#4/ 2019
4/11

der digitalization canvas

ein visuelles tool zur unterstützung des digitalen wandels

Das Digitale gehört längst zum Alltag. Jetzt geht es für viele Verlage und andere Mitspieler in der Buchbranche darum, eine klare Strategie für die nächste Welle der Digitalisierung zu entwickeln. Es gilt, auf die kommenden und möglicherweise disruptiven Innovationen vorbereitet zu sein. Oder noch besser: sie aktiv mit zu gestalten 

Es ist paradox: Gerade aus Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen kommen immer wieder besonders innovative Ideen, gleichzeitig fühlen sich manche angesichts einiger mächtiger globaler Akteure in eine passive Haltung gedrängt. Abwarten erscheint mir jedoch der falsche Weg. Meine Überzeugung ist: Wir brauchen weiterhin viele Innovatoren, vielfältige Ideen, Lösungen und Antworten. 

Es ist notwendig, in jedem Unternehmen – unabhängig von der Größe – einen internen Prozess zu haben bzw. zu starten, in dem man ernsthaft der Frage nachgeht: Was bedeutet die nächste Welle der Digitalisierung für uns? Wie können wir sie zu unserem Vorteil und dem unserer Autoren, Leser, Partner nutzen? Die Macher vor Ort wissen am allerbesten, was sie heute tun, und bringen folglich als Experten ihres Bereichs exzellente Voraussetzungen mit, den digitalen Wandel mit zu denken und zu gestalten.

Fragt man Verlagsmitarbeiter danach, was ihnen zu Digitalisierung einfällt, bekommt man meist sehr unterschiedliche Antworten: Die eine nennt den Marktanteil der eigenen eBooks, der nächste das nun endlich geplante CRM-System und die aktuelle Social-Media-Kampagne, während die dritte laut über interaktive Story-Labyrinthe als neue digitale Erzählform nachdenkt. All das gehört sicher dazu – und doch lohnt sich ein weiterer Blick.

Zum Start empfiehlt sich eine klare Standortbestimmung aus der Vogelperspektive, die tatsächlich das „big picture“ betrachtet. Nützlich ist dabei eine visuelle Hilfe, die sicherstellt, dass alle – wie man im Englischen so schön sagt – „on the same page“ sind. Hierfür habe ich den Digitalization Canvas (DC) entwickelt.


Was genau ist der Digitalization Canvas?

Der Digitalization Canvas ist ein einfaches Instrument, um den Prozess des digitalen Wandels zu begleiten. Er kann dazu beitragen, vorhandenes Wissen hervorzuholen, Menschen zu motivieren, sie „mitzunehmen“ und zu Gestaltern ihrer eigenen digitalen Zukunft zu machen.

Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff „Canvas“ Leinwand. In den letzten Jahren hat er sich als Bezeichnung für Vorlagen mit verschiedenen Feldern eingebürgert, die wichtige Aspekte eines Themas und deren Zusammenhänge übersichtlich auf einer Seite visuell darstellen. 

Solche Vorlagen gibt es inzwischen für verschiedene Business-Themen, am bekanntesten dürfte der Business Model Canvas (Alexander Osterwalder) sein. Auf ihm bauen etwa der Lean Canvas (Ash Maurya) oder der Operating Model Canvas (Andrew Campbell und andere) auf. Und auch der Digitalization Canvas wurde vom Business Model Canvas inspiriert. 

