#4/ 2021
8/18

Gemacht für eine Krise

Ideen für die Zukunft der Lokalnachrichten

Als Anfang des Jahres ein schreckliches Unwetter und Stromausfälle weite Teile von Texas heimsuchte, waren wir froh über die Lokalredaktionen in dem Bundesstaat. Denn sie lieferten den Menschen die Informationen, die sie zum Überleben in dieser Katastrophe benötigten. Das könnte grundsätzlich so sein. Auch ohne Unwetter und Stromausfälle. Denn Lokalnachrichten können mehr solche Informationen liefern, die den Menschen helfen, ihre täglichen Herausforderungen zu meistern. Doch leider ist diese Ausrichtung der Lokalnachrichten für viele Kommunen die Ausnahme, nicht die Regel.

 

Doch damit lokale Nachrichten eine Zukunft haben, müssen sie die Informationen liefern, die Menschen für ihr tägliches Leben brauchen – und nicht nur für neugierige Menschen oder für solche, die sich für Nachrichten interessieren. Ich möchte hier zeigen, wie Lokalnachrichten ein essenzieller Service werden können, indem sie sich primär um den lokalen Informationsbedarf kümmern.

 

Die Erfahrungen, die wir in fast fünf Jahren gesammelt haben, schränken nicht ein, was lokale Nachrichten sein können. Stattdessen bieten wir unsere Erfahrungen nur als Ausgangspunkt an, um mit lokalen Nachrichten- und Informationsdiensten einen größeren Nutzen zu schaffen.


Die Krise der Lokalnachrichten ist in unserem Land allgegenwärtig. Vor allem in dem „negativen Raum", den die schrumpfenden und aufgebenden Lokalzeitungen hinterlassen. Eine von fünf Lokalzeitungen hat in den letzten 15 Jahren geschlossen. So alarmierend diese Zahlen auch sind, bin ich davon überzeugt, dass diese Krise tiefgreifender ist, als die Branche sie wahrnimmt.

 

Die Kommunen verdienen ein anderes Modell für lokale Nachrichten. Diejenigen von uns, die in diesem Ökosystem arbeiten, müssen sich entscheiden, ob wir die Neugierde eines Elite-Publikums oder die Informationsbedürfnisse der breiten Öffentlichkeit bedienen wollen. Wir haben Outlier Media (https://outliermedia.org) in Detroit aufgebaut, um Letzteres zu tun. Dabei haben wir Dinge gelernt, von denen wir glauben, dass sie im gesamten lokalen Informations-Ökosystem angewendet werden können.

 

Alteingesessene Lokalmedien und auch viele neuere Nachrichtenorganisationen haben nicht ausreichend hinterfragt, ob die Menschen ihre Art des Journalismus mehr brauchen als Informationen, die für ihr tägliches Leben wichtig sind. Die Einkommensungleichheit lässt sich gut mit den Mustern des Informationskonsums vergleichen: Menschen mit weniger Geld haben meist auch weniger Zeit, denn sie müssen reale Herausforderungen des täglichen Lebens bewältigen. Der Zugang zu Informationen unterbricht dieses Muster nicht so sehr, wie er ihm folgt. Dies ist der sogenannte "Third-level digital divide".

 

Die Gruppe von Menschen, für die Journalismus wichtiger ist als Information, ist relativ klein. Wenn die Einkommensungleichheit wächst, wird diese Gruppe schrumpfen. Die Gruppe der Menschen, die bessere Informationen benötigen, um ihre Herausforderungen zu meistern und ihre Ziele zu erreichen, ist relativ groß und wird mit zunehmender Ungleichheit in der Gesellschaft noch weiter wachsen. Dennoch werden auch bei den Bemühungen, die lokalen Nachrichten zu stützen oder neu aufzubauen, oft Menschen und Gemeinschaften ignoriert oder marginalisiert, die schon davor von den Redaktionen, die wir jetzt verlieren, nie wirklich in Betracht gezogen wurden.

