#2/ 2021
6/15

„Endlich wieder eine Social Media App, die mir Spaß macht“

Einschätzungen von MedienmacherInnen zu Clubhouse

Mandy Schamber, Projektmanagement Digitale Medienentwicklung, Deutscher Fachverlag 

Warum ich Clubhouse interessant finde? 

Es ist nützlich zum Aufbau eines Netzwerks: Bereits nach drei Raumbesuchen hatte ich zwei spannende Interviewpartnerinnen für neue Podcast-Folgen gewonnen.

Ich empfinde es als angenehm, dass die Interaktion mit anderen in diesem Netzwerk über Wortbeiträge stattfindet und es – anders als auf Instagram – nicht zu jedem Beitrag ein Bild braucht, sondern Haltung und eine feste Stimme.

Es eignet sich für Recherchen: Es tummeln sich die Politik, Wirtschaft und viele Köpfe der Medienlandschaft in den Rooms, die meist geduldig und freundlich Fragen beantworten.

Ich erfahre wie andere Medienhäuser arbeiten. So hat t3n einen Room zum Thema „Hinter die Kulissen" gemacht und Zeit Online am 25. Januar in einen Room zur „Morgenkonferenz“ eingeladen.

In welchen Räumen Sie mich finden? 

Meinen ersten Kaffee trinke ich gern beim „feministischen Frühstück“. Sally Lisa Starken und Cordelia Röders-Arnold laden regelmäßig zum Austausch ein und machen Mut, sich zu Wort zu melden, damit Frauen auf Clubhouse sichtbarer werden. Als Social-Media-Managerin hüpfte ich auch in Linus Sieberts Room „Politik auf TikTok“ oder in den Räumen „Mach das mal viral – Social Media in Politik & Journalismus“ und "Clubhouse vs Twitter Spaces: Wer macht das Rennen?" 

Was ich nicht verstehe?

Die Ruheräume! Täglich und rund um die Uhr informiert mich die App über einen neuen Ruheraum. Ein kurzer Besuch bestätigte meine Vermutung: Da herrscht unter allen TeilnehmerInnen Schweigen. Warum sich dafür treffen? Wir können doch einfach das Handy lautlos stellen und dann ruhen – ohne Akku und Bandbreite zu verschwenden.

Warum gibt es keinen Terminblocker? Wirklich häufig finden zeitgleich interessante Talks statt. So läuft in diesem Augenblick „Mittag @im Regierungsviertel“ und auch „Super(wo)man – Let´s connect & grow." Das hätte ich gern nacheinander.

Warum gibt es nicht mehr Transparenz? Es könnte nach meinem Geschmack auf der Bühne einen Hinweis über alle angefragten Wortmeldungen geben und eine Stoppuhr zur Messung der Beitragslänge, weil doch gefühlt einige Herren sich sehr viel Raum nehmen, um beim App-Sprech zu bleiben.

Wieso darf die App nur für private Zwecke genutzt werden? Ich finde es völlig in Ordnung, wenn auch Unternehmen Profile (möglich auf FB, Instagram, Linkedin, Twitter usw.) anlegen und Rooms für Ihre KundInnen anbieten.

 


 

Frank Krings, PR-Manager, Buchmesse Frankfurt

Für mich ist Clubhouse seit Langem mal wieder eine erfolgreiche Social Media App, die auch mir Spaß macht. Die letzten groß gehypten Apps – Snapchat, Music.ally und TikTok – drehten sich um witzige Content Creation und waren an Teenagern ausgerichtet. Bei Clubhouse fühlen sich – ähnlich wie die größten Nutzergruppen auf Twitter – eher Meinungsmachende wie Politiker*innen, Aktivist*innen, Journalist*innen angesprochen. Passt also zu B2B wie B2C-Formaten. Angenehm finde ich den Leanback-Faktor: einfach in einen Raum gehen und zuhören. Man muss nix posten, nix Kreatives produzieren oder kommentieren. Und Clubhouse ist noch mehr ein Echtzeit-Medium als Insta-Stories: Was geredet wird, geht vorbei. Keine Screenshots möglich. Denke, dass Spotify demnächst einen Clubhouse-Klon bei sich integrieren wird – oder gleich die ganze App einkauft.

 


Michael Höcker, Leiter Online Marketing Strategie, Landwirtschaftsverlag

Da ist es schon wieder! Ein neues soziales Netzwerk, das einen Hype erzeugt. Dieses Mal in Form einer App, um vereinfach gesagt „zu telefonieren“ oder anderen Leuten zumindest dabei zuzuhören. Was sich jetzt auf den ersten Blick nicht sonderlich spannend anhört, Ist vielleicht doch eine logische Entwicklung. So bietet die App Clubhouse für ihre Nutzer die Möglichkeit, an live-Diskussionen zu einem Thema teil zu nehmen oder diesen zuzuhören. Was wir bereits von Podcasts kennen, findet nun nicht mehr on demand, sondern live statt und ist zudem interaktiv gestaltbar! Also eine „Weiterentwicklung“ des aktuellen Podcasts-Trends?

Wie auch immer. Aktuell handelt es sich bei Clubhouse um einen Hype, bzw. Trend. Es steht nach wie vor die Frage im Raum, ob sich das Netzwerk langfristig durchsetzen wird. Und für B2B Medien die Frage: „Muss ich jetzt auch noch auf Clubhouse aktiv werden?“ Zumindest letztere Frage lässt sich einfach beantworten. Hier gibt es ein klares JEIN! Zwischen „auf einem neuen Netzwerk als Unternehmen aktiv werden“ und „sich mit einem neuen Netzwerk beschäftigen“ liegt ein großer Unterschied. Während ersteres einer klaren Strategie mit entsprechenden Zielen bedarf, kann es auch sinnvoll sein, sich zunächst privat im neuen Netzwerk umzuschauen und dieses zuerst aus der Brille eines Nutzers kennen zu lernen. Im Falle von Clubhouse ist die Nutzung sowieso zurzeit nur als Person möglich (laut AGB). Dies schließt natürlich nicht aus, dass z.B. Menschen, die ein Unternehmen nach außen präsentieren (Beispiel: Elon Musk / Tesla) hier auch indirekt ein Unternehmen präsentieren können.

Sich mit neuen Hypes zu beschäftigen, macht auf jeden Fall Sinn. Vor allem, um auch zu einer besseren Einschätzung zu kommen, ob der Hype (in diesem Fall Clubhouse) für das eigene Unternehmen Potentiale birgt und wie diese ggf. gehoben werden könnten. Dabei geht es auch darum, stetig am Puls der Zeit zu bleiben und permanent nach Lösungen für unternehmensrelevante Fragestellungen („Muss ich jetzt auch noch auf Clubhouse aktiv werden?“ 😉) zu suchen. Ob Clubhouse nun the next big thing im Social Media werden wird, bleibt indes abzuwarten.