#2/ 2021
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Ein paar Worte zum Geleit

Guten Tag! 

Im aktuellen Magazin haben wir zwei Erhebungen unter unseren Lesern und Leserinnen für Sie aufbereitet – eine davon dreht sich um das Thema „Homeoffice und Remote Work“. Gerade die Veränderung der Arbeitsprozesse – wenn auch im Moment erzwungen durch die Pandemie – könnte gewaltige Auswirkungen auf die Unternehmen haben. Ein Aspekt, den wir in unserer Umfrage beleuchten wollten: Wie geht es unserer Zielgruppe eigentlich mit der Situation, grassiert bereits die berühmtberüchtigte „Zoom-Fatique“? Teils, teils, könnte man sagen (bzw. ab Seite 41 detailliert nachlesen): „Während noch 50 % der Befragten kein Zeichen von Homeoffice-Müdigkeit zeigen, sind es zumindest in Teilen 36 % und ganze 14 % sind schon gänzlich nicht mehr zufrieden mit der Situation.“ Die Gründe dafür sind vielfältig, neben dem fehlenden sozialen Kontakt wurden oft auch Faktoren genannt wie die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Freizeit. Und auch das Thema Homeschooling war und ist für viele eine belastende Situation.

Was man allerdings in vielen Kommentaren der Teilnehmer und Teilnehmerinnen unserer Umfrage auch heraushört: ein gewisses Misstrauen, ob es nach der Pandemie wieder ein „back-to-office“ gibt, immerhin wünschen sich das nur 11 % der Befragten. Ein Teilnehmer dazu: Meiner Meinung nach ist das Management nach wie vor ziemlich überfordert und wünscht sich „die alten Zeiten“ zurück.“ Schaut man sich aktuelle Meldungen und Stimmungsberichte unter Arbeitgebern an, könnte das durchaus passieren. So sieht das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung [https://www.marketing-boerse.de/news/details/2032-unternehmen-wollen-auch-nach-der-krise-an-homeoffice-festhalten/169801] unter der Überschrift „Unternehmen wollen auch nach der Krise an Homeoffice festhalten“ eine grundsätzliche Offenheit vieler Arbeitgeber für eine Flexibilisierung: „Die Corona-bedingten Anpassungen der Arbeitsorganisation haben vielen Unternehmen gezeigt, dass sich mehr Tätigkeiten für die Arbeit im Homeoffice eignen als bislang angenommen. Im unternehmensnahen Dienstleistungsbereich sind es mehr als 50 Prozent und im Verarbeitenden Gewerbe mehr als 40 Prozent der Unternehmen, die über solche digitalen Lerneffekte berichten … Aufgrund der neuen Erfahrungen und Erkenntnisse planen viele Unternehmen, Homeoffice auch nach der Krise intensiver zu nutzen als vor dem Beginn der Corona-Pandemie.“

Ganz anderes sieht es das Manager-Magazin [https://www.manager-magazin.de/karriere/nach-corona-mehrheit-der-firmen-will-mitarbeiter-aus-dem-homeoffice-zurueckholen-a-dda0abe3-1a76-4bd2-80e1-a3280bc95d4d]: „Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 1200 Firmen haben zwei Drittel nicht vor, ihren Beschäftigten nach der Coronakrise mehr Homeoffice als vor der Krise zu ermöglichen. Das Gros der Mitarbeiter solle wieder in die Büros zurückkehren.“ Am Ende könnte es also schade um eine verpasste Chance sein.

Tatsächlich hat die Veränderung der Arbeitsprozesse, konkret: die Digitalisierung der Prozesse noch weitere Auswirkungen. Es geht ja nicht nur darum, wo wir morgen arbeiten werden, es geht auch um das „wie“. Das geht langfristig von Themen wie Datenschutz bis hin zu der Preisentwicklung von Gewerbeimmobilien, kurzfristig aber um Prozess und Organisationsfragen. Ein kleines, sehr bezeichnendes Schlaglicht auf die Situation wirft die BDZV/SCHICKLER-Trendumfrage „Trends der Zeitungsbranche 2021“ vom Februar 2021 mit folgenden Ergebnissen unter dem Titel „Die Corona-Pandemie hat die Prozesse und Organisation in den Verlagen deutlich verändert“:

97 % der Verlage verändern in der Corona-Krise beschleunigt ihre Arbeitsorganisation,

84 % der Verlage sehen keine wesentliche Beeinträchtigung der redaktionellen Arbeit durch das Homeoffice,

62 % der Verlage stellen durch die Corona-Krise einen Effizienzzuwachs in ihren Prozessen fest.

Das klingt erstmal positiv – gegen Ende der Studie taucht aber folgendes Umfrageergebnis auf: „In den redaktionellen Prozessen ist die Mehrheit der Verlage heute noch nicht digital ausgerichtet – aber plant dies in drei Jahren.“ Es geht zwar „nur“ um Zeitungsverlage, aber im Jahr 2 der Pandemie-Zwangsdigitalisierung sind die Prozesse noch nicht digital ausgerichtet? Da kann man nur ironisch anmerken: „Das lässt hoffen.“

Eine gute Lektüre wünscht

Steffen Meier

Gründer & Herausgeber