#13/ 2019
3/10

ein paar worte zum geleit

Es gibt einige Fragen, die im Jahres- oder Zweijahresturnus immer wieder auf die Agenda von Fachmedien rutschen: Braucht die Buchbranche noch Vertreter, gedruckte Vorschauen – gar beides? Wann stirbt der Pressekiosk, wann das lineare Fernsehen aus? Zu diesen Dauerfragen gehört auch die, ob Messen angesichts der Digitalisierung – trotz vieler Netzwerke à la LinkedIn und Facebook – noch eine Chance haben. Anders als die Vertreter- oder Vorschauen-Frage finde ich das Messe-Thema weiterhin spannend, auch weil die Diskussion oft in eine falsche Richtung läuft.

In dieser Ausgabe beschäftigt sich der Berater Johannes F. Woll mit diesem Thema – wenn auch einem speziellen Fokus, nämlich dem Verhältnis von Verlagen und Eventformaten wie Messen. Und kommt zu dem sehr treffenden Fazit, dass gerade die Kombination von Analog und Digital der Schlüssel ist: „Das persönliche Treffen wird nicht digital substituiert werden, kann aber mithilfe digitaler Anwendungen opti- miert, verlängert und intensiviert werden. (...) Ziel muss sein, dass sich Teilnehmer im Vorfeld schon miteinander vernetzen, relevante Touchpoints (auf der Messe wären das z.B. Sessions, Aussteller und ihre Angebote sowie Ansprechpartner, Points of Interests, passender und aktueller Content, andere Teilnehmer) nach Standortdaten in Echtzeit ausspielt werden und sich so die Messe als (Branchen)Treffpunkt einer Community und Marktplatz ganzjährig verlängert.“

Für den Einsatz von Digitalem auf Messen und anderen Events mit physischer Beteiligung (im Sinne von: echte Körper in echten analogen Umgebungen) hat dies mehrere Konsequenzen:

Digitales als Ausweis von Kompetenz: Wenn sich Verlage und andere Medienhäuser auf Messen präsentieren, sollten sie nach Möglichkeit auch ihre digitalen Aktivitäten zur Schau stellen. Das ist je nach Produkt nicht einfach, aber Alexa-Skills lassen sich mit Demo-Geräten vorführen, gleiches gilt für Apps, Datenbank-Anwendungen. Da sind Medienhäuser teilweise schon weit.

Digitale Nützlichkeit: Besonders die Veranstalter von Messen und Konferenzen sollten digitale Tools gerade dann einsetzen, wenn sie nützlich sind: Überblick verschaffen über das inhaltliche Portfolio, für Orientierung sorgen, Zusatzinfos zu den Referenten bieten. Je nach Branche ergeben sich weitere sinnvolle digitale Einsatzmöglichkeiten. Im Maschinenbau Augmented-Reality-Anwendungen, die zeigen, wie komplexe Maschinen aufgebaut sind; analog dazu in der Möbelbranche, wie sich neue Sessel oder Tische in den eigenen vier Wänden so machen. Auch hier gibt es schon sehr schöne Anwendungen.

Digitale Kommunikation: Hier klafft noch die größte Lücke. Wenn Messen und andere Veranstaltungen letztlich Kommunikation und Netzwerken sind und bleiben werden, darf diese nicht unmittelbar nach dem Event abbrechen – wie meist der Fall. Gerade neu aufgeworfene Debatten werden jäh unterbrochen – bestensfalls bis zur Wiederauflage der Veranstaltung. Hier müssen Veranstalter dafür sorgen, dass der Dialog nach dem physischen Event fortgesetzt wird, in speziellen Communities, seien es etablierte Netzwerke wie LinkedIn oder in eigenen Angeboten (beispielsweise Slackkanäle des Veranstalters). Das gerade eingestampfte Publishers Forum mag inhaltlich in Berlin noch so toll bespielt worden sei – nach der zweitägigen Veranstaltung war erstmal Finito. Bei der Buchmesse sieht die Situation nicht besser aus – von digitaler Community, die ganzjährig bespielt wird, keine Spur.

Wenn diese dritte Herausforderung gemeistert wird, muss man sich um die Zukunft von Messen und Konferenzen keine Sorgen machen.

Eine spannende Lektüre!