#18/ 2019
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ein paar worte zum geleit

Technologie ist aus unserem Alltagsleben nicht mehr wegzudenken – ganz besonders nicht die digitale. Das wird einem bewusst, wenn man – wie der Schreiber dieser Zeilen – mit seinem Auto in der Werkstatt ein Software-Update machen durfte: keine Ölflecken mehr an Händen, Wänden oder auf den Böden – Bits und Bytes beherrschen die Welt.

Wie auch alle unsere Themen: Sei es strategische Unternehmensführung, Marketing oder etwa HR. So konstatiert Stefanie Greve in ihrem Beitrag über die Erwartungen der „Generation Y“ an Arbeitgeber: „Die Generation Y ist eine Generation, die keine Zeit vor dem Internet kennt.“ Flexibilisierung der Arbeit und Ablösung des Zeitstempel-Taylorismus ist ja durch Digitalisierung erst möglich geworden. Auch unsere anderen Themen könnten nicht weiter weg sein vom wie auch immer gearteten „Ölwechsel“ der Vergangenheit. Da geht es um „robotic selling“ mittels hochkomplexer CRM-Systeme, um die Wechselwirkung von Chatbots (der Kundenservice des 21. Jahrhunderts) mit Künstlicher Intelligenz. Oder um die Unterstützung des Produktlebenszyklus durch PIM-Systeme – auf gut Deutsch: Produktinformationssysteme.

Spätestens jetzt bekommen sicher einige Leserinnen und Leser wieder leichte Kopfschmerzen, grummeln was von „Buzzwords“ und fragen sich nach der Relevanz für die eigene Arbeit. Das ist sicher verständlich – aber auch fatal. Denn die Medienbranche ist nicht im heimelig unveränderlichen Auenland beheimatet – keine Chance, den digitalen Orks die Eichentür vor der Nase zuzuknallen. Es gibt nur die Möglichkeit, um im Bild zu bleiben, mutig nach Mordor aufzubrechen und heil wieder herauszukommen. Das erfordert Wissen über den Weg, konkret für uns Medienschaffende: Wissen über Digitalisierung und Technologie. Das bedeutet nicht, dass wir jetzt alle zu codeversessenen Entwicklern werden müssen. Aber wir müssen uns um das für unsere heutige und zukünftige Art des Arbeitens nötige Know-how selbst kümmern. Denn wenn man genau hinsieht und den Markt beobachtet: Die jungen Spezialisten, die Quereinsteiger und die erfahrenen Berater zieht es längst in andere Gefilde. Viele Technologieanbieter winken müde ab, wenn das Stichwort „Verlag“ fällt: „Haben keine Ahnung, wollen alles anders – und am Ende ist es ihnen zu teuer.“ Das ist übrigens der O-Ton eines Anbieters. Und das ist gefährlich.

„Ich lese ja lieber gedruckte Bücher!“ – für diesen Satz muss sich niemand aus der Branche schämen. Nur darf man eben nicht den Schluss ziehen, dem Markt ginge es genauso und im Auenland wird sich schon nichts verändern.  Die Medienbranche kann mehr – wenn sie den Mut dazu findet.

                                                

Ihr menetekelnder

                                   

Steffen Meier