#19/ 2019
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ein paar worte zum geleit

Der Buchmarkt-Umsatz ist rückläufig, die Branche verliert massiv Käufer, vor allem in den jungen Zielgruppen. Und dass die Lage bislang nicht noch schlimmer ausfällt, liegt nur an den höheren Preisen, die von den Verlagen durchgesetzt wurden. – Die Ergebnisse der Börsenvereins-/GfK-Studie zum Buchmarkt („Quo vadis“) stehen weiterhin hoch oben auf der Diskussions-Agenda der Verlage und Buchhandlungen – insbesondere, weil weiterhin unklar ist, wie sie darauf reagieren sollen.

In dieser Ausgabe fasst Volker Oppmann sehr anschaulich nochmal die immer wieder neu zunächst deprimierenden Resultate zusammen. Oppmann kommt gleichwohl zu einem vergleichsweise optimistischen Fazit, dass Probleme auch als Chance begriffen werden können: „Es gilt also Angebote zu entwickeln, die genau auf die Bedürfnisse der jüngeren und mittleren Zielgruppe zugeschnitten sind und das Buch im wahrsten Sinne des Wortes wieder anschlussfähig machen – sowohl in technologischer Sicht als auch hinsichtlich eines zunehmend digitalen Lifestyles.“

Der Optimismus ist durchaus angebracht, wie auch der dpr-Medienmonitor „Zukunft der Mediennutzung 2019“ im April gezeigt hat.

Die gemeinsam mit YouGov durchgeführte Studie ergibt, dass sich Buchverlage am grundsätzlich schmalen Medien-Büffet – die Mehrheit der jungen Verbraucher gibt weniger als 25 Euro im Monat für Medien aus – erstaunlich gut schlagen: Der Anteil der Buch-Kaufverweigerer ist vergleichsweise gering. Der Anteil derjenigen, die zuletzt mehr Geld für Bücher investiert haben, liegt vergleichsweise hoch. Und: Fast ein Drittel der Befragten kündigt eine verstärkte Buchlektüre an.

Die dpr-Studie zeigt aber auch, dass traditionelle Medien wie das Buch den Wettbewerb ums Zeitbudget gegenüber Internetdiensten, Social Media, Film- und Musik-Streaminganbietern längst verloren haben. Umsatzeinbrüche sind unbequem, Niederlagen im Kampf ums Zeitbudget gefährlich.

Vor diesem Hintergrund erscheint Oppmanns Forderung, das Buch technologisch und beim „digitalen Lifestyle“ wieder anschlussfähig zu machen, wie eine allzu sympathische, aber womöglich zumindest in der breiten Masse eher aussichtslose Mission. Die jungen Mediennutzer, die viel Zeit mit Serien und Youtube-Filme verbringen, mit gedruckten Büchern oder E-Books jeglicher Couleur (Inhalte, Multimedia, etc) zurückzuholen, den Anteil an ihrem Budget zurückzuerobern – schwierig, vielleicht auch unrealistisch.

Vielleicht sollte das Ziel eher sein, die verbliebenden Kunden mit Büchern bestmöglich zu bedienen, sich in einem schrumpfenden, aber immer noch großen Teilsegment der Medienbranche so breit wie möglich zu machen. Dabei mitunter Bescheidenheit walten zu lassen – akzeptierend, dass Bücher längst kein Leitmedium mehr sind und nie mehr sein werden. Ein Rückzugsgefecht, ja, aber ein lukratives und mitunter komfortables.

Und daneben sich vom Format Buch komplett zu lösen. Grob skizziert: Verlage begreifen sich als Dienstleister bestimmter Communities, in die sie Inhalte hineinverkaufen, Gedichte, Rezepte, Spannungstexte, Reisetipps, Antworten zu aktuellen Lebens-Fragen („Ratgeber“), Drehbücher. Dabei gehen sie Kooperationen ein mit Youtubern, Filmproduktionsfirmen, Reiseveranstaltern, Konsumgüter-Brands, und, und, und. Das hat mit Büchern nichts mehr zu tun – aber mit bestimmten Inhalten, auf die sich Verlage spezialisieren. Und mit denen sie durchaus den Anschluss bei der jüngeren und mittleren Zielgruppe wieder finden können.

Eine inspirierende Lektüre wünscht

 

Daniel Lenz