#22/ 2018
8/21

„kunden durch intelligente und automatisierte kampagnen durch die customer journey leiten“

Angesichts der sinkenden organischen Reichweiten in Social Media rückt das vergleichsweise alte digitale Format Newsletter wieder stärker in den Fokus. Zu den beliebteten Anbietern gehört Mailchimp, dem wir uns in zwei Webinaren im November widmen. Vorab führt die Webinar-Referentin Ute Klingelhöfer (contentwerk.eu) im Interview ein ins Thema.

Warum ist der Newsletter als Marketing-Instrument trotz der Konkurrenz Ihrer Meinung nach unschlagbar? 

Erstens: Der Newsletter ist unabhängig von Social Media-Algorithmen. Wenn ich den Versandzeitpunkt meiner Kampagne auf 7 Uhr stelle, kann ich mir auch sicher sein, dass die E-Mail um 7 Uhr im Postfach meines Empfängers landet – anstatt in einem Newsfeed unterzugehen, bei dem andere Nachrichten vom Plattformbetreiber als relevanter eingestuft werden, weil sie vielleicht die passendere Headline, die schickeren Bilder oder den besseren Text enthalten. Bisher sind E-Mail-Postfächer noch chronologisch sortiert, wo gibt es sowas noch bei sozialen Netzwerken?

Zweitens: Der Newsletter ist gerade im B2B-Bereich ein tolles Instrument zur Kundenbindung und -verkauf. Die Nachrichten werden in dem Umfeld gelesen, in dem auch die Entscheidungen getroffen werden können.

Drittens: Durch intelligent gesteuerte und automatisiert ablaufende Kampagnen kann ich den Kunden durch die Customer Journey leiten und passend zu seinem Kenntnisstand und Informationsbedürfnis mit Wissen zum Unternehmen, Produkten und Angeboten versorgen. 

Welchen Stellenwert hat Mailchimp hierzulande im Vergleich zu anderen Anbietern?

Das kommt darauf an, in welcher „Filterblase" man sich bewegt. Wer sehr stark vertriebslastig arbeitet, wird möglicherweise eher infusionsoft, klicktipp oder ontraport wählen. Wer auf deutsche Anbieter steht, wird sich vielleicht eher für Cleverreach entschieden.

Für mich ist Mailchimp das Mittel der Wahl, weil mir die Bedienung Spaß macht und ich noch keine Bugs erlebt habe. Ich beobachte auch, dass mit Mailchimp viele kreative und beratende Dienstleister einsteigen, weil es weiterempfohlen wird und kostenlos ist.


Wo hat Mailchimp die größte Stärke?

Im zügigen Aufbau von Design-Templates und der raschen Zusammenstellung einer Kampagne. Und natürlich im Preis: Selbst die E-Mail-Automatisierung ist in der Free-Variante inklusive.

Und die größte Schwäche?

Mailchimp mag für den Einsteiger zu technisch erscheinen. Ich hingegen liebe die technische Ausrichtung, denn so kann ich sehr genau einstellen, und jederzeit nachvollziehen, was mit meinen Kampagnen wann passiert. 

In den letzten Monaten gab es ein Redesign, und die Benutzeroberfläche wird auch für Nicht-Techies intuitiver. Selbst Tags, die von anderen Tools bekannt sind, sind nun möglich, um Empfänger noch flexibler zu gruppieren und zu selektieren.

Für welche Firmen bzw Zwecke ist der Einsatz von Mailchimp empfehlenswert?

Mailchimp ist günstig, weil erst einmal kostenlos für alle mit einer Newsletter-Liste unter 2000 Abonnenten. Deshalb kommt es gerade für Gründer oder Einzelunternehmer infrage. 

Mailchimp ist seit Tag 1 des Inkrafttreten der DSGVO mit dieser konform und gehörte für mich zu den Siegern unter den amerikanischen Tools, was die Kommunikation dazu angehörte. Schon immer achtete Mailchimp auf das Double Opt-In der Kampagnen und machte es unmöglich, dass ich im Backend einmal abgemeldete User erneut in die Liste aufnehmen kann.

Mailchimp macht denjenigen Spaß, die schnell eine Kampagne senden wollen oder die ihre Kunden über E-Mail-Automatisierung aktiv durch die Customer Journey leiten wollen.

Wird Messenger Marketing perspektivisch den Newsletter ablösen?

Daran glaube ich nicht. Es gibt einfach noch viel zu viele Menschen, die Social Media nicht nutzen bzw. ich erlebe es gerade in meinem Freundeskreis, dass sich einige Menschen bewusst wieder den Social Media Netzwerken entziehen. Messenger Marketing ist toll für die Leute, die sich ad-hoc entscheiden wollen und dauerhaft erreichbar sein wollen. Ich habe jedoch noch kein B2B-fokussiertes Geschäft gesehen, das ohne E-Mails funktioniert und in dem fünfstellige Angebote über Messenger in sozialen Netzwerken versendet und angenommen werden dürfen. Ich glaube einfach nicht dran, dass die E-Mail zu 100% von WhatsApp, Facebook und Co. ersetzt wird. 



Ute Klingelhöfer ist studierte Technische Redakteurin und arbeitet als selbstständige Content Strategin (https://www.contentwerk.eu). Mit ihren Kunden (B2B Dienstleister) erstellt Sie Newsletter-, Social Media- und Blogcontent, der online gefunden wird, Aufmerksamkeit erzeugt und Interessenten zu Kunden macht.