 

Eine gesunde Zivilgesellschaft hängt davon ab, dass sich der Journalismus anpasst, um in erster Linie den Informationsbedürfnissen zu dienen. Das war von Anfang an unser Schwerpunkt. Die Ereignisse der letzten Monate, unsere kollektive Erfahrung mit der Covid-19-Pandemie und die Präsidentschaftswahlen 2020, haben uns weiter verdeutlicht, dass große und allgegenwärtige Informationslücken für Einzelpersonen und Gemeinschaften gefährlich sind.

 

Die Einsätze

Als im vergangenen Monat ein seltener und heftiger Wintersturm Texas heimsuchte, lösten Gas- und Stromausfälle eine Krise aus. Millionen von Menschen, von denen viele es nicht gewohnt waren, mussten sich plötzlich selbst um die Lösung ihrer Grundbedürfnisse kümmern: eine warme Unterkunft, sauberes Wasser und Nahrung.

 

Die Notlage wurde durch einen Mangel an Informationen noch verschlimmert: Ohne Strom konnten die Menschen nicht einfach ihre Fernseher oder Radios einschalten. Internetausfälle waren weit verbreitet. Ohne einen zuverlässigen Weg, Informationen zu erhalten, konnten die Menschen keine Ressourcen wie eine Wärmestation oder Selbsthilfe-Gruppen mit zusätzlichen Decken ausfindig machen. Die Menschen konnten nicht in Erfahrung bringen, wie lange die Stromausfälle dauern würden. Ähnlich wie das Stromnetz waren auch die lokalen Medien nicht dafür ausgelegt, so viele Bedürfnisse gleichzeitig zu erfüllen.

 

Die Texas Tribune (https://www.texastribune.org) wird oft als bestes Beispiel für staatliche und lokale Nachrichten angeführt. Doch ihr ausschließliches Online-Format führte dazu, dass ein erheblicher Teil ihrer Leserschaft während der Stromausfälle keinen Zugang zu den Informationen hatte. Innerhalb von 24 Stunden führte die Tribune zusammen mit dem Austin American Statesman (https://eu.statesman.com) ein textnachrichtenbasiertes Nachrichtenprodukt für Mobiltelefone ein, um die Menschen besser mit den benötigten Informationen zu versorgen. Mit den Nachrichten wurden auch Informationen zur Bewältigung der Krise geliefert sowie auf öffentliche Ressourcen hingewiesen. Leser-Fragen wurden in eine öffentliche Warteschlange gestellt, damit die Reporter diese recherchieren und beantworten konnten. 

 

Die Innovation bei dieser Reaktion war nicht der Einsatz einer anderen Technologie. Es gibt fast nichts, was weniger aktuell ist als die SMS-Technologie, die seit ihrem ersten Auftauchen in den frühen 1990er-Jahren fast immer gleich geblieben ist. Bemerkenswert ist, wie universell und allgemein zugänglich diese Technologie ist und wie serviceorientiert sie sein kann.

 

Dieser Schritt steht im Gegensatz zu einem Trend bei den Lokalnachrichten, insbesondere bei den Digital-First-Ausgaben, die sich immer weniger darauf konzentrieren, wirklich eine breite Öffentlichkeit zu bedienen. Menschen, die sich auf eine Technologie wie SMS verlassen oder diese bevorzugen, werden als Nachrichtenpublikum besonders unterbewertet, weil diese Vorliebe ein Hinweis darauf sein kann, dass Ressourcen wie Zeit und Geld oft knapp sind, nicht nur bei einem schweren Wetterereignis.

 

Das Streben nach wirtschaftlicher Nachhaltigkeit bei Lokalnachrichten liefert einen Grund für die Abkehr von der Bereitstellung von Mehrwert für ein breiteres Publikum. Es hat viele lokale Nachrichtenorganisationen dazu gebracht, sich auf den Aufbau einer treuen Gruppe von zuverlässigen Abonnenten oder Mitgliedern zu fixieren, statt auf eine breite Unterstützung. Es ist eine Wiederholung der Fehler aus der Werbe-Ära, ohne dass die Werbebudgets den Fehler rechtfertigen. Diese Strategie funktioniert nicht. 

