#2/ 2021
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Clubhouse oder Du kommst hier nicht rein!

Seit kurzem wird das Audio-Netzwerk Clubhouse enorm gehypt – was sind die Hintergründe?

Wer erinnert sich nicht an die geheimen Clubs und Banden in seiner Kindheit? Man wusste: Sie existieren, aber man kam einfach nicht rein. Solche Clubs sind nun digital mit der App Clubhouse auch wieder nach Deutschland zurückgekehrt.

Hintergrund & Funktionsweise

Im März erblickte die Clubhouse-APP als Audio-only Socia Network in Amerika das Licht der Welt. Die Anzahl der Nutzer wuchs kontinuierlich an, was in einer aktuellen Bewertung von fast 100 Millionen US-Dollar mündete. Anfang 2021 schwappte die Clubhouse-Welle dann über den großen Teich auf Deutschland über. Für Verstimmung und negative Rückmeldungen sorgte hierbei im ersten Moment vor allem, dass die App nur für iOS-Endgeräte verfügbar ist und Nutzer nur exklusiv per Einladung ins „Clubhouse“ dürfen. Hintergrund hierfür sind die aktuell begrenzten technischen und personellen begrenzten Ressourcen. In den nächsten Wochen soll die Android-Version folgen.

Bitte beachten Sie auch das passende  dpr-Webinar am 23. Februar 2021. 


Wenn man also mal „drin“ im Club ist, hat sein Profil (laut AGB sind aktuell nur Privatprofile erlaubt!) angelegt, seine Interessen ausgewählt und ist anderen Nutzer:innen gefolgt, kann man in vielfältigen Räumen den Vorträgen, Diskussionen und Gesprächsrunden lauschen. Alles läuft live und in Realtime ab und nichts wird aufgezeichnet. Über eine „Programmvorschau“, wie beim guten alten Fernsehen, kann man sich spannende Themen als Erinnerung speichern, damit man diese Sendung nicht verpasst.

Der Raum selbst folgt ganz klassisch einem analogen Kongress und teilt sich in Bühne und Zuhörerraum auf. In diesem befindet man sich – außer man hostet einen eigenen Raum – automatisch beim Betreten wieder. Um auf die Bühne zu kommen und sprechen zu können, macht man sich entweder über die Handheben-Funktion bemerkbar oder man wird von einem Moderator aufgefordert. Sitzt man dann auf dem Podium, sollte man gleich sein Micro stumm schalten, denn dieses ist automatisch aktiviert.

Hostet man einen eigenen Raum, den man entweder direkt ohne, aber auch mit Ankündigung im Programmheft später öffnen kann, ist man der Moderator und holt andere Nutzer:innen auf der Bühne. Wichtig hierbei: Wer mehr Follower mitbringt, zieht auch mehr Menschen in die Räume, denn diese können sehen, in welchem Raum man sich befindet.

Selbstverständlich kann man auch weitere Nutzer:innen per Einladung hinzufügen. Diese Einladungen sind entsprechend rationiert, um die scheinbare Exklusivität auch weiterhin beizubehalten. An wen man seine Einladungen weitergibt sollte man aber auch unter einem anderen Gesichtspunkt sorgsam wählen. Wer sich daneben benimmt, der wird nämlich samt Türöffner aus der Social Community entfernt.

 

Best Practice & Ideen

Die Hürde ist relativ gering, selbst eigene Inhalte in Clubhouse anzubieten. Frage ist natürlich: wie und was? Hierbei kommt es nicht immer auf Quantität, sondern wie immer auch auf Qualität an. Bereits mit wenigen Nutzer:innen kann ein wertvoller Austausch zustande kommen und allen Beteiligten etwas bringen.

Autorinnenlesung oder Buchvorstellung

Regelmäßige Autorinnenlesungen oder Buchvorstellungen könnten in einem Raum stattfinden, der vom „Verlag“, vertreten durch einen Mitarbeitenden, gehostet wird. Moderation beim Q&A ist notwendig.

