#23/ 2018
4/13

Pinterest für unternehmen – so gelingt der optimale einstieg

Während Facebook am Algorithmus schraubt, Google+ gegen das Abrutschen in die Bedeutungslosigkeit kämpft und Twitter sich weiterhin in Deutschland nicht durchsetzen kann, hat ein anderes soziales Netzwerk (fast unbemerkt, dafür umso deutlicher) Marktanteile hinzugewonnen. Dabei handelt es sich nicht etwa um das hippe Instagram, sondern um das andere auf visuelle Inhalte spezialisierte Netzwerk: Pinterest. Im Januar dieses Jahres lag Pinterest hinter Facebook auf Platz zwei bei den Marktanteilen deutscher Nutzer. Ich behaupte mal, das haben nur wenige Marketer auf dem Schirm …

Mit welchen Maßnahmen Selbständige und Unternehmen auf Pinterest starten sollten und was es generell beim „Pinnen“ zu beachten gilt, habe ich in diesem Beitrag auf Basis eines eigenen Projekts und unserer gerade startenden Zielbar-Präsenz auf Pinterest zusammengetragen.

Hintergrund: Wer zuletzt das Gefühl hatte, dass die Reichweite der eigenen Facebook-Fanpage abgenommen hat, liegt damit richtig. Und das, obwohl die Fanzahlen oftmals gestiegen sind. Nach Recherchen von Hubspot haben Fanpages über die letzten Jahre massiv an Reichweite verloren. Einer Studie von Social@Ogilvy zufolge erreichen Fanpages gerade einmal zwei Prozent ihres Publikums auf organischem Weg.


Was ist Pinterest überhaupt?

Pinterest ist hingegen eine Plattform, die bei vielen Marketern unter dem Radar fliegt. Ein Grund dafür ist, dass die Vernetzung unter den Nutzern innerhalb des Netzwerks anders funktioniert als zum Beispiel bei Facebook oder Twitter. So gibt es zwar eine Messaging-Funktion, der Schwerpunkt liegt bei Pinterest aber ganz deutlich auf dem Teilen von Grafiken und Fotos. Darüber hinaus stehen visuelle Plattformen wie Instagram mit 800 Millionen aktiv genutzten Konten grundsätzlich stärker im Rampenlicht.

Die Wahrheit aber lautet: Pinterest ist nur schwer mit den klassischen sozialen Netzwerken vergleichbar.

So werden nicht eingeloggte Nutzer bei Pinterest empfangen:

Willkommen bei Pinterest – Finde neue Ideen zum Ausprobieren

Ganz deutlich: Hier steht nichts von Freunden, Vernetzung, Folgen oder Mitteilen. Vielmehr geht es bei Pinterest darum, Interessantes zu entdecken. In der Vergangenheit hatte das Netzwerk allerdings eher den Ruf als digitaler Treffpunkt für Handwerker und Hausfrauen. Themen wie Essen & Trinken, Mode, Wohnen und DIY sind zwar nach wie vor stark vertreten, als täglich aktiver Pinterest-Nutzer spreche ich jedoch aus Erfahrung, wenn ich sage, dass inzwischen so gut wie jedes Thema seine Fans findet.

Bei Pinterest können ausschließlich Bilder gepinnt, sprich hochgeladen werden. Diese Bilder lassen sich dabei jeweils mit einer kurzen Beschreibung, Hashtags und einem Link versehen. Das Resultat ist ein endloser Stream an Bildern, den Pins. Diese lassen sich in sogenannten „Boards“ speichern. Private Boards sind auch möglich, die bis zur Freischaltung für andere Nutzer nicht sichtbar sind. Das hat folgenden Hintergrund: Anfangs sehen Boards noch recht „nackt“ aus. Auf privaten Boards können Nutzer daher in aller Ruhe einen Grundstock an Pins sammeln, bevor sie damit an die Öffentlichkeit gehen. Am einfachsten geht das Pinnen übrigens mit einem Browser Addon.

Im Weiteren können Nutzer anderen Nutzern respektive anderen Boards folgen, wobei die erste Variante oft sinnvoller ist. Denn während ein Nutzer viele verschiedene Interessen hat, so sind Boards in der Regel thematisch abgegrenzt.

Ist die Plattform für Unternehmen interessant?

Kurze Antwort: Ja, absolut!

Selbstverständlich trifft das nicht auf jedes Unternehmen zu, aber insbesondere im B2C-Bereich stellt Pinterest eine große Chance dar. Denn im Gegensatz zu anderen Netzwerken suchen Nutzer hier auch aktiv nach Produkten, speichern diese ab und klicken sich zum Shop durch.

