#21/ 2018
3/16

ein paar worte zum geleit

Das vorgezogene Weihnachtsfest der Verlagsbranche, die Frankfurter Buchmesse, ist vorbei. Dutzende Male täglich: „Wann bist Du gekommen?“, „Wie ist das Hotel?“ – und zum Abschied: „Wie lange bist du auf der Messe?“ Dazwischen ein wenig Gossip, von Termin zu Termin und von Halle zu Halle hetzen. Unmutsbekundungen über das Messe-Essen, meist auf Instagram oder Facebook – wir leben ja schließlich im 21. Jahrhundert, da müssen auch die Daheimgebliebenen darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass die Messe-Pommes eher nach recycelten Büchern schmecken. Über einen gewissen Herrn fluchen, der geistig im Jahr 1933 steckengeblieben ist und mit seinem Besuch dafür sorgte, dass in den Hallen 4 wegen gesperrter Zugänge Chaos ausbrach. Ein wenig Preisverleihung links und rechts, Bauchpinseln und Selbstbeweihräuchern und allenthalben wichtige Autoren und Autorinnen, die in 5 Jahren keiner mehr kennt. Das alljährliche Spekulieren über den Schwund der Stände und Ausstellungsflächen. Aber auch Wiedersehen und Kennenlernen, eigentlich der spannendste Aspekt. Also das übliche Messe-Papperlapapp, business as usual.

Die Frage, die den Schreiber dieser Zeilen aber am Nachhaltigsten beschäftigte und ihm oft gestellt wurde: Wo ist denn digitale Innovation auf der Buchmesse zu sehen? Nach der Erleichterung darüber, dass wir wohl größtenteils aus der elenden Diskussion über eBooks vs. Printbücher heraus sind und nur wenige noch fragen, wie lange es noch gedruckte Bücher gibt, bleibt dann doch nachhaltiges Grübeln: Ist all das, was wir unter „Digitalisierung“ subsummieren, inzwischen eine Art Hintergrundrauschen? Zu sehen an all den Menschen auf der Buchmesse, die unisono und völlig selbstverständlich ihre Smartphones zücken, mailen, whatsappen, facebooken und instagrammen und manchmal sogar telefonieren? Zu sehen an all den Verlagen, die inzwischen ihre Prozesse durchdigitalisiert haben und an neuen erzählerischen Formaten basteln?

Die großen Überraschungseffekte dieses Jahres: Hardcover ohne Folie und Papier aus Stein(mehl). Selbst bei der Auswahl der Messe-Termine für Digitalmenschen, die in der letzten Ausgabe erschien, fiel auf: So richtigrichtig Knackiges ist 2018 nicht dabei. 

Ist das digitale Innovieren der Buchbranche inzwischen also so weit, dass wir darüber gar nicht mehr reden müssen? Stecken wir gerade in einer Ruhephase vor dem „next big thing“, wie immer außerhalb der Branche entstehend, aber das Publizieren durcheinanderwirbelnd? Oder sind Frankfurt und die Buchmesse der falsche Ort, danach zu suchen?

Grübelnd bleibt einem wohl erst einmal nur, abzuwarten und Tee (oder Kaffee) zu trinken und die Visitenkarten, die einem in die Hand gedrückt wurden, zu sortieren. Vielleicht ist 2019 mehr digitale Innovation.


Steffen Meier