Möglicher Ablauf: Einführung & Vorstellung – Lesung – Q&A – Ausblick auf die nächste Veranstaltung

Vorteil hier: Sowohl Verlag über die Mitarbeitenden als auch Autorin haben entsprechende Followerinnen, die an solchen Runden teilnehmen. Daher neben Autorin und Mitarbeitenden auch weitere Multiplikatoren (Buch-Bloggerinnen und ‑Influencerinnen) mit auf die Bühne einladen.

Diskussionspanels (Sachbuchautorinnen & weiteren Teilnehmenden)

Eine Sachbuch-Autorin steht für seine, auch oft gesellschaftlichen Themen. Dies kann man für Diskussionspanels mit Autorin und anderen passenden Teilnehmenden nutzen und diese Themen kontrovers in einem Raum in Clubhouse diskutieren. Diskussionsreihen sind hier selbstverständlich auch sehr gut möglich. Wichtig hierbei eine gute Moderation!

Möglicher Ablauf: Einführung & Vorstellung – Diskussion (auch mit Beiträgen aus dem Publikum) – Ausblick auf die nächste Veranstaltung

Vorteil hier: Sowohl Verlag über die Mitarbeitenden als auch Autorin haben entsprechende Reichweite. Je nach Diskussionspanel wird diese Reichweite deutlich verstärkt. Das Themen-Setting ist hierbei ebenfalls wichtig. Diese Variante kann auch als Kombination von Buchvorstellung und Diskussion zum Thema genutzt werden.

Expertinnenrunden (Fach-, Ratgeberautorinnen)

Der Verlag hostet gemeinsam mit einer Fach- oder Ratgeberautorin einen Clubhouse-Raum zu ihrem Spezialgebiet. Bei der Auswahl der Themenfelder sollte auf die Audio-Eignung der Inhalte geachtet werden. Die Expertin steht Rede und Antwort zu Fachfragen und kann auch einen konkreten Impuls mitbringen, der hier vorgestellt und besprochen wird. Moderation beim Q&A notwendig.

Möglicher Ablauf: Einführung & Vorstellung – Impuls zu Thema – Q&A – Ausblick auf die nächste Veranstaltung

Vorteil hier: Sowohl Verlag über die Mitarbeitenden als auch Autorin verfügen über entsprechende Reichweite. Dieses Format kann ebenfalls mit der Buchvorstellung kombiniert werden. Es können parallel mehrere unterschiedliche Themenräume gehostet werden, die regelmäßig bespielt werden.

Fazit

Aktuell boomt Clubhouse enorm. Durch Social Distancing haben die Macher der App den optimalen Zeitpunkt zum Start erwischt. Ob aus diesem Hype ein zusätzlicher dauerhafter sozialer Kommunikationskanal wird, gilt es noch abzuwarten. Hier gilt wie so oft: Probieren, geht über Studieren. Anmelden, umschauen und einen Testballon starten. Aber Vorsicht: Clubhouse kann zum Zeitfresser werden und man kann schnell zum FOMO-Opfer (Fear of missing out) werden.

Im beruflichen Kontext gilt es auch hier – wie bei allen anderen Kommunikations- und Marketingkanälen – die vier W-Fragen zu klären.

  • Was? Ziel, das erreicht werden soll. 
  • Wer? Zielgruppe, die erreicht werden soll.
  • Wo? Über welchen Kanal, das erfolgen soll.
  • Wie? Mit welchen Formaten und Inhalten, das erfolgen soll.

 

Der Autor

Johannes Quirin, Genuss-Netzwerker und CEO eines APP-Startups hat als Generation X und Digital Immigrant viele digitalen Technologien kommen und gehen gesehen. Er beschleunigt Prozesse als Ideen-Katalysator branchenübergreifend bei Digital-Fragen und vernetzt Menschen miteinander.


Einschätzungen von MedienmacherInnen zu Clubhouse