Die digitale Transformation ist nach wie vor eine der größten Herausforderungen für Lokalverlage. Abseits des technischen Aspekts werden die Bedürfnisse der Leserinnen und Leser individueller und es muss schnell auf neue Entwicklungen und Trends eingegangen werden. Das heißt, nicht nur die Frage des „Wo werden Inhalte konsumiert“, sondern ebenfalls das „Wie“ ist entscheidend. Die Multi-Channel-Nutzung ist längst kein Fremdwort mehr. Print, Online, via App – immer und überall Zugang haben.
Das „Blättle“ meines schwäbischen 5.000 Seelendorfs trudelt jeden Donnerstag in meinem Briefkasten ein. Der überzeugende Punkt, ein Abo abzuschließen, war damals aber nicht die Liebe zur Haptik – verstehen Sie mich bitte nicht falsch, nichts geht über den Geruch von frisch gedruckter Pressefreiheit und auch der abfärbende Toner hat seinen Charme. Print ist definitiv attraktiv. Ich liebäugelte jedoch mit der kostenlos im Abo enthaltenen E-Paper Version. Retrospektiv hätte ich dafür sogar freiwillig mehr bezahlt.
Das spiegelt sich auch in der Studie „Zukunft der (lokalen) Zeitung“ wider: Mehr als die Hälfte der Befragten sind nach der Präsentation eines E-Papers positiv überrascht und berichten von einem Wow-Effekt. Jeweils mehr als 50 Prozent schätzen die Option, Inhalte zu einem späteren Zeitpunkt erneut lesen zu können, die Benutzerfreundlichkeit, die einfache Handhabung wie auch die Übersichtlichkeit und Navigation sowie die Möglichkeit, die Artikel mit anderen zu teilen. Außerdem geht der Trend auch weiterhin in Richtung Multi-Channel-Nutzung: Mehr als ein Viertel der Befragten liest die Zeitung heute schon über drei Kanäle, in Zukunft wollen 41 Prozent drei Angebote nutzen.
In dem angewandten Forschungsprojekt der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) hat Prof. Christof Seeger mit Studierenden in Zusammenarbeit mit der Score Media Group untersucht, welche tieferliegenden Einstellungen und Wünsche die Konsumentinnen und Konsumenten gegenüber der (lokalen) Zeitung in Zukunft haben. Welche Angebote der regionalen Tageszeitung überzeugen die Nutzerinnen und Nutzer? Wie hoch ist die Bereitschaft für Berichtserstattung zu zahlen? Antworten auf diese Fragen und viele weitere finden Sie in dieser Ausgabe.
Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass das Printmedium per se nicht ausstirbt, wie es (leider) viel zu oft behauptet wird. Sondern, dass es lediglich mit Hilfe weiterer Faktoren und Kanäle bestärkt und hervorgehoben werden kann. Trotz der E-Paper-Ausgabe meines „Blättles“ weiß ich das Druckerzeugnis zu schätzen – würde ich diese Meinung nicht vertreten, hätte ich mich in der Wahl meines Studiengangs schlichtweg vergriffen. Außerdem schützt die digitale Ausgabe nicht meine Schreibtischoberfläche, wenn ich zu meinen Malpinseln greife und nach einem „Ich-hab-das-Wasserglas-umgeworfen“-Dilemma froh bin, dass ich eine Zeitung als Unterlage verwendet habe.
Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre!
Carina Drost
Redaktion
DIGITAL PUBLISHING REPORT