reihe von Fragen und Schlagwörter, die sich auf verschiedene Aspekte der Klimaforschung beziehen. Dazu wurden dann von einer Software mithilfe von KI-Clustering relevante Publikationen ermittelt, abgefragt, zusammengestellt und strukturiert. Die Ergebnisse stellte Visconti dann jeweils in einen wissenschaftlichen Kontext. 

„Durch die neue Vorgehensweise bin ich auf interessante Aspekte gestoßen, die ich zunächst gar nicht in Betracht gezogen hatte und so konnte ich mir unbekannte Zitate und Referenzen berücksichtigen. Die KI war in der Lage, spannende Zusammenhänge aufzudecken“, sagt Autor Visconti. Dieser Prozess könne grundsätzlich auf jeden wissenschaftlichen Bereich angewandt werden, so der Autor: „So könnten Zusammenfassungen produziert werden, die sowohl für die professionelle als auch für die akademische Arbeit oder für Studenten, die zum ersten Mal mit der Forschungsliteratur konfrontiert werden oder Promotionsziele verfolgen, sehr nützlich sind“, erklärt Visconti.

Durch den kombinierten Ansatz der Mensch-Maschine-Interaktion könne die Komplexität und Interdisziplinarität im Bereich der Klima-, Planeten- und Evolutionswissenschaften völlig neu abgebildet werden, ergänzt Preuss. Deshalb sehe Springer Nature in diesem Verfahren nicht nur ein neues Buchformat, es will seinen Autoren*innen das KI-Werkzeug künftig bei der Erarbeitung ihrer Buchveröffentlichungen zur Verfügung stellen: „Die Autoren arbeiten auf einer eigens für die Zusammenarbeit mit der Maschine entwickelten Plattform“, sagt Stephanie Preuss. Dort könne ein definiertes Set an Publikationen mithilfe von KI-Clustering ermittelt, abgefragt, zusammengestellt und strukturiert werden. Entwickelt wurde das Tool gemeinsam mit dem Partner-Unternehmen Digital Science. „Wir hoffen damit die Prozesse für den Wissenstransfer zwischen Forschung und wissenschaftlichen Publikationen zu beschleunigen und effizienter zu machen“, meint Stephanie Preuss. 

 

 Die KI-basierte Publikationen von Springer Nature

Lithium-Ion-Batteries – A Machine-Generated Summary of Current Research 

  • Verfahren: komplett Software-generiert
  • Format: E-Book
  • Erscheinungstermin: November 2019
  • Preis: kostenlos
  • Downloads: 400.000

Climate, Planetary and Evolutionary Sciences: A Machine-Generated Literature Overview

  • Verfahren: Hybrid mit Autor
  • Autor: Guido Visconti
  • Format: E-Book
  • Erscheinungstermin: Mai 2021
  • Preis: kostenlos

 

Olaf Deininger, Wirtschaftsjournalist, Autor, Gründer und Digitalexperte