 

Nachrichtenwüsten gibt es überall, und die Pandemie hat weitere 40.000 Medienschaffende aus ihren Jobs gedrängt oder in eine Beurlaubung oder zu einer Gehaltskürzung gezwungen. Lokale Nachrichten müssen für die gegenwärtige Krise in fast jeder Kommune angeboten werden, damit mehr Menschen die Informationen bekommen, die sie brauchen oder denen sie vertrauen.


Eine Chance zur Wertschöpfung auf dem Weg dorthin

Lokale Nachrichten werden von anderen Akteuren im Informationsökosystem an den Rand gedrängt, insbesondere von nationalen Medien und den sozialen Medien. Soziale Medien und nationale Medien scheinen die besseren Unternehmen. Doch das liegt zum Teil daran, dass sie nicht als essenzielle Dienste aufgebaut sind. Wie sonst könnten Informationen so reichlich vorhanden sein, während eine so signifikante Anzahl von Amerikanern sagt, dass sie nicht über die Informationen oder Ressourcen verfügen, die sie benötigen?

 

Lokale Nachrichten können ein essenzieller Dienst sein, auch wenn sie vielleicht kein so profitables Geschäft sind. Wenn sie so aufgebaut sind, dass sie wertvolle, verifizierte und zugängliche Informationen liefern, die die Menschen brauchen, um ihre Herausforderungen zu meistern und ihre Ziele zu erreichen, können sich lokale Nachrichten in einer viel schwierigeren Landschaft behaupten.

 

Während des letzten Jahres der Covid-19-Pandemie, und besonders zu Beginn, haben selbst die am besten ausgebildeten und vernetzten Menschen verstanden, wie lähmend und gefährlich es ist, sich in einer Informationslücke zu befinden. Ohne verifizierte und wertige Informationen wurde es schwer, gute Entscheidungen zu treffen. Fehlinformationen verbreiteten sich und setzten sich durch. Verantwortungslücken folgten und werden zuverlässig von Informationslücken gespeist.

 

Doch heute liefern die meisten Lokalnachrichten Aktualisierungen, Analysen, Meinungen und Kontext für eine schrumpfende Gruppe von Menschen, für ein elitäres Publikum, das über ein gutes Einkommen verfügt und bereits in der Nähe der Machtzentren ist. Dieses Publikum hat bereits fast alle Informationen, die es braucht. Und da das Vertrauen unter liberal eingestellten Nachrichtenkonsumenten mit dem Nachrichtenkonsum steigt, vertraut dieses Publikum den Nachrichten bereits.

 

Die Texas Tribune und der Austin American-Statesman waren in der Lage, über dieses elitäre Publikum hinauszugehen und jedem, der es während der Winterstürme brauchte, einen Service zu bieten. Werden sie und andere nun daran arbeiten, Nachrichtenangebote aufzubauen, die für diese größere Gruppe von Menschen wertvoll sind? Werden sie ein breiteres Vertrauen aufbauen und Unterstützung gewinnen, die nachhaltiger ist?

 

In so vielen Gemeinden im ganzen Land gibt es keine lokalen Nachrichtenorganisationen mehr, welche die Situation ändern könnten. An Orten, an denen es keine Lokalnachrichten mehr gibt, werden sich irgendwann neue Anbieter etablieren und wachsen. Um nicht an den Rand gedrängt zu werden, müssen sie so aufgebaut werden, dass sie unverzichtbar sind. Es ist unmöglich, für eine demokratische Gesellschaft relevant oder wichtig zu sein, wenn man nicht zuerst für Einzelpersonen relevant ist und dann für Gemeinschaften, die auf Selbstbestimmung hinarbeiten.

 

In Detroit haben wir fast fünf Jahre lang daran gearbeitet: Outlier wurde entwickelt, um Informationslücken zu identifizieren und zu füllen. Es wurde immer so aufgebaut, dass es zuerst die Informationsbedürfnisse von einkommensschwachen Nachrichtenkonsumenten erfüllt. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf das Schließen von Informationslücken und auf eine verantwortungsvolle Berichterstattung. Dieser Fokus und unsere Kooperationen ermöglichen es uns, als kleines Team eine große Wirkung zu erzielen.

