#4/ 2021
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Was macht Sie als Arbeitgeber attraktiv?

Warum sollten sich potenzielle High-Performer oder A-Player ausgerechnet für das Unternehmen entscheiden, in dem Sie arbeiten? Was macht dieses Unternehmen als Arbeitgeber besonders attraktiv? Haben Sie sich diese Fragen schon einmal gestellt? Nein? Dann wird es höchste Zeit! 

War es bis Mitte der 2000er noch üblich, dass Unternehmen aus einem großen Bewerberpool wählen konnten, hat sich der Markt in den letzten Jahren gedreht. Heute sind gute Leute gefragter denn je und können sich ihren Job in der Regel aussuchen. Da reicht es schon lange nicht mehr, ein „interessantes und vielseitiges Aufgabenfeld“, eine „leistungsgerechte Vergütung“ oder ein „angenehmes Betriebsklima“ zu bieten. Sie lachen? Genau diese Formulierungen sind auch 2021 noch in vielen Stellenausschreibungen zu lesen. Wenn Sie das nicht glauben, klicken Sie sich einfach mal durch die gängigen Jobportale. Sie werden überrascht sein, was man dort alles finden kann. 

Aber mal ehrlich: Wie motivierend und ansprechend klingt das für Sie? Ein interessantes Aufgabenfeld, eine leistungsgerechte Vergütung und ein angenehmes Betriebsklima sollten doch selbstverständlich sein. Oder haben Sie schon mal in einer Anzeige für ein neues Auto gelesen, dass es eine Kupplung, eine Bremse und ein Gaspedal hat? Das wäre ungefähr dasselbe … Wenn Sie sich wirklich von Ihren Wettbewerbern abheben wollen, müssen Sie wissen, was das Unternehmen, in dem Sie arbeiten, ausmacht. Fachleute sprechen von Employer Value Proposition, also dem Nutzenversprechen des Arbeitgebers an die Mitarbeitenden. Dabei geht es allerdings weniger um die Basics wie Vergütung und Urlaub, sondern vielmehr darum, wie das Unternehmen tickt. Oder, wie es Serial Entrepreneur, Tech-Investor und TV-Persönlichkeit Frank Thelen gerne ausdrückt, um die DNA des Unternehmens. 

Welche Vision und welche Mission verfolgen Sie? Welches ist der gemeinsame Strang, an dem Sie ziehen? Was ist das große, übergeordnete Ziel Ihres Unternehmens? Und auch ganz wichtig: Was sagen die Beschäftigten über ihren Arbeitgeber? Das wissen Sie nicht? Dann fragen Sie sie! Fragen Sie Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Bereichen, WARUM sie genau hier arbeiten und nicht woanders. Und fragen Sie sie auch danach, was ihren Job noch attraktiver machen könnte, was ihnen fehlt oder worauf sie verzichten könnten. Diese Informationen sind sehr wertvoll für Sie. Denn schließlich muss sich auch ein Unternehmen ständig weiterentwickeln. War vor zehn Jahren noch die Höhe des Gehalts der häufigste Grund, um sich für einen Arbeitgeber zu entscheiden, zählen heute Work-Life-Balance, Familienfreundlichkeit, flexible Arbeitszeitmodelle und Nachhaltigkeit häufig mehr.

Da zufriedene und begeisterte Mitarbeitende ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit haben, sind sie ein wichtiges Aushängeschild für jedes Unternehmen – und für das Employer Branding, also die Arbeitgebermarke, von großer Bedeutung. Wie wäre es also, wenn Sie das eine oder andere Statement veröffentlichen würden? Am besten mit Foto, Namen und Aufgabenbereich! Natürlich nur mit Zustimmung der Zitierten. Alternativ können Sie auch kurze Videos aufnehmen. Diese müssen im Übrigen nicht unbedingt von einem professionellen Filmteam produziert werden, sondern können mit einem durchschnittlichen Equipment selbst aufgenommen werden. Sowohl schriftliche Statements als auch Videos haben eine große Wirkung auf potenzielle Kandidaten. Denn wenn sich Mitarbeitende öffentlich positiv über ihren Arbeitgeber äußern, ist das ein Zeichen für Identifikation und Loyalität. Wer insgeheim schon nach einem neuen Job Ausschau hält oder unzufrieden ist, wird sich für so eine Aktion nämlich sicher nur ungern zur Verfügung stellen. Aber natürlich gibt es auch Menschen, die generell nicht öffentlich in Erscheinung treten wollen – und trotzdem zufrieden sind. 

Die Autorin

Stephanie Mende ist Kommunikationsexpertin und arbeitet als Coach, Beraterin und Seminarleiterin mit den Schwerpunktthemen Recruiting, Personalentwicklung und Teambuilding. Als geschäftsführende Gesellschafterin eines Verlags war sie viele Jahre lang für Mitarbeitergewinnung und -entwicklung sowie Personalführung verantwortlich.