Steffen Meier
Ein paar Worte zum Geleit
In den letzten Jahren lässt sich bei journalistischen Medien eine Entwicklung nachvollziehen, die auch schon in anderen Medienformen wie TV und Audio zu massiven Verwerfungen geführt hat: die Digitalisierung des Contents. Damit ist jetzt natürlich kein neuer Trend postuliert, beileibe nicht. Aber die Frage, wie sich die Geschäftsmodelle und Erlösquellen von Medien zukünftig entwickeln werden, ist alles andere als abschließend geklärt. Und darum geht es ja am Ende des Tages: „Where’s the beef?“
Aktuell ist die 8. Studie des BDZV (Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger) und der Unternehmensberatung Schickler zu den wichtigsten Trends der Zeitungsbranche erschienen, dort finden sich zum Thema Digitalerlöse folgende Aussagen:
- Die Branchenvertreter erwarten, dass Digital-Produkte sukzessive einen größeren Anteil zum Unternehmensergebnis beitragen werden und dass im Jahr 2032 ein Großteil des Unternehmensergebnisses von Digital-Produkten kommen wird.
- Der Wechsel von Print-Produkten als stärkster Umsatztreiber hin zu Digital-Produkten wird voraussichtlich zwischen 2027 und 2032 geschehen.
- Bereits um das Jahr 2026 herum erwartet die Branche, dass Digitalerlöse die Rückgänge der Printerlöse kompensieren werden.
Prognosen sind zur Einschätzung zukünftiger Entwicklungen einerseits wichtig – andererseits haftet ihnen zu Recht das Starren in die berühmte Glaskugel an. Wenn wir die Jahreszahlen einmal beiseitelassen, sagt die Studie zwei Dinge: Erstens wird Digital wachsen (kein Widerspruch). Zweitens wird Digital die Print-Verluste, also die Erlöse, die durch den Nicht-Verkauf von Print-Produkten verloren gehen, ausgleichen. You’re kidding?
Fast gleichzeitig zur Trendstudie des BDZV hat der Online-Vermarkterkreis (OVK) im Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) einmal gefragt, wie es denn um die Zahlungsbereitschaft für digitale Inhalte aka Paid Content so steht. Die Kurzform: Paid Content trifft auf wenig Gegenliebe. Und nicht nur das. Die Wertschätzung für journalistische Inhalte scheint wenig ausgeprägt: „Nach den Gründen für die mangelnde Zahlungsbereitschaft gefragt, gibt fast die Hälfte der Nicht-Zahler an, dass ihnen das Angebot an kostenfreien Inhalten im Internet ausreicht.“ Wer die grausamen Wahrheiten einmal nachlesen möchte, kann hier die Studie im Original herunterladen.
Der Journalist Thomas Knüwer attestiert in seinem Artikel "Warum Paid Content Verlage (so) nicht retten wird" sogar: "Die Zahlungsbereitschaft für Nachrichtenprodukte war noch nie hoch genug, um Medienprodukte und ihre Herausgeber vollumfänglich zu refinanzieren." Und zieht ein ernüchterndes Fazit seiner Beobachtung der Paid Content-Bemühungen der Medienunternehmen: „Nachrichteninhalte erzeugen weniger Kaufbereitschaft also oft behauptet wird. Die Qualität der Nachrichteninhalte sinkt. Die Konkurrenz nimmt zu. Die Strukturen und Prozesse, um Paid Content umzusetzen, sind defizitär. Trotzdem steigt der Preis.“
Viele Faktoren spielen in den Medienmärkten der Zukunft eine Rolle: gesellschaftliche, technologische, wirtschaftliche. Und es ist noch lange nicht ausgemacht, dass Digitalisierung die Medienmärkte, wie wir sie heute kennen, erhalten wird. Ich würde sagen: ganz im Gegenteil.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre,
Steffen Meier
Herausgeber
DIGITAL PUBLISHING REPORT