 

Wir unterhalten ein einfach zu bedienendes SMS-basiertes System in den drei am meisten verbreiteten Sprachen der Stadt. Die Detroiter können Informationen über ihre dringendsten Anliegen abrufen, darunter Zwangsräumungen, Arbeitslosigkeit, Covid-Impfungen und wo mobile Essensausgaben stattfinden. Ein Reporter überwacht diesen Feed ständig und setzt sich mit Menschen in Verbindung, die eine Nachbereitung durch den Reporter benötigen. Wir nutzen unser SMS-System als Motor für unsere Berichterstattung. Wenn wir sehen, dass kommunale Verwaltungen ihrer Verantwortung nicht nachkommen oder untätig sind und dadurch ernsthaften Schaden verursachen, berichten wir. 

 

Wir betreiben auch eine Detroiter Version des City Bureau's Documenters Programms City Bureau’s Documenters program (https://www.documenters.org). Einwohner werden dabei geschult und bezahlt, um bei Stadtversammlungen Notizen zu machen, die sonst nicht überwacht oder in das öffentliche Protokoll aufgenommen werden würden. Wir bearbeiten die Notizen und verwenden sie zusammen mit unseren lokalen Verlagspartnern für die Berichterstattung über öffentliche Angelegenheiten. Die Documenters sind eine aktive Gemeinschaft von bürgerschaftlich engagierten Einwohnern, denen wir mit unserer Berichterstattung dienen wollen.

 

Mehrere andere lokale Nachrichtenorganisationen im ganzen Land und auf der ganzen Welt hören auf die lokalen Bedürfnisse und arbeiten bereits daran, die Löcher in ihrem lokalen Informations-Ökosystem zu schließen. So arbeitet Flint Beat (https://flintbeat.com) daran, eine genaue lokale Berichterstattung in Flint, Michigan, zu erstellen. City Bureau(https://www.citybureau.org) bildet zukünftige Reporter in Chicago aus und bietet mit seinem Documenters-Programm eine solide Grundlage, auf der Lokaljournalisten in Detroit, Cleveland und Akron, Ohio, aufbauen können. In New York City ist Documented darauf ausgerichtet, den Informationsbedarf von Einwanderern zu decken - ein Markt von rund drei Millionen Menschen. Das Sahan Journal tut dasselbe in Minnesota.

 

The Oaklandside (https://oaklandside.org) arbeitet daran, in Oakland, Kalifornien, eine wichtige und reflektierende Nachrichtenquelle zu sein, und arbeitet mit El Timpano(https://www.eltimpano.org) zusammen, um Menschen zu erreichen, die Spanisch und Mam sprechen. In New Jersey baut das Civic Information Consortium(https://njcivicinfo.org) die lokalen Medien von Grund auf neu auf. Es gibt noch mehr Nachrichtenorganisationen, die auf diese Weise arbeiten, zusammen mit Reportern und Mitarbeitern, die Teil dieser Art von Nachrichtenproduktion sein wollen.

 

Was gehört zu einem essenziellen lokalen Informations-Ökosystem?

Record Creation

Die Erstellung von Aufzeichnungen (Chronistenpflicht) umfasst eine breit angelegte Faktensammlung und Verifizierung von Eilmeldungen, für die sich Gemeinden früher fast ausschließlich auf lokale Nachrichten verlassen haben. Soziale Medien haben einen großen Teil dieser Arbeit übernommen, aber es ist immer noch notwendig, dass es eine verifizierte, genaue und zugängliche Aufzeichnung dessen gibt, was in einer lokalen Gemeinschaft passiert. Einige neuere Organisationen sind groß genug, um wirklich als lokale Anker zu dienen, wie Flint Beat (https://flintbeat.com) in Michigan. Projekte wie das The City’s Covid-19 obituary and remembrance project das Nachruf- und Erinnerungsprojekt Covid-19 von The City in New York versuchen, eine vollständigere Aufzeichnung zu erstellen. Das City Bureau's Documenters Programm macht diese Aufzeichnungsarbeit zu einer gemeinschaftlichen Anstrengung zwischen Redaktion und Community.

