#2/ 2019
3/12

ein paar worte zum geleit

„Wieder mehr Dampf auf der Onlineschiene“ - das konstatiert Kollege Daniel Lenz in seiner Analyse des „dpr-Medienmonitor: Geschäftsklima 2019“. Und weiter: „Mehr als zwei Drittel sieht auf der Onlineschiene Zuwächse, deutlich mehr als vor einem Jahr – hier könnte das wieder an Fahrt gewonnene E-Book-Geschäft der Publikumsverlage eine Rolle spielen.“ 

Deutlich negativer sehen die Befragten den stationären Handel, zumindest teilweise wird der Direktvertrieb als Hoffnungsträger gesehen. Ein wirtschaftlich sinnvoller Umgang mit dem Kunden – also sowohl das Wissen über seine Befindlichkeiten als auch die Möglichkeit der Interaktion mit ihm – erfordert eine entsprechende technologische Basis. Hier passt eine Befragung der IG Digital des Börsenvereins gut ins Bild, die einmal Verlage in Hinblick auf den Einsatz von CRM-Systemen und Marketing Automation untersucht hat. Das Ergebnis ist hier (leider erwartbar) ernüchternd: Über die Hälfte der Verlage setzt gar kein CRM ein, von diesen wiederum planen dies fast 70% auch in den nächsten drei Jahren nicht. Bei Marketing Automation passen 86% in diesem Zeitraum. Gerade Verlage, die einerseits kaum noch im Handel stattfinden, aber auch keine Budgets und Ressourcen für eine technologische Unterfütterung ihrer Endkundenbeziehung haben, kommen hier mittelfristig unter die Räder.

„Fehlendes IT-Verständnis jenseits von Schlagworten und Halbwissen“ moniert übrigens auch einer unserer Beiräte, die wir um ihre Einschätzung der derzeitigen Herausforderungen für Verlage gebeten hatten. Zu diesem Verständnis gehört auch, im Rahmen von IT-Projekten Ausschreibungen richtig durchführen und einordnen zu können – und zwar seitens aller Projekt-Beteiligten, nicht nur als „Rocket Science“ der ITler. Deswegen haben wir diesem Thema einen längeren, pragmatischen, Buzzword-freien Beitrag gewidmet.

Neben der Technologie ist auch die Veränderung im Vertrieb ein bestimmendes Thema. „Customer Journeys, Kundenzentrierung, neue, KI-unterstützte Verkaufstechnologien und intelligent digitalisierte Arbeitsplätze“ stehen hier an erster Stelle. Und werden hier im Magazin einmal eingehender beleuchtet – zwar aus der B2B-Perspektive, aber im 21. Jahrhundert spielt die klassische Unterscheidung zwischen B2B und B2C eine immer geringere Rolle.

Wie man Facebook-Beiträge in ein Print-Magazin bekommt (und zwar ein Magazin für GalaBauer), dies zeigen wir ebenso wie wir Christoph Keese, der einst die Digitalisierung von Axel Springer maßgeblich vorangetrieben hat, Raum bieten für seine Überlegungen, warum Influencer Journalisten Konkurrenz machen und warum sein Job „disruptiert“ wurde. 

Herausforderungen allerorten - bevor wir aber beginnen, dauerhaft Trübsal zu blasen: es gibt auch Positives zu vermelden. Im Rahmen des digital publishing award hat sich die Medienbranche, oft gescholten ob ihres Beharrungsvermögens, von ihrer innovativen Seite gezeigt. Vor wenigen Tagen hatte die Jury die Qual der Wahl und kürte unter den über 60 Einsendungen die Gewinner für die Shortlist. Wer das im Einzelnen ist kann hier im Magazin detailliert nachgelesen werden. Und wir freuen uns natürlich schon darauf, zur Preisverleihung auf der Leipziger Buchmesse am 21. März 2019, 17 Uhr in Halle 5, Fachforum 1, E600 viele unserer Leserinnen und Leser begrüßen zu dürfen!

Viel Vergnügen und Erkenntnisse bei der Lektüre!

Steffen Meier