#5/ 2020
10/11

Per Podcast zum Traumjob

Jobcasts im Personalmarketing

Podcast statt Stellenanzeige: Seit Dezember ist das Jobcast-Portal Ohrbeit am Start und will die langweiligen, unpersönlichen Stellenanzeigen abschaffen, die auch nicht mehr in ein von sozialen Medien kommunikativ verändertes Berufsleben passen. Deswegen geben Unternehmen bei Ohrbeit in einem Jobcast per Podcast Auskunft über Jobinhalte, Gehalt, Arbeitszeiten, Homeoffice-Möglichkeiten und Urlaubsumfang - und geben einem Unternehmen auf einmal ganz andere Möglichkeiten, sich zu präsentieren. Wir befragten Alexander Grossmann, Gründer des Start-ups, zum Recruiting 4.0 per Podcast.

Podcasts boomen – darüber müssen wir aktuell wohl kaum reden. Podcasts und Recruiting – das ist aber eine echte Ausnahme. Wie kam es zu der Idee?

Wir sind schon länger im externen Recruiting tätig und waren auf der Suche nach einer Möglichkeit, eine bessere Augenhöhe zwischen Unternehmen und Bewerberinnen herzustellen. Nach einigen Design Thinking Runden kamen wir dann – weil wir alle im Team selbst gerne Podcasts hören – eben genau auf dieses Medium. Mit der Vorgabe, dass Führungskräfte und Leute aus dem Fachbereich dabei sein müssen und außerdem Orientierungen zu Gehältern, Reiseanteil und Home Office Möglichkeiten verpflichtend genannt werden. Und man merkt: Als Bewerberin oder Bewerber kann man sich ein viel besseres Bild von einer Abteilung und der gesuchten Rolle machen, wenn genau die Personen darüber erzählen, die diese Rolle ausfüllen. Und Unternehmen präsentieren sich – im Regelfall – auch besser, als das auf Papier in einer langweiligen, von Floskeln nur so triefenden Stellenanzeige möglich ist.

Wie kann ich mir das konkret vorstellen – einmal als Bewerber, einmal als Anbieter?

Als Bewerberin oder Bewerber empfehle ich dir, unsere Podcast-Kanäle – zum Beispiel über Spotify, Apple Podcasts – oder unseren RSS Podcast Feed – zum Beispiel über podcaster.de – zu abonnieren, damit du mitbekommst, wenn dein perfekter Job(-cast) veröffentlicht wird und du dich direkt bewerben kannst. Wir verpflichten übrigens die Unternehmen zu einem Feedback innerhalb von 8 Tagen. Nur so lange haben die Firmen Zugriff auf dein Profil, das von uns anonymisiert wird – denn wir wollen Chancengleichheit für alle. Es muss egal sein, wie alt du bist, wo du herkommst, und wie du aussiehst.

Die Unternehmen unterstützen wir komplett mit professioneller Infrastruktur und Fragebögen, damit eine technisch und hoffentlich auch inhaltlich qualitativ hochwertige Aufnahme gelingt. Dauert im Prinzip nur um die 45 Minuten für die Firmen inklusive Vorbereitung! Das ganze Drumherum wie Mastering, Mixing, Veröffentlichung übernehmen wir. Die Unternehmen können den Jobcast auch auf der eigenen Website zur Stellenanzeige einbinden und somit einen entscheidenen Mehrwert für potenzielle Bewerberinnen liefern. 

Podcast statt Stellenanzeige ist ja nicht nur ein neuer Kanal, er muss auch anders bespielt werden – und sicher spielt das Thema Employer Branding mit hinein. Wer ist denn für so etwas in den Unternehmen am besten geeignet? Den Chef/die Chefin sprechen lassen, die Fachabteilung oder dann doch wieder die Personalabteilung?

Es muss ja – wie erwähnt – die direkte Führungskraft aus der Fachabteilung dabei sein, beziehungsweise bei beispielsweise holokratischen Strukturen ein fachliches Teammitglied mit einer ähnlichen Rolle. Es geht um Authentizität und Glaubwürdigkeit, dass du als Bewerber fachlich mit deiner Rolle abgeholt wirst. Das können nur die, die auch genau diesen Job machen. Klar spielt Personalmarketing da eine große Rolle, denn unsere Jobcasts sind ja auf Spotify und Co. dauerhaft verfügbar, werden also regelmäßig und auch in zukünftigen Zeiten gefunden und gehört werden. Uns ist aber vor allem wichtig, dass ehrlich und konkret beschrieben wird. Ohne Phrasen, ohne Marketing-Blabla. Das will heutzutage keiner mehr.

