#5/ 2021
11/20

Digitale Zweitverwertung von Print-Inhalten

Damit die Zweitverwertung von Inhalten eine Erfolgsgeschichte wird, muss die Qualität des Ergebnisses zu 100 Prozent überzeugen

Im April fand eine Blitzumfrage zum Thema „Digitale Zweitverwertung von Inhalten“ des DIGITAL PUBLISHING REPORT und Xpublisher statt, die in der Medienbranche auf reges Interesse stieß und kontroverse Diskussionen auslöste. Fakt ist, vorsichtig ausgedrückt und je nach Verlagsart: hier ist noch viel Luft nach oben. Wie man das Thema richtig angeht, berichtet hier Matthias Kraus, Gründer und Geschäftsführer von Xpublisher, in einem Interview.

Fast 100% der Fachmedienverlage haben noch Schwierigkeiten mit der digitalen Zweitverwertung von Print-Inhalten, dagegen „nur“ ein Viertel der Publikumsbuchverlage. Wie erklären Sie sich das?

Kraus: Publikumsverlage haben in der Regel eine viel breitere Leserschaft. Für diese will bzw. muss man natürlich die Inhalte bestmöglich anbieten, unabhängig vom Medium. Man hat sich also viel früher mit dem Thema beschäftigt. Auch Fachverlage veröffentlichen ab und an einen Bestseller, das Zielpublikum sind in der Regel jedoch Fachleser. Eine Zweitverwertung hatte hier lange Zeit eine ungeordnete Rolle gespielt. Aber das verändert sich gerade rapide und dieser Weg kann nur mit dafür ausgelegten Lösungen erfolgreich begangen werden 

Eigentlich auch eine sehr spannende Aussage: keines der befragten Medienunternehmen setzt noch ausschließlich nur auf Print. Sind die Verlage in der Digitalisierung angekommen, hat sich die Wichtigkeit des Themas durchgesetzt?

Kraus: Medienunternehmen verstehen die Wichtigkeit der Digitalisierung, aber Digitalisierung beginnt nicht beim Ergebnis. Digitalisierung beginnt viel früher und begleitet den kompletten Prozess, von der Erstellung über die Verwaltung bis hin zur Publikation der Inhalte. Und auch hier wird sich grundlegend was verändert. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist das führende Tool in der Manuskripterstellung Word. Dateibasierte Ablagen sind ein Paradigma der Vergangenheit. Die Erstellung und Weiterverarbeitung von Inhalten werden sich grundlegend verändern. Semantisch strukturierte Online-Dokumente werden dominieren. Dadurch werden die Dokumente lebendig, sie bekommen einen Puls.

Was würden Sie den Verlagen empfehlen – und das sind ja doch noch sehr viele – die angegeben haben, mit der digitalen Zweitverwertung Schwierigkeiten zu haben?

Kraus: Damit die Zweitverwertung von Inhalten eine Erfolgsgeschichte wird, muss die Qualität des Ergebnisses zu 100 Prozent überzeugen. Der eigentliche Value liegt in den Inhalten und in dessen Weiterverarbeitung. Das gelingt nur mit Automatisierung. Während vor einigen Jahren noch Print-First dominiert hat, verlagert sich dieser Ansatz mit rasanter Geschwindigkeit und mehr und mehr zu Content-First. Bei einem Content-First-Ansatz liegt der Fokus auf den Inhalten. Man strukturiert sie, gibt ihnen Semantik mit auf die Reise und auf dieser Basis lassen sie sich automatisch weiterverarbeiten. Damit einher geht häufig ein Umdenken und ein Change-Prozess. Damit dieser gelingt unterstützen wir bei Xpublisher unsere Kunden über den kompletten Projektzyklus mit viel Expertise.

Hand aufs Herz: digitale Zweitverwertung von Print – war es das mit dem Thema Digitalisierung? Wo sehen Sie gerade Trends und Entwicklungen?

Kraus: Ich sehe weniger das Ergebnis als den Erfolg der Digitalisierung, viel mehr den Weg dorthin. Wie effizient gelingt Digitalisierung, mit welchem Aufwand und mit welcher Qualität? Mit Xpublisher haben wir uns genau dieser Frage seit nun über 10 Jahren dem Thema verschrieben und eine topmoderne Lösung geschaffen, die Verlagshäuser auf diesem Weg begleitet. Mit einem Content-First-Ansatz schaffen wir dabei die so wichtige Basis. Nicht nur, damit wir Inhalte auf verschiedenen Kanälen, ob Digital oder Print optimal darstellen können, nein, uns geht es uns das Potenzial der Informationen und dessen Vernetzung bzw. Ontologien. Stichwort: Wenn Sie wüssten, was Sie alles wissen!







Der Autor

Matthias Kraus ist Gründer und Geschäftsführer der Xpublisher GmbH. Seit 2001 berät er zahlreiche führende internationale Unternehmen und Organisationen aus Verlagswesen, Luft- und Raumfahrt, Technologie, Bildung, Öffentliche Verwaltung und vielen weiteren Branchen im Bereich des Multichannel-Publishings und begleitet sie auf dem Weg in die Digitalisierung.