#14 / 2018
5/10

sorgenkind e-book-leser?

dpr und lesen.net untersuchen lese- und kaufpräferenzen deutscher digitalleser

Die große digitale Disruption ist auf dem Buchmarkt seit der Neuerfindung des E-Reading durch Amazon auf den ersten Blick ausgeblieben. Der Buchhandel hat in den vergangenen Jahren vergleichsweise wenig Federn lassen müssen – und wenn, dann primär aus anderen Gründen: wegen des Wettbewerbs durch den Online-Vertrieb, wegen der Wachstumsorgien einzelner Filialisten, die inzwischen zurückgebaut haben, oder eben wegen hausgemachter Probleme (zu schwaches Profil, schlechter Service). Und auch bei den Verlagen ist das große Sterben etwa infolge der durch das E-Book verschärften Selfpublishing-Konkurrenz ausgeblieben.

Und doch gibt es zahlreiche Gründe, die Anlass zur Sorge geben, allen voran die Studie der GfK, nach der der Buchmarkt von 2012 bis 2016 rund sechs Millionen Buchkäufer verloren hat – besonders junge (14-29 Jahre) und mittlere (30-59 Jahre) Altersgruppen. Das legt die Schlussfolgerung nah, dass es den Verlagen und dem Buchhandel nicht gelungen ist, jüngere Leser mit digitalen Büchern zu binden oder gar den Markt auf diese Weise auszubauen, im Gegenteil, der Markt der Leser schrumpft. Die These findet ihre Entsprechung in den Analysen des Börsenvereins zum E-Book-Markt, nach denen die Wachstumsraten inzwischen niedriger ausfallen – oder gar Schrumpfen angesagt ist.

Vor diesem Hintergrund hat der digital publishing report die Zielgruppe der E-Book-Leser im Rahmen einer Befragung erforscht. Mit dem hauptsächlichen Ziel zu ermitteln, ob die sorgenvollen Blicke auf den digitalen Publikumsbuchmarkt berechtigt sind.

Basis der Erhebung sind rund 1400 Teilnehmer, die über einen Newsletter von lesen.net (führendes Magazin zum Thema E-Reading), rekrutiert wurden.

Die Erhebung ist keine repräsentative Umfrage zum Lesen schlechthin, sondern sie fokussiert dezidiert auf E-Book-Leser, die, wie zu sehen ist, größtenteils Hybrid-, Vielleser und Vielkäufer sind – fokussiert also auf die besten Kunden der Verlage. Für Verlage, die ihr Digitalgeschäft ausbauen wollen, ist dies eine besonders interessante Zielgruppe, weil es für sie vermutlich einfacher ist, in dieser Zielgruppe noch mehr oder wieder mehr Umsatz zu erzielen, statt Print-Leser oder gar Nicht-Leser ans Digitale heranzuführen.

Die wichtigsten Thesen auf Basis der Ergebnisse

  1. Wir müssen uns den Digitalleser als einen hybriden Vielleser und Vielkäufer, nicht aber als Digital-Taliban mit Interesse an allen möglichen E-Medien vorstellen
  2. Beim Leser herrscht keine digitale Ernüchterung
  3. Viele Digitalleser treten auf die Ausgabenbremse
  4. Die Preiserwartung für E-Books liegt niedrig
  5. Discovery: Konventionelle Impulse sorgen für Buch-Neuentdeckungen  

Unter dem Strich kann von einer Krise des E-Book-Marktes nicht die Rede sein. Das Interesse an (digitalen und Print-) Büchern ist weiter stark ausgeprägt und wächst bei vielen sogar noch. Im Medienwettbewerb dieser Zielgruppe schneiden Bücher am besten am. Und dennoch steht der Markt besonders für Verlagsanbieter unter Druck, weil die Käufer sehr preissensibel agieren und zu einem großen Teil ihre Ausgaben reduzieren wollen. 

Bei der Discovery von Büchern besteht die Herausforderung darin, neue Kanäle zu erschließen, über die sich Leser (und Nicht-Leser) über Medien informieren – Social Media sind zumindest bei den Viellesern und -käufern nur schwache Impulsgeber. 


Die Studie umfasst 33 Seiten, u.a. zu folgenden Aspekten:

  • Alter, Bildung, Einkommen der Digitalleser
  • Buchmedienpräferenz (Print vs. Digital)
  • Gerätepräferenz beim E-Reading
  • Kaufintensität bei Büchern und anderen Print- und Digitalmedien
  • Medienkonsum Streaming-Angebote
  • Konsum verschiedener Medienangebote nach Zeit
  • Entwicklung E-Book-Lektüre rückblickend
  • Prognose zur Entwicklung des Konsums verschiedener Medien
  • Entwicklung Gesamtausgaben für Bücher
  • Ursachen für Kaufzurückhaltung bei Büchern
  • Quellen beim Bezug von Büchern (Print & Digital)
  • Gründe für Präferenz Buchhandel
  • Gründe für Präferenz Onlinebuchhandel
  • Käufertypen
  • Preiserwartungen bei verschiedenen Genres (Print & Digital)
  • Quellen für Buch-Entdeckungen / Discovery-Impulse

Preis: 99 Euro (zzgl. Mwst.)