Bei den JobCasts wird auch die Gehaltshöhe angegeben – in Österreich zum Beispiel Pflicht, hierzulande eher verpönt. Oder?

Ja, da bekommen wir am meisten Contra. Aber es sprechen einfach zu viele Gründe dafür: 1. Knapp 98 Prozent der Bewerberinnen und Bewerber wünschen sich eine Orientierung zum Gehalt. Es ist erwiesen, dass Gehaltsangaben die Bewerberanzahl um mindestens 20 Prozent steigen lässt. 2. Firmen, die das machen, fallen einfach auf. Ist also auch eine wichtige Employer Branding Maßnahme, denn: Als transparentes Unternehmen wahrgenommen werden – was gibt es Besseres in der heutigen Zeit? 3. Es wird so von Beginn an eine Augenhöhe erreicht, und das Pokern ums Gehalt ist nicht mehr so hart. Gegebenes Vertrauen schafft Nähe und Bindung, und zwar von Anfang an.

Der Bereich der Stellenanzeige scheint heute in größeren Unternehmen ein starrer, sehr formalisierter Prozess zu sein: Job Description abfragen in der Fachabteilung, etwas „Wir sind ein tolles Unternehmen“-Glitter dazu und ab in die ein, zwei relevanten Stellenbörsen. Hier ist Ihr Ansatz sehr viel individueller. Sehen Sie hier zukünftig ein Nebeneinander oder werden sich diese Standardprozesse zukünftig auch verändern müssen?

Diese Standardprozessen mit Schablonen, die wie bei einer Job-Satire hin und her geschoben werden, müssen sich natürlich grundsätzlich ändern. Unternehmen sollten sich zum Beispiel fragen, was eine Bewerberin oder ein Bewerber wirklich von Tag 1 können muss und was erlernt werden kann. Man muss weg vom dem starren „Wir sind, wir suchen, wir bieten“. Ein Nebeneinander zwischen Stellenanzeige und Jobcast kann grundsätzlich schon funktionieren. Die Anzeige liefert die allgemeine Info, dass hier ein Job zu besetzen ist, und der Jobcast ist der wichtige, entscheidende Zusatz, ob sich jemand wirklich bewirbt oder nicht.

Wie sieht denn Ihr Monetarisierungsmodell aus? Generell hat man in der Podcast-Szene mit dem Geld verdienen ja ziemliche Probleme. 

Die Unternehmen bezahlen für die Jobcast-Aufnahme. Wie bei einer klassischen Stellenanzeige. Nur, dass unsere Dienstleistung nicht mit der Schaltung endet. Wir liefern ja eh von Beginn an die Infrastruktur, das Mixing, Mastering, die Transkription und spielen das Ganze auf die diversen Podcast-Kanäle ein. Und danach bieten wir noch weitere Dienstleistungen an – wie zum Beispiel passgenaue ausgespielte Job-Kampagnen. Der Jobcast ist übrigens auch ein super Zusatz für das eigene active sourcing. Betreibt man die aktive Direktansprache allerdings eher rudimentär, übernehmen wir das mit unserer langjährigen Recruiting-Erfahrung natürlich auch gern.

Alex Grossmann ist 2009 als Quereinsteiger in die Personalberatungsbranche reingerutscht und gründete 2012 die Fair Recruitment GmbH. Eigentlich wollte er Journalist werden, das hat aber nicht funktioniert. Unter anderem hatte er in jungen Jahren in aller Naivität versucht mit dem Crowdfunding Projekt „Der Blogger“ eine Printausgabe unabhängiger deutscher Blogger auf den Markt zu bringen. Sein Sendungsbewusstsein läßt er nun mit der HR-Innovation „OHRBEIT - Podcasts für deine Karriere" neu aufleben. Es geht darin um Beruf & Berufung, authentische & transparente Unternehmen, die Unterstützung Jobsuchender und vor allem um den Schutz deiner Bewerberdaten sowie 'Chancengleichheit für alle'.

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