 

Record correction 

Bei der Korrektur von Aufzeichnungen geht es nicht nur um die Berichtigung von Fehlern oder Irrtümern (die wichtig, aber hoffentlich selten sind). Die Aufzeichnungskorrektur dient auch der Verteidigung gegen Fehlinformationen und Verdrehungen, indem man versteht, dass Lokalnachrichten nur ein Akteur in einem Informationsökosystem sind. Ein nationales Beispiel für das Erstellen und Korrigieren von Aufzeichnungen war das Covid Tracking Project(https://covidtracking.com), das von The Atlantic(https://www.theatlantic.com/world/) ins Leben gerufen wurde, aber von Freiwilligen geleitet wird, und das begann, als die letzte Regierung Fehlinformationen verbreitete und den Ernst der Pandemie herunterspielte. The Markup's Citizen Browser(https://themarkup.org/series/citizen-browser) und Hearken's Election SOS (https://electionsos.com) sind beides Tools, die Journalisten zusammen mit Communities nutzen können, um Fehlinformationen und Polarisierung zu bekämpfen.

 

Filling information gaps 

Das Füllen von Informationslücken ist das, was Outlier (https://outliermedia.org) in Detroit jeden Tag tut. Andere Beispiele, die wir kennen, sind die Documented-Projekte, News414 (https://milwaukeenns.org/news414/) in Milwaukee und inewsource (https://inewsource.org) in San Diego. 

Während der Covid-19-Pandemie haben viele weitere lokale Nachrichtenorganisationen begonnen, diese Art von Arbeit zu leisten, darunter Resolve Philly (https://resolvephilly.org) und mehrere Gannett-Zeitungen (https://www.gannett.com).

 

Accountability reporting 

Rechenschaftsberichte sind wichtig, aber teuer. MLK50(https://mlk50.com) ist ein lokales investigatives Kraftpaket, das teilweise von ProPublica (https://www.propublica.org) unterstützt wird. Es gibt auch landesweite Kooperationen wie Centro de Periodismo Investigativo (https://periodismoinvestigativo.com) in Puerto Rico oder Searchlight New Mexico(https://searchlightnm.org), die eine Zusammenarbeit mehrerer Reporter und Nachrichtenorganisationen in einem Bundesstaat darstellen.

 

Narrative shift 

Dieser Ansatz beinhaltet die Korrektur von Aufzeichnungen mit einer breiteren Linse. Sie hilft den Menschen, neue Informationen und aktuelle Bedingungen zu kontextualisieren, indem sie versteht, dass die vorherrschenden Erzählungen der Vergangenheit nicht immer korrekt sind. Der Goldstandard dieser Arbeit ist das 1619-Projekt (https://www.nytimes.com/interactive/2019/08/14/magazine/1619-america-slavery.htmlhttps://en.wikipedia.org/wiki/The_1619_Project) von Nikole Hannah-Jones, das "die Folgen der Sklaverei und die Beiträge der schwarzen Amerikaner in den Mittelpunkt der Vereinigten Staaten stellt." Lokale Versionen dieser Arbeit finden überall statt, mit Beispielen wie Scalawag (https://scalawagmagazine.org) in North Carolina, Press OnIndigenizing the News(https://www.indigenizingthenews.com) in Michigan, und vielen anderen.

 

Community connection 

Community Connection ist die Aufgabe vieler Arten von Community-basierten Organisationen, die Verbindungen zwischen den Bewohnern schaffen können. Doch auch Medienorganisationen können dieses wichtige Bedürfnis erfüllen, indem sie ansonsten polarisierte Gruppen zusammenbringen. Öffentliche Medien können bei der Schaffung dieser Verbindungen vor Ort besonders effektiv sein, ebenso wie kleinere Organisationen wie Spaceship Media(https://spaceshipmedia.org).

