18 / 2018
5/12

„ein literarischer gruß zum wochenende“

whatsapp-kommunikation bei den hanser literaturverlagen

„Ich finde die Art, wie eine Geschichte erzählt wird, viel interessanter als die Geschichte selbst.“

Dieses Zitat stammt von der finnischen Autorin Minna Rytisalo und ist einer unserer „literarischen Grüße zum Wochenende“, die wir im August mit der „Hanser Post“ verschickt haben. 

Was mit Absicht ein bisschen oldschool klingt, ist eines der beiden WhatsApp-Angebote der Hanser Literaturverlage, mit dem wir als Autorenverlag genau das tun: Wir schicken Gedanken, Statements und Buchzitate unserer Autoren direkt auf das Smartphone unserer Leser. 

Inzwischen erhalten fast 3.500 Abonnenten jeden Freitag digitale Post von uns, die Mehrheit (ca. 70%) via WhatsApp. Die Inhalte variieren von Woche zu Woche und über all unsere Verlagsprogramme: Die Zitate stammen aus Romanen, Gedichten und Essays. Die Statements unserer Autoren beziehen sich auf aktuelle gesellschaftliche oder politische Ereignisse oder auf ihren Schreibprozess. Wir stellen immer wieder fest, wie groß die Akzeptanz der Abonnenten ist, auch längere Texte zu lesen – unsere Beiträge sind deshalb bei Weitem nicht immer auf ein oder zwei Sätze beschränkt. Hin und wieder haben wir sogar schon ganze Kurzgeschichten und Gedichte versendet.   

Besonders erfolgreich sind Nachrichten, bei denen wir ein Bild mitschicken, etwa eine passende Illustration aus dem zitierten Buch oder einen Schnappschuss vom Autor. Oder, wie erst vor kurzem geschehen, ein Audio, ein Klavierstück des Pianisten Alfred Brendel, entnommen von der CD, die seinem aktuellen Buch beiliegt. Die Möglichkeit, Inhalte zu kombinieren sind vielfältig, wobei damit auch die Herausforderung einhergeht, eine abwechslungsreiche Mischung zu bieten. Uns ist bewusst, dass wir mit dieser Art der Kommunikation sehr unmittelbar in den privaten Bereich unserer Leser vordringen –  und das am Freitagnachmittag. Oberste Regel deshalb: Der Inhalt muss den Empfängern einen wirklichen Mehrwert bieten, z.B. für einen gutgelaunten Start ins Wochenende sorgen oder zum Nachdenken anregen. Wenn dies gelingt, darf man sich über Öffnungsraten von um die 90 Prozent freuen.  

Mindestens genauso erfreulich wie die, im Vergleich zu anderen Kanälen, überdurchschnittlich hohen Klickraten (In jeder Nachricht ist ein weiterführender Link enthalten), sind die direkten Nachrichten, die wir regelmäßig von einzelnen Abonnenten bekommen, wobei wir bislang auf den Einsatz von Bots verzichten und alle persönlich beantworten. Sie reichen von unmittelbar geäußerten Kaufabsichten („Das Zitat hat mich neugierig auf den Roman gemacht, das werde ich mir morgen in der Buchhandlung mal genauer anschauen“) über allgemeines Lob („Ich freue mich jeden Freitag auf die Hanser Post“) bis hin zu irritierten Nachfragen, als wir aufgrund der DSGVO-Anpassungen im Mai zwei Wochen lang keine Post verschicken konnten („Haben Sie Ihren WhatsApp-Service eingestellt?“). So kann über diesen Kanal eine sehr enge, persönliche Kommunikation entstehen, sofern der Leser dies wünscht.  

Bezogen werden kann die „Hanser Post“ per WhatsApp oder alternativ per Insta-App oder Facebook Messenger. Die kostenlose Anmeldung erfolgt über unsere Verlagswebsite und ist mit wenigen Klicks erledigt. Wir nutzen das Tool von WhatsBroadcast, die ihre Services in verschiedenen kostenpflichtigen Paketen anbieten und vom konfigurierbaren Anmelde-Widget über den datenschutzkonformen Nachrichtenversand bis zur 1:1-Chatfunktion alles abdecken, was an technischem Handwerkszeug notwendig ist.  

Seit Oktober 2017 ergänzt die „Hanser hey! Montagsmotivation“ unser WhatsApp-Angebot. Sie wird jeden Montag verschickt, enthält exklusive Infos über Jugendbücher, Autoren, Aktionen und Gewinnspiele und richtet sich vor allem an die junge Zielgruppe. 

Für uns ist das Messenger-Marketing ein wichtiges Kundenbindungsinstrument und eine ideale Ergänzung zur Kommunikation auf anderen Social-Media-Kanälen, die im Vergleich vor allem den Vorteil sehr geringer Streuverluste hat. Perspektivisch wird interessant sein, wie sich die Angebote und Möglichkeiten weiterentwickeln, nicht zuletzt durch Facebook/WhatsApp selbst, die mit „WhatsApp for Business“ (seit Anfang des Jahres auch in Deutschland verfügbar, bislang nur als Android-Version) nun verstärkt Angebote für die B2C-Kommunikation schaffen wollen und diese nicht mehr nur Drittanbietern wie WhatsBroadcast überlassen. Eine spannende Entwicklung, die wir mit großem Interesse verfolgen, auch um unsere eigenen Services zu verbessern und kontinuierlich weiterzuentwickeln.  

Frauke Vollmer

Studium der Betriebswirtschaft / Medienwirtschaft an der Europa Fachhochschule Fresenius in Idstein. 2007 – 2009 Projektmanagerin in der Werbeagentur Blanck & Blanck in Hamburg. Anschließend Aufbaustudium Buchwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 2010 Online- und Community-Managerin bei den Hanser Literaturverlagen in München.