Dabei macht es Pinterest den Nutzern extrem einfach, auf die Ursprungsseite des jeweiligen Produkts zu gelangen: Aus dem Stream heraus können Bilder angeklickt und damit vergrößert werden. Der nächste Klick auf das Bild bringt den Nutzer direkt zur Website bzw. Landingpage eines Unternehmens.


Seit 2017 macht Pinterest auch in Deutschland ernst. Im vergangenen Jahr wurde die .DE-Domain eingerichtet, und diese schoss in der Google-Bildersuche gleich um 344 Prozent nach oben. Während das sicherlich für das SEO-Team von Pinterest spricht, zeigt Martin Mißfeldt die damit einhergehende Probleme auf.

Trotz allem gilt: Für Unternehmen, die Schwierigkeiten damit haben, ihre Bilder in der Suchmaschine ganz nach vorne zu bringen, könnte Pinterest ein Weg sein, deutlich mehr Sichtbarkeit und Reichweite zu erhalten.

Wie andere Plattformen hat Pinterest einen Algorithmus entwickelt, der bestimmt, nach welchen Kriterien den Benutzern Inhalte angezeigt werden – egal ob im Stream oder in den Suchergebnissen. Im Moment ist dieser Algorithmus allerdings noch relativ simpel, so können auch neue Nutzer relativ schnell organische Reichweite aufbauen.

Die nachfolgenden Praxistipps sollten Selbstständige und Unternehmen dabei beachten:

  • Wandle dein Pinterest-Konto in ein Geschäftskonto um! Dadurch bekommst du die Möglichkeit, Anzeigen zu schalten, hast Zugriff auf Pinterest Analytics und andere Features.
  • Mehr Pins = mehr Reichweite! Im Moment belohnt Pinterest vornehmlich Aktivität. Das bedeutet: Wenn du mehr erreichen willst, musst du mehr machen.
  • Pinterest ist eine einfache Suchmaschine. Wenn du hier nach „Auto“ suchst, dann werden dir Bilder angezeigt, die mit „Auto“ beschrieben wurden.
  • Nutze das Suchfeld, um herauszufinden, was bereits gesucht wird. Dann benennst du deine Bilder und Boards genau nach den entsprechenden Keywords.
  • Finde einen Stil, der zu dir oder deinem Unternehmen passt, und ziehe diesen Stil durch. Mache deine Bilder unverwechselbar.
  • Poste keine plumpen Produktbilder. Zeig deine Produkte in Aktion oder in einem netten Setting.
  • Schließe dich gut besuchten Boards an. Kurztutorial: Suche ein Board zu deinem Thema, das von mehreren Nutzern bearbeitet wird. Versuche herauszufinden, wer der Betreiber ist, oder schreibe einen Kommentar beim aktuellsten Pin. Frage, ob du ebenfalls Zugang zum Board bekommst.
  • Erstelle ein Board zu jedem deiner wichtigen Keywords.
  • Verlinke jeden Pin mit einer relevanten Unterseite deiner Website.
  • Bilder im Hochformat fallen oft auf, weil sie in voller Höhe angezeigt werden und viel Platz einnehmen.
  • Pinne mehr eigene Pins als fremde.


Tipp: Blogposts für Pinterest

Blogger können profitieren, wenn sie für Pinterest optimierte Artikel erstellen. Diese zeichnen sich insbesondere durch Auflistungen aus, die visuell begleitet werden – so wie etwa: „5 Outfits fürs Wochenende“. In einem solchen Beitrag liegt der Fokus auf den Bildern und nicht auf dem Text.

Weiterhin sollte ein für Pinterest vorgesehenes Bild bereitgestellt werden. Dieses muss den Inhalt des Artikels rüberbringen, sowohl visuell als auch mit Text. Zahlen scheinen dabei besonders gut anzukommen (wie im Beispiel mit den „5 Outfits“).

Mache es den Lesern so einfach wie möglich, den Artikel zu pinnen! Für WordPress gibt es beispielsweise diverse Plugins, mit denen Leser ein Bild direkt bei Pinterest pinnen können.


Tipp: Pinnen statt folgen

Wie bereits angesprochen funktioniert Pinterest in vielerlei Hinsicht anders. Während dir zum Beispiel bei Twitter andere User oft zurückfolgen, wenn du ihnen folgst, geht es Pinterest-Nutzern mehr um die Inhalte. Du wirst daher wenig Erfolg haben, wenn du Hunderten von Leuten folgst, in der Hoffnung, dass sie dir auch folgen. Konzentriere dich also auf qualitativ hochwertige, aus der Masse herausstechende Pins. Dann kommen die Follower quasi automatisch.


