#5/ 2019
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gemeinsam erfolgreich: projekt- und qualitätsmanagement

Ein Unternehmen ist ein dynamischer Organismus, die einzelnen Fachbereiche leben von- und miteinander. Aus dieser Sicht ergibt sich: Eine erfolgreiche ganzheitliche Unternehmensstrategie muss die Schnittpunkte der einzelnen Management-Disziplinen genau kennen. Eine zentrale Schnittstelle bilden das Projekt- und das Qualitätsmanagement. Richtig ein- und umgesetzt sind sie ein Erfolgsfaktor.

Grundsätzlich gibt es drei Unternehmensebenen: die normative Ebene, die strategische Ebene und die operative Ebene. Im Hinblick auf die Interaktion von Qualitäts- und Projektmanagement ist die operative Ebene relevant. Auf dieser operativen Ebene muss es Unternehmensprozesse geben, die sicherstellen, dass die eingeführte Unternehmensstrategie auch nachhaltig verankert ist. Die Grundlage zur Umsetzung dieser Unternehmensprozesse ist die ISO 9001.

Prozessorientierter Ansatz

Der prozessorientierte Ansatz der ISO 9001 beinhaltet unter anderem das Projekt- und Produktcontrolling. Dadurch bildet dieser bzw. das Projektcontrolling die Klammer zwischen Projekt- und Qualitätsmanagement. Das Projektcontrolling basiert auf der DIN 69901 und soll die Projektziele durch folgende Instrumente sicherstellen:

  • Soll-/Ist-Vergleiche
  • Feststellung der Abweichung
  • Bewertung der Konsequenzen
  • Vorschlagen der Korrekturmaßnahmen
  • Mitwirkung an der Maßnahmenplanung und der Kontrolle der Durchführung

Projektmanager als Schnittstelle

Die genannten Instrumente beschreiben gleichzeitig die Aufgaben des Projektmanagers. Demnach kontrolliert er, ob die notwendigen Maßnahmen und Instrumentarien für eine strukturierte Projektabwicklung auch angewendet werden. Genau an diesem Punkt treffen sich Projekt- und Qualitätsmanagement.

Denn der Projektmanager ist verantwortlich, dass die Qualitätssicherungs-Vorgaben aus dem Bereich des operativen Qualitätsmanagements eingehalten werden und dauerhaft sichergestellt sind. Große Unternehmen führen für diese Aufgabe, angelehnt an die Projektphasen, sogenannte Quality Gates (Q-Gates) durch. Das Quality-Gate-Konzept erweitert das bestehende Qualitätsmanagement und Controlling im Unternehmen.

Quality Gates als Qualitätslotsen

Die Q-Gates sind Prüfungs-Schranken, die sich erst öffnen, wenn das zuvor festgelegte Ergebnis dieser Projektphase perfekt ist und die inhaltliche Qualität der Leistungen stimmt. So sind Fehlerquellen der anschließenden Projektphase reduziert. Mithilfe der Q-Gates verbessert sich die Transparenz über die gesamte Wertschöpfungskette. Es können die Qualitätskosten reduziert, die Nacharbeits- und Ausschussquote verringert und die Geschäftsprozesse robuster gestaltet werden.

Die Q-Gates bieten eine objektive Grundlage für Qualitätszirkel und fördern nachhaltig die Verbesserungsprozesse im Unternehmen. Je nach Branche und Unternehmen existieren unterschiedliche Vorgehensmodelle. Unternehmen in einem sehr dynamischen Umfeld überprüfen und halten die Mängel der nicht 100-prozentigen Qualität und Leistung fest, starten aber dennoch parallel die Folgeprojektphase. Andere wiederum weisen vor allem bei Großprojekten sofort einen Projektstopp an, sofern die Q-Gates nicht korrekt durchlaufen wurden

Qualitätsmanagement auf Projektebene

Qualitätsmanagement in Projekten stellt mithilfe von standardisierten Prozessen und Methoden Qualitätsstandards bereit. Auf deren Basis kann das Qualitätsmanagement für Projekte gleicher Größe und gleichen Umfangs wiederkehrend abgewickelt werden. Dadurch sind die Ergebnisse aber auch die Probleme vergleichbar.

Zudem implementiert das Qualitätsmanagement für alle Projektteilnehmer transparente Vorgaben, die den Projekterfolg sichern. Damit ist am Ende des Projektes eine hohe Produktqualität gewährleistet. Die Qualitätsstandards schaffen nachvollziehbare Grundlagen für interne Revisionskontrollen oder Audits. Das gelingt allerdings nur, wenn alle für das Produkt festgelegten Qualitätsstandards im Projekt- und Qualitätssicherungs-Handbuch stehen.

Erfolg durch Interaktion

Projektmanagement als permanenter Bestandteil des zentralen Qualitätsmanagements wird nur zum Erfolgsfaktor für das Unternehmen, wenn sich Projekt- und Qualitätsmanager kontinuierlich austauschen. Das Qualitätsmanagement und die Projektverantwortlichen müssen also ständig interagieren. Das zentrale Qualitätsmanagement definiert dabei die Qualitätsstandards, während die Projektverantwortlichen die Anwendung und Einhaltung der Qualitätsnormen und -standards garantieren müssen.

Demzufolge muss das Projektmanagement in das operative Qualitätsmanagement des Unternehmens einbezogen werden. Die sichergestellte Reproduzierbarkeit der Prozesse und Daten bietet die Grundlage für eine ständige Verbesserung und garantiert die Wettbewerbsfähigkeit. Ein Managementsystem gemäß den Normen ISO 9001 und ISO 9004 ist die Basis für den nachhaltigen Unternehmenserfolg.

Oliver Luser: Langjähriger Berater im Bereich BPM und QM (Zertifizierter Auditor und Zertifizierter Senior Projektmanager), Buchautor (eBook: Nachhaltigkeitsmanagement – Als Kernbestandteil der Unternehmensstrategie – ISBN 978-3-00-048662-3) und Gründer der Plattform „Nachhaltigkeits-Ideen-Fabrik“.