#17/ 2019
3/9

ein paar worte zum geleit

KI und Kommunikation, SEO auf Amazon, Roll-out von IT-Systemen, Micro-Moments – die aktuelle dpa-Ausgabe widmet sich vielen verschiedenen Bereichen des Alltags von „digitalen Medienmachern“. Und ich hoffe, dass Sie bei der Lektüre auch diesmal möglichst viele erhellende Momente haben. Vorab möchte ich besonders auf einen Artikel etwas detaillierter hinweisen, weil ich glaube, dass das darin geschilderte Projekt eines Schweizer Verlags mehrere Denkanstöße auch in ganz anderen Bereichen der Medienwelt gibt.   

Es geht um dem Stämpfli Verlag aus Bern, der einerseits als Fachverlag juristische Bücher und Zeitschriften herausbringt und andererseits Mitinhaberin und Zulieferin der in der Schweiz führenden juristischen Datenbank Swisslex ist. Um Inhalte – vorwiegend juristische Aufsätze – mehrsprachig anzubieten, setzt Stämpfli auf automatisierte Online-Übersetzungen durch das Kölner Unternehmen DeepL.

Die Vorteile liegen auf der Hand: natürlich Kostensenkungen – professionelle Übersetzungen in mehrere Sprachen sind teuer. Schnelligkeit – die Deepl-Übersetzungen werden in Sekundenschnelle on the fly generiert, so werden Backlist-Teste sofort erschlossen. Entscheidend aber: bessere Fokussierung auf den Kundennutzen. Die Nachteile: So ganz perfekt sind die Übersetzungen natürlich (noch) nicht. „Von unseren Kunden wissen wir, dass sie die Internetarchive unserer Zeitschriften im Wesentlichen zur schnellen Recherche verwenden und deshalb auch mit einer automatisierten und nicht zitierfähigen Übersetzung der Aufsätze vollends zufrieden sind“, erklärt Stephan Kilian, Programmleiter Juristische Medien, im dpr-Interview. Mit einem Klick werde der Aufsatz in Deutsch, Französisch, Italienisch oder Englisch übersetzt. Dadurch gewinne der Nutzer den schnellen Überblick. Und wenn der sich im Detail mit dem Thema auseinandersetzen oder wissenschaftlich zitieren möchte, verwendet er die Originalversion des Beitrags, digital oder print. 

Zusammengefasst bedeutet das: Ein Verlag verzichtet aus guten Gründen auf sprachliche Perfektion und menschliche Intelligenz – weil die an der Stelle nicht erforderlich ist. Zu Gunsten von Schnelligkeit, Markterschließung, forcierter Digitalisierung.

Mich erinnert diese Argumentation an andere Diskussionen aus dem Verlagsbereich. Beispiel Wettbewerb zum Selfpublishing: Sollten Verlage nicht bei Genreliteratur (à la Romance), die zunehmend von den verlegerischen Einzelkämpfern und digitalen Formaten dominiert wird, dezidiert Schmalspurlektorate an den Tag legen, um mehr und schneller Titel produzieren zu können? Eben weil ein im Detail durchkomponierter Text hier vom Leser gar nicht erwartet wird? Beispiel Sport- oder Bilanzberichterstattung, wo statt Journalisten Computer bei Presseverlagen automatisch entsprechende Meldungen verfassen.

Mut zur Imperfektion, um an anderer Stelle oder aber später im Verlauf der Produktentwicklung die von Verlagen – meist – gewohnte Gründlichkeit walten zu lassen, dies könnte eine Methode der Stunde sein, um die digitale Transformation zu meistern.

 

Eine erkenntnisreiche Lektüre wünscht

 

Daniel Lenz