#5/ 2020
7/11

Marke: Ohne Audio-Branding keine Zukunft

Vielleicht bemerken Sie die Veränderung an sich selbst oder in ihrem Umfeld: Immer häufiger werden Kurznachrichten bei WhatsApp nicht mehr getippt, sondern gesprochen. Sie nutzen die Voice-Search-Funktion Ihres Smartphones, um nach einem Geschäft oder Restaurant zu suchen. Vielleicht haben Sie aber auch einen Smart Speaker im Wohnzimmer oder ein anderes Haushaltsgerät, mit dem Sie sprachlich interagieren. Fahren Sie gar ein Auto, welches bereits mit dieser Technik ausgestattet ist?  

Das sind nur ein paar Beispiele, die aufzeigen, wie Sprache immer stärker in den Mittelpunkt unseres täglichen, digitalen Lebens rückt. Und das gilt nicht nur für das private Umfeld. Die Art und Weise, wie wir mit Marken, Produkten und Unternehmen interagieren und diese wahrnehmen, ist hiervon natürlich gleichfalls betroffen – Tendenz stark steigend. 

Der Grund für diese rasche Zunahme ist schnell erklärt: Sprache und Audio sind die ureigenen und natürlichsten Kommunikationsformen des Menschen. Seit Anbeginn unserer Zeit! Darüber hinaus spricht der Mensch bis zu viermal schneller, als dass er tippt. Die digitalen Möglichkeiten (z. B. Bluetooth-Kopfhörer) sorgen für den Rest: Wir erleben einen Trend weg vom Display hin zu „hands free“. Technisch ist das alles kein Problem mehr. Der Niedergang des Displays ist bereits in vollem Gange.

„Wenn Sie nicht gehört werden, finden Sie zukünftig nicht statt“

Zugegeben: Noch sind Audio und Voice für die meisten Unternehmen nicht kriegsentscheidend. ABER: Voice und Audio sind keine flüchtigen Trends. Sie sind gekommen, um zu bleiben! Die Zukunft wird deutlich stärker auditiv und Voice getrieben sein, als wir heute noch annehmen. Ein Fehler wäre es daher, den noch jungen Audio/Voice-Bereich mit einem bereits seit Jahren bestehenden, etablierten Ökosystem zu vergleichen. Es geht darum, Audio und Voice nicht zu verschlafen und erste Schritte zu wagen. Wenn Sie zukünftig nämlich nicht gehört werden, finden Sie nicht statt. Glauben Sie nicht? Werfen wir einen Blick auf die jüngeren Zielgruppen, beispielsweise die berühmte „Generation Kopfhörer“. Diese und alle nachkommenden Generationen wachsen vollkommen selbstverständlich mit Audio und Voice an den unterschiedlichsten digitalen Touchpoints auf. Für Unternehmen und Marken bedeutet dies: Sie müssen entscheiden, wie sie auditiv stattfinden möchten! Audio und Voice gehören daher zwingend zur strategischen Markenführung eines Unternehmens. Als Unternehmen, als Produkt, als Marke müssen Sie überall dort vertreten sein, wo der Kunde, wo die Zielgruppe ist. Es gilt zu klären, wie sich Ihre Marke oder Ihr Produkt an den unterschiedlichsten auditiven Touchpoints anhört bzw. anhören soll. Zum Beispiel in Ihrer App, in einem Podcast, auf dem Smart Speaker, im Auto, in der Werbung, am POS. Aber auch WIE Sie klingen möchten oder müssen, erfordert eine Definition. Du oder Sie? Reife oder junge Stimme? Flippig oder seniorig? Mann oder Frau? Apropos Werbung: Wussten Sie, dass die meisten TV-Spots eigentlich Radiospots mit Bild sind? Das Stichwort lautet Second Screen – also die parallele Nutzung von Smartphone und Co. Sie merken: Audio ist bereits voll da!

„Ohne Audio-Branding keine Zukunft“

Der auf allen Kanälen konsistent hörbare Markenauftritt, die akustische Basis einer Marke oder eines Unternehmens – das Audio-Branding – wird zukünftig also immer wichtiger. Insbesondere, wenn die Kommunikation individueller, interaktiver, schneller und zunehmend auf das Hören gerichtet ist.

Was kann Audio Branding?

Sound und Audio können zweifelsohne eine Marke stärken. Das Hörzentrum des Menschen ist direkt mit der Hirnregion verbunden, welche für Belohnungen zuständig ist. Und: Sound und Audio wirken schneller als andere Maßnahmen. Insbesondere im Unterbewusstsein. Also genau dort, wo Marken wirken wollen und müssen. Besonders bei der Markenbildung. Aus diesem Grund ist eine akustische Markenführung im Jahr 2020 kein „nice to have“, sondern ein „must have“. Doch keine Panik: Sie müssen nicht gleich in Millionen Budgets denken. Die Kosten bewegen sich häufig in einem ähnlichen Rahmen, wie andere Marketingaktivitäten. Natürlich immer abhängig vom Umfang, den Sie wünschen.

Audio-Branding ist allerdings ein nie abgeschlossener Kreislauf. So wie sich unser individueller Musikgeschmack verändert, so verändert sich natürlich auch der Geschmack der Zielgruppe fortwährend. Entsprechend muss nach einiger Zeit eine „Aufbereitung“ des auditiven Auftritts vorgenommen werden. Bleiben Sie stets am Ball – oder besser gesagt: mit dem Ohr am Puls der Zeit! 

In diesem Sinne: „Wir hören uns!“


Audio Branding Society

Wer Agenturen zum Thema Audio Brand sucht, wird bei der Audio Branding Society fündig: „The Audio Branding Society is an exclusive business club solely for accredited audio branding agen- cies. This first and only interna- tional industry forum of its kind, it enables a helpful exchange between competitors as well as the development of a cooperative self-organisation.“


Stephan Schreyer berät Unternehmen rund um Fragen der strategischen & digitalen Kommunikation. Dabei liegt sein Fokus besonders auf dem Thema Corporate-Audio. Alle 14 Tage erscheint seine #Audio Kolumne in der „W&V“, Deutschlands führendem Magazin für Marketing, Werbung und Medien. Seine Expertise vermittelt er zudem als Dozent, Keynote-Speaker und Autor. www.stephanschreyer.deFoto Copyright: @W&V/Martin Kroll