#13 / 2018
3/12

ein paar worte zum geleit

Eine der Grundregeln unternehmerischen Denkens lautet, sich in guten Zeiten für die schlechten Zeiten zu wappnen: Auch und gerade in der Medienbranche heißt das: Solange das Geschäft noch intakt ist, rechtzeitig in Innovationen zu investieren, die künftige Lücken zu kompensieren vermögen. Bei den Presseverlagen gelingt dies ansatzweise, beim Vorzeigebeispiel Axel Springer zumindest mit Neugeschäft jenseits der eigenen Branche – immerhin. 

In der Buchbranche wird dagegen weiter nach Artikel 3 des Rheinischen Grundgesetzes verfahren, „Et hätt noch emmer joot jejange“ („Es ist bisher noch immer gut gegangen“). Die erste Welle der Digitalisierung hat nur an den Fundamenten gekratzt, das große Buchhandelssterben ist ausgeblieben, das alte Print-Format weiter scheinbar en vogue. Die Schlussfolgerung vieler Unternehmen: Erstmal so weitermachen wie bisher. 

Als ob der Buchmarkt nicht schon Millionen (besonders junger) Leser in den letzten Jahren verloren hätte und die Konkurrenz besonders durch Bewegtbildmedien nicht immer größer würde – die Investitionen bleiben weitestgehend konstant, wie der dpr-Medienmonotor Geschäftsklima in dieser Ausgabe zeigt. Zwar ist die Basis der Erhebung zu klein, um repräsentative Schlüsse für eine ganze Branche zu ziehen. Doch ähnliche Erfahrungen macht auch Jens Klingelhöfer, Co-Gründer des Digitaldienstleisters Bookwire, der im Interview „zu wenig Experimente und Investitionsbereitschaft“ in der Branche erkennt. Und besonders mit Blick auf Belletristik-Verlage zu dem ernüchternden Fazit gelangt: „Schauen wir in andere Branchen, ist die Verlagswelt nicht weit, nicht schnell und nicht ambitioniert genug.“

Klingelhöfer liegt richtig mit seiner These, dass die Digitalisierung des Formates nur der Anfang und nicht das Ende der Transformation war. Jetzt gilt es darum, die vorhandenen – oft technischen – Möglichkeiten in den Bereichen Herstellung, Marketing, Content-Erstellung („Lektorat“ klingt weiterhin zu stark nur nach Print) zu nutzen, um den Lesern überzeugende Angebote zu machen: bessere Preise zu finden, die Inhalte stärker auf einzelne Zielgruppen zuzuschneiden und vor allem die internen Prozesse so zu verschlanken, dass die Verlage wesentlich schneller auf mediale Trends reagieren können. 

Dies gelingt nur mit Experimenten, viel trial and error, unweigerlich auch (mehr) Geld versenken, damit am Ende vieler einzelner Innovationsschleifen Ideen hängenbleiben und zum Erfolg geführt werden.   


Eine aufrüttelnde Lektüre wünscht

Daniel Lenz