Persönliche Erfahrungen mit dem Traffic

Bei meinem Projekt Tropenwanderer (Costa Rica-Portal) kommen mittlerweile mehr als 60 Prozent des Social-Media-Traffics über Pinterest. Diese Tatsache an sich ist aber wenig interessant. Spannend ist hingegen, dass der Pinterest-Account vier Mal weniger Follower hat als die Facebook Fanpage.

Dazu kommt noch, dass wir bei Facebook nicht nur eine Fanpage täglich mit Posts versorgen, sondern auch noch eine Costa-Rica-Gruppe führen, in der auch immer wieder Hinweise auf das Tropenwanderer-Projekt gepostet werden. Im Prinzip muss man sagen, dass der Aufwand für Facebook in keinem Verhältnis steht.

  • Pinterest – 204 Follower: ~60 Prozent SoMe-Traffic
  • Facebook – 878 Fans (plus Gruppe mit 366 Mitgliedern): ~30 Prozent SoMe-Traffic

Da stellt sich die Frage: Warum machen wir Facebook überhaupt noch? Zwei Gründe sind diesbezüglich entscheidend. Zum einen findet via Facebook mehr Interaktion mit Nutzern statt. Das heißt: Wir kommunizieren dort aktiv mit den Fans und können so zum Beispiel Anmeldungen zum Newsletter oder den Verkauf von Services erreichen. Zum anderen ist die Zukunft von Facebook als Social Network unserer aktuellen Einschätzung nach sicherer als die von Pinterest.

Zwischenfazit: Selbstständige und Unternehmen können mit Pinterest den Traffic auf die eigene Webpräsenz relativ einfach erhöhen. Allerdings sollten sie niemals nur ein soziales Netzwerk bespielen, da jede Plattform individuelle Stärken (und Schwächen) hat.


Zielbar ist jetzt auch bei Pinterest

Zielbar ist bei Pinterest kaum aktiv. Das wird sich aber zukünftig ändern! Denn obwohl wir bisher nur wenig gepinnt haben, können wir bereits jetzt erste Effekte in Google Analytics sehen. Zwar sprechen wir hier von gerade einmal fünf Prozent des SoMe-Traffics, gemessen am Aufwand ist das aber sehr vielversprechend.

Fazit: Pinterest ist in Deutschland weiter auf dem aufsteigenden Ast

Genau wie Twitter und Facebook weist auch Pinterest keine Wachstumsraten von 100, 50 oder 30 Prozent mehr auf. Zudem kann Pinterest gerade einmal mit etwas mehr als 200 Millionen Usern aufwarten – und davon befindet sich nur ein kleiner Teil in Deutschland. Das Potenzial scheint aber vorhanden. So zeigt etwa diese Statistik aus dem Januar 2018 einen massiven Marktanteil für Pinterest.


Während der Pinterest-Markt in den USA schon gesättigt scheint, betrug das Wachstum in Deutschland im Jahr 2017 über 70 Prozent. Somit sieht das Bild hier ganz anders aus.

Pinterest ist im DACH-Raum also definitiv noch auf dem aufsteigenden Ast. Für dich oder dein Unternehmen ist daher jetzt der Moment, um einzusteigen. Hier ist insbesondere im B2C-Bereich viel Potenzial vorhanden, das du nicht verschenken solltest.

Obwohl es schon einige Jahre auf dem Buckel hat, ist Pinterest ein noch vergleichsweise junges Netzwerk. Dafür wächst es in Deutschland rasant. Für Unternehmen, Solopreneure und Freelancer eignet sich die Plattform ideal, um Sichtbarkeit zu gewinnen. Vorausgesetzt, die optische Qualität der Pins stimmt – nicht nur im Sinne des Corporate Designs. Wenn dem so ist, steht einem erfolgreichen Marketing mit Pinterest nichts mehr im Wege.


Dani Schenker bietet als selbstständiger Webworker seit 2010 Dienstleistungen in den Bereichen Online Marketing, Blogging und Social Media an. Beim Gemeinschaftsprojekt Zielbar.de ist er als Redakteur tätig und kümmert um SEO und den Bereich Veranstaltungen. Als Auswanderer hilft er zudem anderen, sich in Costa Rica zurechtzufinden. Dies sowohl über die Website Tropenwander als auch durch persönliche Beratung.


Pinterest im Landwirtschaftsverlag
Fallbeispiel kraut&rüben