 

Die Grenzen der Nachrichtenbeurteilung

Die meisten Redaktionen, welche die täglichen Informationsbedürfnisse befriedigen möchten, wissen, dass journalistisches Urteilsvermögen allein nicht ausreicht, um diese Bedürfnisse überhaupt zu erkennen. Organisationen wie The Listening Post Collective (https://www.listeningpostcollective.org), Outlier, das Projekt News Voices von Free Press(https://www.freepress.net/issues/future-journalism/local-journalism) und lokale akademische Partner sind bereit, Nachrichtenorganisationen dabei zu helfen, Informations- und Berichterstattungslücken mithilfe von öffentlichen Daten, Umfragen oder strukturierten Hörsitzungen zu finden. Die Forscher von Impact Architects(http://www.theimpactarchitects.com) haben sogar ein Toolkit zusammengestellt, um diese Arbeit zu erleichtern.

 

Einige Kritiker glauben nicht, dass Redaktionen, die sich deutlich auf die Bedürfnisse der Gemeinschaft konzentrieren, jemals so wertvoll sein könnten wie die lokalen Nachrichteninstitutionen, die wir verloren haben oder verlieren werden. Diese Ansicht missversteht grundlegend, dass diese Ideen als Fundament angeboten werden, auf dem man aufbauen kann. Wir schlagen vor, dafür zu sorgen, dass der untere Teil der Pyramide stark ist, bevor man damit fortfährt, jene weniger grundlegenden Bedürfnisse zu erfüllen, die weniger mit dem Überleben als vielmehr mit dem Gedeihen zu tun haben.

 

Wir sind auch auf die Skepsis gestoßen, dass ein enger Fokus auf Informations- und Verantwortungslücken nicht ausreichend journalistisch ist. Oder, selbst wenn er journalistisch ist, dass unser primärer Fokus auf die Schaffung von Werten und nicht auf die Modellierung der finanziellen Nachhaltigkeit, einen Mangel an Raffinesse sei.

 

Unserer Erfahrung nach müssen auch Organisationen, die aufgebaut wurden, um den Informationsbedarf der Gemeinschaft zu decken, ihre Methoden und Annahmen testen und daran arbeiten, ihre Auswirkungen zu messen. Die Idee ist einfach: Schaffen Sie einen Mehrwert und vertrauen Sie darauf, dass die Befriedigung von Informationsbedürfnissen eine starke Grundlage dafür ist, ein breites Publikum mit anderen wertvollen Nachrichtenprodukten zu erreichen.

 

Man kann nicht alles für jeden sein

Ressourcen können bei lokalen Nachrichten immer knapp sein. Unserer Erfahrung nach sollte die Entscheidung, wo diese Ressourcen eingesetzt werden, ein Gleichgewicht zwischen dem Beitrag zu einem gesunden Informationsökosystem und der Bereitstellung von Ressourcen sein, für die Journalisten ausgebildet sind und zu denen sie neigen: eine Aufzeichnung erstellen, diese Aufzeichnung korrigieren, Informationslücken füllen, Rechenschaft ablegen, das Narrativ verschieben und die Gemeinschaft verbinden.

 

Diese Grundlagen eines Informations-Ökosystems, wie wir sie sehen, sind nicht als Einschränkungen dessen gedacht, was lokale Nachrichten tun können. Vielmehr sind diese Grundlagen nur unsere Vorschläge für ein Fundament, auf dem man aufbauen kann. Unsere Gemeinden verdienen wertvolle, verifizierte und relevante Informationen, die sie nutzen können, um ihre Herausforderungen zu meistern und ihre Ziele zu erreichen. Wir glauben auch, dass Kommunen den Lokaljournalismus mehr schätzen werden, wenn wir seinen Wert zuerst demonstrieren. Es ist viel einfacher, den Wert zu demonstrieren, wenn lokale Nachrichten so aufgebaut sind, dass sie auf dem Weg dorthin Werte schaffen.

