#3/ 2019
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ein paar worte zum geleit

Je komplexer die Systeme, desto wichtiger ihre Reduktion, um sie handhab- bzw. verarbeitbar zu machen. Das ist eine für Systemtheoretiker triviale Erkenntnis, bei der es sich jedoch immer wieder lohnt, sich ihr Prinzip oder ihre Funktionsweise in der Biologie, in bestimmten beruflichen Kontexten oder anderen Lebenslagen vor Augen zu führen. Bevor ich eine weitere größere Schleife drehe und erkläre, wo dies überall virulent ist und dabei den Rest der an dieser Stelle verbliebenen Leser vergrätze, komme ich schnell zum Punkt: Gerade bei der Digitalisierung der Wirtschaft, mit der ein fundamentaler Wandel auch der Geschäftsmodelle einhergeht, ist Komplexitätsreduktion entscheidend für den Erfolg. Drei Beispiele, bei denen wir uns mit dem Thema intensiv befassen:

In der vergangenen Woche hat der Berater Jens Löbbe (Argestes Managementberatung) in einem dpr-Webinar gezeigt, wie Verlagsleute mit Hilfe des „Business Model Canvas“ bestehende Geschäftsmodelle auf Herz und Nieren prüfen oder neue Geschäftsmodelle skizzieren können. Eine betörend simple Methode, mit der selbst verschachtelte Modelle mit unterschiedlichen Zielgruppen und Ressourcen seziert werden können. Drei Stunden dauerte das XXL-Webinar, bei dem die Teilnehmer bis zur letzten Minute aufmerksam am Ball blieben. Kein Wunder, denn das neun Felder umfassende „Canvas“ ist eine ideale Grundlage, auf der sich alle Abteilungen im Verlag über neue und alte Geschäftsmodelle verständigen können.

In dieser dpr-Ausgabe ziehen wir diese Linie ein Stück weiter: Mario Kandler, Inhaber des ECMS-Systemherstellers SiteFusion, illustriert die Methode „Business Process Model and Notation“ (BPMN): „Der BPMN-Standard bietet zum ersten Mal in der Softwareentwicklung die Möglichkeit, eine gemeinsame ,Sprache' und somit ein Verständnis zwischen Entwickler, Produktmanagern, Anwendern und der Unternehmensleitung bereitzustellen“, erklärt Kandler. Wer in der Vergangenheit Projekte gesteuert hat, in denen beispielsweise Vertreter aus Content-, Vertriebs- und IT-Abteilungen plus Dienstleister mit am Tisch saßen, weiß um die große Herausforderung, allein eine kommunikative Basis zu finden. Wer sich nach der Lektüre des Interviews intensiver mit BPMN beschäftigen möchte, dem sei das passende dpr-Webinar am 14. Februar (13 bis 14 Uhr) empfohlen.

Um eine gemeinsame Sprache geht es auch beim dritten Beispiel: Nina Kreutzfeldt, selbstständige Unternehmensberaterin und Business Coach, hat sich von Alexander Osterwalders eingangs beschriebenem Business Model Canvas inspirieren lassen und ein Digitalization Canvas entwickelt: ein einfaches Instrument, um den Prozess des digitalen Wandels im Unternehmen zu begleiten. Der Canvas soll dazu beitragen, vorhandenes Wissen hervorzuholen, Menschen zu motivieren, sie mitzunehmen und zu Gestaltern ihrer eigenen digitalen Zukunft zu machen. Auch hier wird die Komplexität zunächst radikal reduziert, um eine kommunikative Basis zu erstellen – und anschließend bei der (Weiter-)Entwicklung einer digitalen Strategie durchaus strukturiert wieder Komplexität aufzubauen. Passend zum Artikel in dieser Ausgabe gibt es ein Whitepaper (hier zum Downloadsowie am 11. März ein dpr-Webinar, in dem Nina Kreutzfeldt zeigt, wie der Digitalization Canvas in Firmen zum Einsatz kommen kann.   


Viel Spaß beim Komplexitätsreduzieren wünscht

Daniel Lenz