#4/ 2021
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Ein paar Worte zum Geleit

Ich freue mich, dass wir in dieser Ausgabe im Rahmen unserer Kampagne „Lokalmedien2025“ einen Text von Sarah Alvarez veröffentlichen können. Sie ist Gründerin und Herausgeberin von Outlier Media in der 670.000-Einwohner-Großstadt Detroit im US-Bundesstaat Michigan. Outlier Media ist ein gemeinnütziges Projekt, das ich in meinem Bericht über „Hyperlokalen Journalismus“ bereits in unserer letztjährigen November-Ausgabe vorgestellt habe („Journalismus as a Service“, Ausgabe 11/2020, Seite 17).

Outlier Media versteht sich als Plattform, welche die Themen und die Informationsbedürfnisse der Menschen mit geringem Einkommen, von Randgruppen und Unterprivilegierten in die Medien der Metropole Detroit einbringt. Online und per SMS können Bürger auf Missstände hinweisen. Wie etwa auf Kommunalverwaltungen, die ihren Aufgaben nicht nachkommen, Gruppen oder Menschen bevorteilen oder benachteiligen. Oder auch auf Vermieter hinweisen, die ihre Verpflichtungen ignorieren. Das kann in den USA nämlich sehr schnell existenzielle Probleme auslösen: Zahlt ein Vermieter etwa seine Grundsteuer nicht, kann das die Zwangsräumung der Mieter (sic!) zur Folge haben. Bürger können also über Outlier Berichterstattung initialisieren. Denn die Plattform speist diese Themen in die Redaktionen der Medien von Detroit ein.      

Der Text von Sarah Alvarez in dieser Ausgabe schließt an die Überlegungen zum „System Lokalzeitung“ von mir im letzten digital publishing report an. Darin stellte ich unter anderem die Frage, ob der Fokus auf rein nachrichtliche und journalistische Formate die Informationsbedürfnisse der Leser und Nutzer künftig wirklich komplett abdeckt („Systematisches Scheitern?“, Ausgabe 03/2021, Seite 34). Mein Fokus war dabei auf den eher intellektuellen Leser gerichtet. 

Sarah Alvarez setzt sich nun ebenfalls mit dem Thema Nutzwert in Lokalmedien auseinander. Allerdings mit einem eher gesamtgesellschaftlichen Ansatz. Sie fragt: Welche Informationsbedürfnisse haben gesellschaftlich marginalisierte Gruppen und Randgruppen? Und wie können diese Informationsbedürfnisse inhaltlich und redaktionell umgesetzt werden. Sie skizziert und beschreibt Lösungen für die Frage, wie man diese Menschen zu Lesern machen könnte. 

Ergänzend dazu präsentieren wir in dieser Ausgabe den ersten Teil einer Gruppen-Diskussion, welche die Frage thematisiert, wie ein Teil der Lokalzeitungen in die aktuelle schwierige Lage kommen konnten. Es diskutieren Michael Geffken, Initiator der Initiative „Lokalmedien2025“ und langjähriger Leiter der Leipzig School of Media, Jan Ippen, Gründer und Geschäftsführer von Ippen Digital, die Verlegerin und Chefredakteurin der Deister- und Weserzeitung in Hameln, Julia Niemeyer, und Marc Leuthardt, der vor einigen Jahren die Plattform Lokalportal gründete. 

Ich kann Ihnen dieses spannende Gespräch nur ans Herz legen, denn jeder Diskussionsteilnehmer repräsentiert eine unterschiedliche Perspektive auf das Thema. Allen gemeinsam ist allerdings die Überzeugung, dass funktionierende Lokalmedien eine wichtige Bedeutung für unsere Zivilgesellschaft, für eine konstruktive öffentliche Debatte und ein funktionierendes Gemeinwesen haben.

Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!

Olaf Deininger
Mitherausgeber
DIGITAL PUBLISHING REPORT