  

Postscript der Autorin

Unsere Arbeit ist iterativ und baut auf den Ideen, Modellen und Erfahrungen auf, zu denen wir Zugang haben. Fast unsere gesamte Arbeit ist außerdem kollaborativ, und wir haben das Glück, mit einer langen Liste von Partnern in Detroit und im ganzen Land zusammenzuarbeiten und zu schaffen, von denen wir hier nur einige nennen konnten. Outlier ist besonders der Forschung von James Hamilton zu Dank verpflichtet. Sein Buch "All the News That's Fit to Sell" und seine Studie über Informationslücken sind grundlegend für unsere Arbeit. Wir werden jeden Tag von den Reportern und Nachrichtenorganisationen inspiriert und motiviert, die kreativ arbeiten, um in herausfordernden und sich verändernden Zeiten einen Dienst zu erweisen. Wir möchten uns bei Dick Tofel bedanken, der uns ermutigt hat, diese Gedanken endlich niederzuschreiben. Wir danken den aktuellen und früheren Förderern von Outlier, dem Democracy Fund, der Knight Foundation, dem Facebook Journalism Project, der Community Foundation for Southeast Michigan, der Kellogg Foundation und den einzelnen Unterstützern von Outlier Media.

 

Dieser Bericht erschien ursprünglich auf der Website von Outlier, wurde von NiemanLab und auch von uns übernommen. Wir danken der Autoren, dass wir den Text publizieren konnten.

Outlier Media - Lokaler Motor für Berichterstattung 

Outlier Media ist eine in Detroit ansässige Servicejournalismus-Organisation. Sie wurde entwickelt, um lokale Informationslücken zu identifizieren und zu füllen. Es wurde so aufgebaut, dass es zuerst die Informationsbedürfnisse von einkommensschwachen Nachrichtenkonsumenten erfüllt. Dienstleistungsjournalismus ist ein auf den Nachrichtenkonsumenten ausgerichteter Ansatz zur Ermittlung des Informationsbedarfs, zum Aufbau von Vertrauen bei den Nachrichtenkonsumenten und zur Schaffung von Rechenschaftspflicht. Outlier unterhält ein einfach zu bedienendes SMS-basiertes System in den drei am meisten verbreiteten Sprachen der Stadt. Die Detroiter können Informationen über ihre dringendsten Anliegen abrufen, darunter Zwangsräumungen, Arbeitslosigkeit, Covid-Impfungen und wo mobile Essensausgaben stattfinden. Ein Reporter überwacht diesen Feed ständig und setzt sich mit Menschen in Verbindung, die eine Nachbereitung durch den Reporter benötigen. Dieses SMS-System wird als Motor für Berichterstattung genutzt. Wenn kommunale Verwaltungen ihrer Verantwortung nicht nachkommen oder untätig sind und dadurch ernsthaften Schaden verursachen, wird berichtet.

 

 

 

Die Autorin

Sarah Alvarez ist die Gründerin und Herausgeberin von Outlier Media in Detroit. Sie begann ihre Karriere als Anwältin in der Bürgerrechtsgesetzgebung in New York, ist aber als Journalistin viel glücklicher, als sie es je als Anwältin war. Bevor sie Outlier Media gründete, arbeitete sie als leitende Produzentin und Reporterin bei Michigan Radio, der landesweiten NPR-Tochtergesellschaft. In dieser Funktion berichtete sie über Themen, die für einkommensschwache Familien wichtig sind, über Kinderwohlfahrt und Behinderung. Über ihre Arbeit wurde im NPR, Marketplace, The Center for Investigative Reporting, Bridge Magazine, The Detroit News und der New York Times berichtet. Sarah glaubt, dass Journalismus ein Dienst ist und auf die Bedürfnisse aller Menschen eingehen sollte. Sie entwickelte das Modell von Outlier, nachdem sie jahrelang versucht hatte, herauszufinden, wie Journalisten bessere Arbeit leisten könnten, um Informationslücken zu füllen und die Rechenschaftspflicht gegenüber einkommensschwachen Nachrichtenkonsumenten zu erhöhen. Sie gründete Outlier 2016, während ihres Jahres als John S. Knight (JSK) Fellow an der Stanford University. Sie lebt im Nordwesten Detroits. 

E-Mail: sarah@outliermedia.org