#21/ 2019
3/8

ein paar worte zum geleit

Das Weihnachten der Buchbranche steht vor der Tür: die Frankfurter Buchmesse. Und trotz aller begleitender Aktivitäten und Schwerpunkte (dieses Jahr löblicherweise auch endlich in adäquatem Umfang das Thema Audio) wird natürlich wieder das gedruckte Buch im Mittelpunkt stehen. In der letzten Ausgabe hatten wir uns bereits mit dem Buchmarkt beschäftigt. Redaktionskollege Daniel Lenz meinte dazu in seinem Vorwort, das „traditionelle Medien wie das Buch den Wettbewerb ums Zeitbudget gegenüber Internetdiensten, Social Media, Film- und Musik-Streaminganbietern längst verloren haben … Die jungen Mediennutzer, die viel Zeit mit Serien und YouTube-Filmen verbringen, mit gedruckten Büchern oder E-Books jeglicher Couleur zurückzuholen, den Anteil an ihrem Budget zurückzuerobern – schwierig, vielleicht auch unrealistisch.“ Verlage sollten akzeptieren, dass „Bücher längst kein Leitmedium mehr sind und nie mehr sein werden“. 

Die Frage, ob das Buch wirklich noch Leitmedium sei, haben wir prompt unseren Leserinnen und Lesern gestellt – und waren von den Antworten überrascht: Immerhin die Hälfte meinte, das gedruckte Buch sei und bleibe Leitmedium, 40 Prozent vertraten die Ansicht, das Buch sei es zwar im Moment noch, werde diese Funktion aber verlieren. 10 Prozent meinten, das Buch habe diese Rolle schon lange verloren. Doch selbst unter den Leitmedium-Hardlinern waren Zweifel und Einschränkungen verbreitet, etwa mit der Einschränkung, das gelte nur für die Belletristik, nicht aber für Wissenschaft, Ratgeber oder den Fachinformationsbereich. Diese Unterscheidung ist insofern nachvollziehbar, schaut man sich die Nutzung in diesen Bereichen an – Gedrucktes ist ein Bestandteil unter vielen Medienkanälen und Endgeräten. Letzten Endes ist das gedruckte Buch nämlich nichts anderes als ein „Device“. Insofern ist es sinnvoll, daran zu denken, dass wir heute durchaus noch telefonieren – das nötige Zubehör aber nicht mehr auf dem Tisch steht, ein immer zu kurzes Kabel und eine Wählscheibe hat. Wir bewegen uns auch heute noch von A nach B – müssen aber weder auf das entsprechende Schuhwerk oder einen Sattel achten.

Eines jedenfalls ist so sicher wie Weihnachten und Buchmesse: In Frankfurt wird das Buch auf jeden Fall als Leitmedium gefeiert. Das ist schön. Allen, die aber gerade über einen Plan B nachdenken, sei zur Neugierde, Offenheit, Experimentierfreude und zur Lektüre des digital publishing report geraten.

 

Apropos: Der digital publishing report feiert mit dieser Ausgabe auch ein ganz besonderes Jubiläum: vor 3 Jahren, just zur Buchmesse, erschien die erste Ausgabe des #dpr. Das Team ist gewachsen, wir haben mit unseren Webinaren, Studien, Podcasts und monografischen Ausgaben unsere Angebotspalette erweitert und werden dies auch weiter tun. Das konnten und können wir aber nur mit der Hilfe eines tollen Teams und Netzwerks, unseren vielen Autoren und Autorinnen und natürlich unserer Leser- und Leserinnen-Community. Wir freuen uns jedenfalls darauf, in den nächsten Jahren mit spannenden Projekten und Produkten den Begriff „Medienunternehmen“ noch sehr viel weiter zu denken.

                                                

Ihr Steffen Meier