#19/ 2018
12/21

"xugs, idugs & co. sind ideale plattformen für herstellungsprofis"

technologische trends im publishing und austauschformate für produktioner

Mit der Entwicklung von Technologien aller Art mitzuhalten ist heutzutage nicht einfach, auch in den Herstellungsbereichen der Verlage. Wie kann so etwas organisiert werden?

Anwendergruppen bzw. User Groups sind ein Phänomen, welches in der IT-Szene schon vor Jahrzehnten entstanden ist. User Groups sind selbstorganisierte Zusammenschlüsse von Menschen, die ein gemeinsames Interesse an einer bestimmten Technologie haben. Das können Betriebssysteme (UNIX / Linux, Windows, MacOS usw.) sein, das können Programmiersprachen sein, das können aber auch Anwenderprogramme sein.

Wenn ich Hersteller oder Herstellerin bin - wo kann ich heute hingehen, um zu lernen und mich auszutauschen?

In der Verlagswelt sind wahrscheinlich traditionell die Herstellungsabteilungen besonders technologiegetrieben, so dass sich Menschen insbesondere aus diesem Verlagsbereich schon seit einigen Jahren auch in User Groups zusammenschließen. So gibt es z. B. in vielen deutschen und Schweizer Städten und Ballungsräumen InDesign-User-Groups, in denen sich Herstellerinnen und Satzdienstleister tummeln. Im Zuge der Diskussionen um XML-gestützte Verlagsworkflows ist auch das Thema XML immer mehr in den Fokus gerückt. Die erste XML User Group gab es meines Wissens in Stuttgart, es folgten München, Köln-Bonn und Berlin, die mal mehr und mal weniger rege Veranstaltungen anbieten. In der XUGS planen wir ab September wieder eine Reihe von Veranstaltungen, bei denen wir auch Einsteigerinnen und Einsteiger besonders in den Fokus nehmen wollen. Infos dazu in Kürze auf der XUGS-Website und der XUGS-Xing-Gruppe.

Vor wenigen Wochen ist die erste XML-Herstellerzertifizierung von data2type erfolgreich zu Ende gegangen. Diese umfangreiche Schulungsveranstaltung soll auch im nächsten Frühjahr und Sommer wieder angeboten werden. Weitere Informationen dazu gibt es hier.

Was sind denn die aktuellen technologischen Trends im Publishing?

Von Kollegen höre ich derzeit, dass es in der Digital-Publishing-Szene derzeit so ist, dass viele technische Konzepte, die vor Jahren propagiert wurden, sich sehr in den Köpfen festgesetzt haben. Das ist ja prinzipiell gut und zeigt auch, dass die Verlagsbranche bei weitem nicht so technikfeindlich ist wie ihr Ruf. Das kann aber andererseits ein Problem werden, wenn das Insistieren auf einer Technologie den Blick darauf verstellt, was man eigentlich erreichen möchte. Ein Beispiel: Manche, die mit XML-Daten zu haben, fangen oft recht früh an, sich über ein Schema oder eine DTD (Dokumenttypdefinition) Gedanken zu machen. Das muss oft gar nicht sein. Man kann mit seinen vorhandenen Daten auch erst einmal Prozesse oder Produkte aufsetzen, vielleicht nebenbei iterativ konsolidieren und vereinheitlichen, und ein Schema ergibt sich dann mitunter als natürliches Nebenprodukt, dem man gar keine allzu große Aufmerksamkeit mehr widmen muss. Oder man gelangt unterwegs an einen Punkt, an dem man merkt, dass man mit einem Standard-Schema gut arbeiten kann und gar nichts eigenes mehr braucht.

PrintCSS geistert auch schon eine Weile durch die Branche...

Ja, das ist ein Trend im Bereich der Satzautomation, der einerseits nicht mehr ganz neu, andererseits auch noch nicht voll ausgereift ist. Zur Einordnung: Die herkömmliche XML-Technologie zum Erzeugen von Satzdaten ist XSL-FO. Diese Technologie hat sich tatsächlich nur bei Satz-Spezialisten durchgesetzt. CSS findet hingegen bei jeder Website Anwendung und wird von jeder Webentwicklerin beherrscht. Wenn nun also auch anspruchsvollere Print-Layouts mit CSS gestaltet werden können, so hat man Zugriff auf einen viel größeren Pool von Spezialisten, die sich mit der verwendeten Technologie auskennen oder sie zumindest schnell erlernen können. Wer sich dafür näher interessiert, sollte mal einen Blick auf https://www.print-css.rocks/ von Andreas Jung werfen. Wer sich lieber in Buchform in ein Thema einarbeitet, wird in „Print CSS. Grundlagen und Referenz“(ISBN 978-3938529089) von Christin Götz bedient.

Kai Weber ist gelernter Buchhändler, hat Literaturwissenschaft, Buchwissenschaft, Bohemistik, Deutsch als Fremdsprache und Informatik studiert, in einem Fachbuch-Verlag und im Zwischenbuchhandel gearbeitet und ist jetzt Softwareentwickler im Bereich Digital Humanities der pagina GmbH Publikationstechnologien. Zur Orga-Gruppe der XML User Group Stuttgart ist er vor etwa einem Jahr hinzugestoßen.