#24/ 2018
3/11

ein paar worte zum geleit

Gerade wir vom digital publishing report sind mit der Mission angetreten, nicht nur Trends zu entdecken und für Mitarbeiter der Medienbranche verständlich zu machen – sondern auch Mythen oder überzogene Erwartungen zu entlarven. Ein Beispiel: Dem Thema Chatbots haben wir uns in vielen Ausgaben gewidmet. Auf Konferenzen ist immer wieder zu hören, wie intelligente Chatbots den Kundenservice revolutionieren können – könnten, müsste es heißen, denn so richtig revolutionär sind die Anwendungen meist (noch) nicht. Es dominieren regelbasierte Chatbots, die nach Wenn-Dann-Prinzipien Anfragen abarbeiten – und wenn ein Nutzer etwas außerhalb der Regeln möchte, leider ziemlich hilflos agieren. Von Künstlicher Intelligenz ist das oft noch weit entfernt.

Womit wir bei einem Schwerpunktthema dieser Ausgabe sind: Auch beim Thema KI (für die Chatbots eben nur eine Anwendung oder Ausprägung sein könnten) ist die Spanne zwischen den Versprechungen der Keynotes auf Fachkonferenzen und der Realität groß. Auf den Podien wird gerne der Eindruck erweckt, dass KI die ganz neue, revolutionäre Erfindung ist. Doch eigentlich ist das KI-Prinzip ein alter Hut, wie der Berater Fabian Kern jüngst auf Facebook schrieb: „Eigentlich hat sich in der KI-Forschung seit ca. 30 Jahren konzeptionell nix mehr Wesentliches getan. Das Einzige, was im aktuellen Hype anders ist: Es wird sehr viel mehr sehr viel bessere Hardware und gleichzeitig eine unfassbare Menge Marketing-Knete auf das Problem geworfen als früher.“

Fabian Kern verweist auf einen spannenden Artikel in der MIT Technology Reviewder zeigt, dass KI eigentlich tatsächlich Jahrzehnte alt ist. KI sei eigentlich „deep learning“. Und der „godfather“ des deep learning, Geoffrey Hinton, habe schon 1986 mit einem Aufsatz die Grundlagen gelegt. Weshalb wir nicht am Anfang, sondern streng genommen am Ende einer Revolution stünden. (Weitere interessante Artikel aus der Lektüreliste von Fabian Kern hier und hier und hier).

Vor diesem Hintergrund ist es wichtig, bei Themen wie KI nicht den Keynote-Versprechungen zu erliegen, sondern sie auf die Arbeitsebene herunterzuholen, wie es Rainer Lutze in dieser dpr-Ausgabe vormacht, indem er konkret zeigt, was KI bei Medien bewirken kann.

An dieser Stelle folgt noch der Verweis auf eine dpr-Neuerung: Zusammen mit der Personalberatung Dörrich & Kleinhans wollen wir das Thema „HR-Trends und -Praxis“ ausbauen. Regelmäßig wird es im dpr Artikel zu diesem Themenkosmos geben; außerdem haben wir einen digitalen Channel in Form eines laufend aktualisierten Magazins entwickelt.

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht


Daniel Lenz