#3/ 2020
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Ein paar Worte zum Geleit

Mitunter holt einen auch in der Redaktion des DIGITAL PUBLISHING REPORT die Realität ein. Mit Themen wie digitale Schule/Schulbuch oder digitales Lesen haben wir uns in der Vergangenheit immer wieder beschäftigt, in der hier vorliegenden Ausgabe mit einem schon länger geplanten kleinen Schwerpunkt. Wohl wissend, dass Digitalisierung, vorsichtig ausgedrückt, eher leise Begleitmusik im Orchester des modernen Schulbetriebs ist. 

Jetzt aber sind bundesweit alle Schulen und Universitäten geschlossen: Dezentrales, digitales Lernen rückt von einem Tag auf den anderen in den Mittelpunkt – und aktuell zeigen sich prompt und massiv die Versäumnisse der letzten Dekade. Lernplattformen im Einsatz? Fehlanzeige. Dafür der Verweis etwa eines Schulrektors, möglichst täglich auf die schuleigenen Informationsplattformen zu schauen, Arbeitsaufträge kämen dann per E-Mail. Sieht so die Lehr-Infrastruktur eines der reichsten Länder der Welt aus? Wieso wird es einfach hingenommen, dass die Milliarden des Digital-Pakts am föderalen Kleingeist abprallen? Nachdem die Bundesländer es fertiggebracht haben, sich um eine Mitfinanzierung zu drücken, schaffen sie es jetzt nicht, die nötigen Nutzungskonzepte vorzulegen, die Voraussetzung für den Mittelfluss sind. Tatsächlich konnten so von den bereitliegenden 5 Milliarden erst 20 Millionen abgerufen werden – nicht einmal ein halbes Prozent.

Von einigen Wochen (so die Hoffnung) ohne gewohnte Schule werde die Welt schon nicht untergehen. Mag sein. Das Zeugnis, das man aber den Schulen (zum Glück sind die meisten Universitäten deutlich besser aufgestellt) und den Kultusministerien ausstellen muss, lautet eindeutig: „Nicht bestanden. Sitzengeblieben.“ Der Verdacht liegt nahe, dass im Sommer oder Herbst nach Abflauen der Pandemie auch der alte pädagogische Status quo wiederhergestellt wird. Aber bekanntlich stirbt die Hoffnung zuletzt. Die Lektüre unserer Artikel zum Schwerpunktthema sei jedenfalls allen Lesern und Leserinnen angeraten.

Und natürlich nicht nur dieser Artikel! Wer schon immer einmal wissen wollte, was „dieses Reddit“ eigentlich ist, wer hinter dem sagenumwobenen Scrum-Master steckt oder warum sich hinter OMG meist Clickbaiting verbirgt, ist in dieser Ausgabe sehr gut aufgehoben. Im weitesten Sinne „Unternehmensführung“ – aber bitte richtig! – ist das Thema weiterer Beiträge, von Management-Reporting und Lean Management bis hin zu einem kurzen Essay über den Effizienzwahn in vielen Unternehmen, die zu regelrechten Neurosen führen, gegen die auch kein „Chief Digital Feigenblatt Officer“ hilft.

Im Kontext der Digitalisierung beschäftigen wir uns redaktionell oder in Form von Webinaren mit einem breiten Themenspektrum, aber auch mit den Akteuren hinter Entwicklungen und Innovationen. Diesen Akteuren eine Bühne und Öffentlichkeit zu bereiten ist Aufgabe unseres „digital publishing award“, der in diesem Jahr in Frankfurt im Rahmen der Buchmesse zum zweiten Mal verliehen wird. Der Preis zeichnet dabei herausragende Projekte aus, mit denen Medien die digitale Transformation meistern. Aktuell hat jetzt die Einreichungsphase für Ihre spannenden Projekte begonnen: Wir freuen uns über zahlreiche Teilnahme! Hintergrund und weitere Informationen finden sich hier in der aktuellen Ausgabe und auf der Website www.digital-publishing-award.de, gerne können Sie uns aber hierzu auch anrufen oder eine E-Mail schicken.