Der Digitalization Canvas teilt die Vorteile anderer Canvases:

  • Übersicht: Alles Wichtige ist auf einer Seite und somit auf einen Blick zu sehen, gepaart mit der Möglichkeit, gezielt punktuell tief(er) einzutauchen. 
  • Visuelles Arbeiten: Der DC erleichtert visuelles Arbeiten trotz der Verwendung von Text. Zusammenhänge zwischen einzelnen Details sind so leichter erkennbar.
  • Struktur: Die 12 Felder des Canvas sowie deren Anordnung erleichtern ein strukturiertes Vorgehen.
  • Vergleichbarkeit: Als Vorlage dient stets derselbe „leere“ Canvas. Füllt man einen Canvas mehrfach aus, so werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede gut sichtbar.
  • Entwicklung neuer Erkenntnisse: Dank der beschriebenen Vorteile unterstützt der DC das Finden neuer Antworten. 
  • Einfachheit: Der Digitalization Canvas ist alles andere als „Rocket Science“, dafür wirkungsvoll und – analog oder digital – leicht verfügbar.


Wozu ist der DC konkret gut?

Als Gesprächsgrundlage hilft der Digitalization Canvas dabei, eine Diskussion zu strukturieren. Alle Beteiligten sehen dasselbe und füllen die Vorlage gemeinsam aus. Idealerweise begleitet sie dabei eine Moderatorin oder ein Moderator. Der Gesprächsfluss wird über 12 Felder gesteuert, Fakten werden thematisch sortiert. 

Der Canvas unterstützt dabei, vorhandenes Wissen zu aktivieren – sozusagen aus den Köpfen „herauszulocken“ – und neue Ideen der Mitarbeiter sichtbar zu machen und zu nutzen. Gemeinsam werden Bereiche identifiziert, in denen man gut aufgestellt ist, und solche, in denen es Handlungs- oder zunächst Recherchebedarf gibt. Alle Beteiligten gewinnen dabei schrittweise Klarheit und mehr Sicherheit. Dies erleichtert es, am Ende Entscheidungen zu treffen, um dann die digitale Transformation so zu gestalten, wie es im konkreten Fall passt. Bei Bedarf ist der DC daneben auch als Denkhilfe allein oder beispielsweise im Dialog mit einem zweiten Experten nutzbar. 

Wurde über die nächsten Schritte entschieden und beginnt die Umsetzung, dann kann der ausgefüllte Canvas als Referenzrahmen ein wichtiges Tool bleiben. Er sollte für alle Beteiligten weiterhin leicht zugänglich und möglichst gut sichtbar sein. Idealerweise begleitet er den digitalen Wandel im Unternehmen so über eine längere Zeit. Dabei wächst er agil weiter und wird immer wieder aktualisiert, so dass er stets den neuesten Stand abbildet. 


Mehr Informationen im Whitepaper

Der Digitalization Canvas umfasst 12 Felder, die in drei große Blöcke gegliedert sind. Herzstück sind die drei Level der Digitalisierung, die zum Schluss betrachtet werden. Sie beschreiben, wie weit die Digitalisierung insgesamt bereits gediehen ist: „digitale Inseln“, „digitale Integration“ und „digitale Innovation“.

Whitepaper

Die einzelnen Felder und natürlich auch diese drei Level habe ich ausführlich in einem Whitepaper beschrieben. Darin finden sich außerdem Vorschläge zum praktischen Einsatz in drei unterschiedlichen Szenarien.

                                                                        

Webinar

Am Montag, 11. März, zeigt der dpr außerdem gemeinsam mit Nina Kreutzfeldt in einem Webinar, wie der Digitalization Canvas in Firmen zum Einsatz kommt.


Nina Kreutzfeldt ist selbstständige Unternehmensberaterin und Business Coach (www.kreutzfeldt-coaching.de). Sie verfügt über mehr als 15 Jahre Business-Erfahrung hauptsächlich in der digitalen Medienbranche. Nach langjähriger Selbständigkeit war sie 2011 bis 2012 zwei Jahre lang Director Content Management EU beim international agierenden eBook-Anbieter Kobo Inc. Als Expertin in Sachen digitaler Transformation unterstützt sie heute Mittelständler und kleinere Unternehmen aus verschiedenen Branchen dabei, die Chancen der Digitalisierung gezielt für sich zu nutzen. Ihre Beratung ist in vielen Fällen förderfähig.